Jochen Schneider: Mutig sein und neue Wege gehen

Sportvorstand Jochen Schneider hat bei seiner Rede auf der Mitgliederversammlung am Sonntag (30.6.) die vergangene Saison noch einmal Revue passieren lassen, darauf aufbauend aber vor allem den Blick nach vorne gerichtet. „Wir müssen auf der Höhe der Zeit sein, vorangehen, mutig sein und neue Wege gehen“, sagte der 48-Jährige vor den Mitgliedern in der VELTINS-Arena.

In der Rückschau auf die enttäuschende vergangene Spielzeit erklärte Schneider, dass viele Puzzleteile nicht gepasst hätten. Dies hatte letztlich die Trennung von Domenico Tedesco zur Folge. „Das tat mir persönlich extrem leid, weil ich ihn seit zehn Jahren gut kenne und ich ihn für einen hervorragenden Trainer halte, der noch eine große Karriere hinlegen wird“, betonte Schneider. „Seine Verdienste um unseren FC Schalke 04 bleiben unbestritten und unvergessen“, ergänzte der Sportvorstand.

Großer Dank an Kreutzer, Asamoah, Büskens und Stevens sowie an die Fans

Schneider bedankte sich anschließend bei Matthias Kreutzer, Gerald Asamoah, Mike Büskens und vor allem Huub Stevens, die die Mannschaft in einer ganz schwierigen Phase übernommen hatten. „Ihr habt entscheidend dazu beigetragen, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen und das Allerschlimmste zu vermeiden“, sagte Schneider in Richtung des Quartetts.

Auch den Mitgliedern und Fans dankte der Sportvorstand – nicht nur für die „unglaubliche Unterstützung“, sondern auch für das feine Gespür während der Saison. „Ihr habt nicht auf die nackten Ergebnisse reagiert, sondern auf die Leistung und das Auftreten unserer Truppe“, sagte Schneider und ergänzte in diesem Zusammenhang: „Jetzt sind wir, das Management, das Trainer- und Betreuerteam und unsere Mannschaft an der Reihe. Ich habe schon gesagt, dass wir so nicht weitermachen können.“

Viele Faktoren gaben den Ausschlag für David Wagner

Schalke 04 sei ein Kumpel- und Malocherclub. „Und genau das muss jeder auf dem Platz erkennen“, so Schneider. Die Königsblauen sollen in der Öffentlichkeit wieder als Mannschaft mit einer mutigen Spielphilosophie wahrgenommen werden – auch aus diesem Grund hatte sich der Verein für eine Verpflichtung von David Wagner als Chef-Trainer entschieden. Wagners Persönlichkeit, seine Führungsstärke, seine Art, Fußball spielen zu lassen und seine Fähigkeit, Spieler besser zu machen, seien ganz wichtige Faktoren, wieso der US-Amerikaner als neuer Übungsleiter der Lizenzspielermannschaft angestellt wurde.

Jeder Mitarbeiter, jeder Spieler muss jeden Tag 100 Prozent Leistung für Schalke 04 erbringen.

Jochen Schneider

Zudem betonte Schneider, dass der Verein einen stärkeren Fokus darauf legen werde, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für seine Spieler zu schaffen. Umgekehrt fordert der 48-Jährige hundertprozentigen Einsatz der Profis. „Über der Eingangstür zum Profileistungszentrum muss stehen: ‚Keine Ausrede‘. Es gibt keine Ausreden mehr. Jeder Mitarbeiter, jeder Spieler muss jeden Tag 100 Prozent Leistung für Schalke 04 erbringen.“

Neue Spieler besser integrieren

Das Profigeschäft werde immer komplexer und der Wettbewerb immer härter, erklärte Schneider, der in vielen Bereichen wie Leistungsdiagnostik oder Athletiktraining noch „Luft nach oben“ sehe. Er sei glücklich, „dass es uns schon gelungen ist, einige der Besten zu uns zu holen, um uns in allen Bereichen rund um unsere Profimannschaft besser aufzustellen“, sagte der 48-Jährige. Denn es gelte, „alle Mittel auszuschöpfen, um unsere Mannschaft Woche für Woche bestmöglich auf die Spiele vorzubereiten“. Des Weiteren sei es von enormer Bedeutung, die neuen und ausländischen Spieler willkommen zu heißen und sich um sie zu kümmern. „Unser Ziel muss es sein, unsere Neuzugänge einerseits schnell und gut zu integrieren und ihnen andererseits aber auch die Werte des FC Schalke 04 klar zu verdeutlichen“, sagte Schneider. Einer dieser Neuen ist Ozan Kabak. Die Knappen verkündeten den Transfer des 19 Jahre alten Innenverteidigers, der vom VfB Stuttgart nach Gelsenkirchen wechselt, mit einem Videoclip. Schneider sagte in Bezug auf Neuverpflichtungen: „Wir müssen auch wissen, welche Charaktere wir zu uns in unsere Kabine holen. Dies ist heutzutage genauso wichtig wie die rein sportliche Beurteilung.“ Daher werde die Scouting-Abteilung neu und nach modernsten Gesichtspunkten aufgestellt.

Für die Knappenschmiede wird mehr Geld in die Hand genommen

Zudem sollen einem besonderen Prunkstück des Vereins noch größere finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. „Wir werden in Zukunft mehr Geld in die Hand nehmen, um in die Knappenschmiede zu investieren“, versprach der Sportvorstand. Es gelte, auch in diesem Bereich auf der Höhe der Zeit zu sein und sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. „Heutzutage werden schon Millionenbeträge in die Ablösesummen für 15- und 16-jährige Spieler investiert“, sagt der Sportvorstand. Diesem Wettbewerb müsse man sich stellen, „ohne unsere Basis, ohne unsere Heimat zu vernachlässigen“, wie Schneider betonte.

Schneider verkündet Vertragsverlängerung von Weston McKennie

Einer, der den Sprung nach einem Jahr in der Knappenschmiede in die Lizenzspielermannschaft geschafft hatte, ist Weston McKennie. Zur Freude der anwesenden Mitglieder und Fans verkündete der S04 in einem Video, dass der derzeit beim Gold Cup weilende US-Amerikaner seinen Vertrag vorzeitig bis 2024 verlängert hat. Talentierte Spieler langfristig zu binden, das schaffte der S04 in der Vergangenheit zu selten, wie Schneider betonte. „Es muss uns einerseits gelingen, früher diese Gespräche mit unseren Jungs anzugehen und andererseits eine engere Bindung der Spieler zu unserem FC Schalke 04 herzustellen“, sagte der Sportvorstand.

Wir werden jeden Tag hart für Schalke 04 arbeiten, damit wir wieder einen anderen Fußball sehen werden.

Jochen Schneider

Langfristig, und da sei sich der komplette Vorstand einig, sei das Ziel, wieder regelmäßig an den europäischen Clubwettbewerben teilzunehmen. „Das muss der Anspruch unseres FC Schalke 04 sein“, sagte Schneider, wollte dieses Ziel aber für die kommende Spielzeit nicht ausgeben, da man aus einer „grauenhaften Saison“ komme.

Man tue nun sehr gut daran, sich jetzt erstmal auf das Wesentliche – die Arbeit – zu konzentrieren. „Wir werden jeden Tag hart für Schalke 04 zu arbeiten, damit wir wieder einen anderen Fußball sehen werden“, betonte Schneider und ergänzte: „einen Fußball, der erfolgreich ist, an dem ihr Spaß habt und auf den ihr stolz sein könnt.“

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