29. April: Profis sprechen sich gegen Trainer Ristic aus

Durch dieses Trainingslager sollen Mannschaft und Trainer näher zusammenrücken. Als die Schalker am 29. April 1992 ins Trainingslager nach Billerbeck fahren, will Trainer Aleksander Ristic "das Klima in Einzelgesprächen entgiften". Es kommt anders. Präsident Günter Eichberg horcht im Hotel "Weißenburg" in die Mannschaft hinein. Das Resultat: Ristic wird gefeuert.

1992: Schalke trennt sich von Aleksander Ristic

Die Beziehung zwischen der Mannschaft und den Fans auf der einen Seite und dem Kroaten auf der anderen Seite beginnt denkbar ungünstig. Ristic ist Wunschtrainer von Präsident Eichberg und löst Anfang 1989 Peter Neururer ab, der auf Schalke sehr beliebt ist. Während der Ex-Trainer den Kontakt zur Basis pflegt, legt der Neue wenig Wert auf Volksnähe. Sätze wie „Mit Besoffenen rede ich nicht!“ kosten Sympathiepunkte.

Zudem hat die Mannschaft Schwierigkeiten mit dem autoritären Führungsstil von Ristic. „Im menschlichen Bereich gibt es erhebliche Probleme“, erklärt beispielsweise Günter Güttler. „Er behandelt Menschen wie Material.“ Fachlich und in Bezug auf Taktik will niemand Ristic einen Vorwurf machen. Und solange die Mannschaft erfolgreich ist, werden die Spannungen zwischen den Parteien kaschiert.

Ristic übernimmt die Knappen im Januar 1990 auf einem Aufstiegsplatz. Er führt sie zurück in die Bundesliga und belegt mit seiner Elf nach der Hinrunde überraschend Rang sechs. In der Rückrunde geht es aber abwärts. Nach zwei Heimspielen ohne Sieg (0:0 gegen Fortuna Düsseldorf und 1:2 gegen die Stuttgarter Kickers) steht Schalke nur noch ein Punkt vor einem Abstiegsplatz.

Dem Schüler des legendären Ernst Happel bläst nun ein eiskalter Wind ins Gesicht, den er selbst produziert hat. So verkündet er nach dem guten Bundesliga-Start: „Die Mannschaft ist nicht einmal Durchschnitt.“ Darüber hinaus legt er sich mit Führungsspielern wie Andreas Müller an, setzt den Kapitän sogar auf die Tribüne. Egon Flad muss sich anhören, er sei „der schlechteste Linksverteidiger der Liga“ und Torhüter Jens Lehmann wird mit folgenden Worten aufgemuntert: „Guck dir mal an, wie der Düsseldorfer Schmadtke hält.“

Die Spieler sprechen sich in Billerbeck gegen den Trainer aus und Eichberg reagiert nicht zuletzt vor dem Hintergrund des drohenden Abstiegs. Klaus Fischer, der die Amateure kurz vorher in die Oberliga führte, übernimmt die Mannschaft. Mit ihm gelingt der Klassenerhalt, Ristic heuert vier Monate später wieder bei Fortuna Düsseldorf an.

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