04 Fragen: So entstand die Fanfreundschaft zwischen Schalke und Twente

Ingo Büscher kommt aus Enschede und war von Beginn maßgeblich an der Entstehung der Verbindung zwischen dem FC Twente und Schalke 04 beteiligt. In den 04 Fragen berichtet er, wie aus kleinen Anfängen eine der größten internationalen Fanfreundschaften geworden ist.

Ingo, wie ist dein Kontakt zum S04 zustandegekommen?
Seit 1982 fahre ich auf Schalke, mein Vater hat mich damals mitgenommen. Es war das Spiel gegen Werder Bremen im Parkstadion. Dort hat mich der königsblaue Virus voll erwischt und ich bin regelmäßig zu den Heimspielen gefahren, ab der Saison 1987/1988 dann mit meiner ersten Dauerkarte.

Wie hat sich die Geschichte nach den ersten Anfängen weiterentwickelt?
Trotz des Abstiegs in die 2. Bundesliga 1988 ließ mein Interesse nicht nach, mit zwei weiteren Kumpels haben wir kaum ein Spiel ausgelassen. Immer mit dabei unsere Fahne „Oldenzaal grüßt Schalke“. So auch bei der Partie am 10. Mai 1990 in Berlin, Mittwochabend und nur 150 Schalker waren mitgereist. Mit der Fahne erregten wir Aufmerksamkeit und die anderen Fans waren begeistert, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben. Damals noch über die Transitstrecke durch die DDR. Durch die Begegnung mit S04-Anhänger Alex aus Hagen entstand eine persönliche Freundschaft, die in den folgenden Jahren insbesondere beim Fußball auf Schalke gepflegt wurde.

Neben den Besuchen beim S04 zog es mich seit 1990 immer häufiger zum FC Twente. Ich wuchs schnell in die Fanszene hinein, erarbeitete mir einen guten Ruf und entsprechendes Ansehen bei den Fans. Hierbei muss man wissen, dass die damaligen Fanszenen, egal ob in den Niederlanden oder Deutschland, von den Hooligans geprägt wurden.

Um einen Blick über den Tellerrand zu werfen, entschieden wir uns zu sechst aus Enschede nach Bremen zu reisen, wo der FC Schalke 04 am 25. März 1994 bei Werder gastierte. Neben dem Spiel war es damals auch das Drumherum, was uns interessierte. Nach dem Spiel wurden wir von einer Gruppe angesprochen, mutmaßlich Bremer, die uns bezüglich unserer Herkunft befragten. In dem Moment als ich wahrheitsgemäß Enschede antwortete, erblicke ich Axel aus Hagen, der nach vorne kam und sagte: „Ich kenne ihn, das ist Ingo. Die sind in Ordnung und gehören zu uns.“ So war das Eis gebrochen und gemeinsam zog man ums Weserstadion, mit gutem Ausgang für die neue Allianz.

Nach dieser Partie folgte eine Einladung zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg im April 1994, die wir sehr gerne annahmen. Zum ersten Mal waren wir mit einer größeren Gruppe aus Enschede auf Schalke, 35 Twente-Fans machten sich auf den Weg. Dies war der Beginn einer großen Freundschaft, begründet durch die Hooligans (Twente Hooligan Firm 1994/Gelsen-Szene) beider Clubs und mittlerweile übertragen auf die kompletten Fanszenen.

Was waren für dich die Highlights dabei?
Bei fast 2000 besuchten Spielen und unzähligen Stadien fällt eine Auswahl schwer. Absolute Höhepunkte waren das UEFA-Pokal-Finale in Mailand oder die Pokalfinals, die beide Vereine absolviert haben und natürlich die Niederländische Meisterschaft 2010. Aber auch viele vermeintlich kleinere Spiele, bei denen man sich auf die Unterstützung der Freunde verlassen konnte.

Was denkst du, wie es weitergeht und was erwartest du für das Spiel am Dienstag?
Das hört sich auf den ersten Blick ungewohnt an, aber ich wünsche mir, dass die Freundschaft nicht zu groß wird. Sie soll von Fans auf beiden Seiten gelebt und geprägt werden, die wirkliches Interesse haben und es nicht einfach nur modern oder populär ist. Respekt, gerade bei den Besuchen des jeweiligen anderen Clubs, ist unheimlich wichtig, schließlich repräsentiert man seinen eigenen Verein und sollte die Grenze kennen.

Ich glaube, dass sowohl in Gelsenkirchen als auch in Enschede eine sehr gute Basis besteht und die Kontakte von den Fans auch auf eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen der Clubs ausgeweitet wurden. Ansonsten hoffe ich auf ein gutes Spiel, möglichst viele Zuschauer und ein Unentschieden.

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