60 Jahre Meisterschaft 1958: Sonderausstellung im Schalke Museum

Am 18. Mai 1958 feiern die Königsblauen die bis dato letzte Deutsche Meisterschaft. Und Gelsenkirchen steht Kopf.

Das erste „Spiel des Jahres“ ist der Höhepunkt in der Punkterunde der Oberliga West. Spitzenreiter Alemannia Aachen kommt am 9. Februar in die Glückauf-Kampfbahn. 23 Spieltage haben die Aachener die Tabellenführung inne, doch jetzt soll es um sie geschehen sein. Vor den Augen von Bundestrainer Sepp Herberger präsentiert sich der FC Schalke 04 in meisterlicher Form und gewinnt mit 4:0 – Königsblau ist Tabellenführer.

Doch die Endphase der Oberliga West gerät zum Nervenspiel – nun schwächeln plötzlich die Knappen. Bei Preußen Münster, zu Hause gegen den Meidericher SV und bei Rot-Weiß Oberhausen langt es jeweils nur zu einem 1:1. In Wuppertal gelingt dem S04 in einem „Knochenspiel“ endlich wieder ein Sieg. Das 2:1 hält nicht nur Aachen auf Abstand, sondern auch den stark aufholenden 1. FC Köln. Gegen die Rheinländer verlieren die Knappen dann prompt mit 2:3 – nach dramatischem und hartem Kampf und trotz 2:1-Führung. Das letzte Spiel in Sodingen muss mindestens unentschieden enden, um den Meistertitel in der Oberliga West zu sichern. Fanmassen aus Gelsenkirchen strömen gen Sodingen und feiern nach dem goldenen Tor von Willi Soya die sechste Westdeutsche Meisterschaft ihrer Knappen.

Wir schlugen Braunschweig und TeBe
und auch den KSC,
und gestern noch den HSV
und heute sind wir blau,
valeri, valera,
valeri, valera ha ha ha ha ha,
valeri, valera
und heute sind wir blau!

Fangesang nach dem Finale

Die Auslosung zur Gruppenphase bringt Schalke den Nordzweiten Eintracht Braunschweig, den Berliner Meister Tennis Borussia und wieder mal den Karlsruher SC. Wegen der anstehenden Weltmeisterschaft in Schweden startet eine Einfach-Runde auf neutralen Plätzen. Dem 4:1 gegen Braunschweig folgt ein sensationeller 9:0-Erfolg gegen TeBe Berlin. Im letzten Spiel gegen den KSC reicht wegen des besseren Torquotienten ein Unentschieden – die Knappen lassen sich aber nicht beirren und gewinnen vor mehr als 75.000 Zuschauern in Hamburg mit 3:0. Nach 1942 steht die Mannschaft erstmals wieder in einem Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in das Niedersachsenstadion von Hannover, die beiden Finalisten indes erhalten nur je 8.530 Tickets. Zahlreiche Schalke-Anhänger machen sich ohne das begehrte Stück Papier auf die Reise und wollen den großen Tag mit ihren Helden vor Ort erleben. Nach nervösem Beginn übernehmen die Knappen das Zepter. Bereits in der 5. Spielminute trifft Mannschaftskapitän Klodt per Flugkopfball zum 1:0. In der 29. Minute erhöht „Berni“ auf 2:0, mit dem die Königsblauen in die damals übliche fünfminütige Pause gehen. Heiner Kördell wird in der zweiten Halbzeit zurückgezogen, und Hamburg kommt zu einer optischen Überlegenheit, die aber ohne Folgen bleibt. In der 80. Minute passt Willi „der Schwatte“ Koslowski zu Manni Kreuz. Dieser legt sich den Ball vom rechten auf den linken Fuß und zieht aus 13 Metern ab: Die Kugel fliegt halbhoch in die lange Ecke, Schalke ist am Ziel – Deutscher Meister!

Die Feierlichkeiten wollen kein Ende nehmen. Fans stürmen den Rasen, Heiner Kördell springt auf der Mannschaftsfeier siegestrunken in einen Teich. In Gelsenkirchen warten Hunderttausende, um mit ihren Helden zu feiern. Vom Bahnhof bis zum Schalker Markt jubeln die Massen im Freudentaumel dem Autokorso der Meisterelf zu. Manni Kreuz erinnert sich: „Die Leute standen so dicht gedrängt, da hätte man runterspringen können und wäre aufgefangen worden. Da wird dir erst klar, was du vollbracht hast.“ Die Polizeistunde ist aufgehoben, Gelsenkirchen im Ausnahmezustand.

Von diesen blau-weißen Feiertagen erzählt nun die aktuelle Sonderausstellung im Schalke Museum. Rund 100 teilweise unveröffentlichte Bilder, einzigartige und kuriose Exponate aus Mannschafts- und Fanreisen sowie ein Film über die Saison 1957/1958 geben vom 11. Juni bis Mitte Oktober Einblicke in ein meisterliches Jahr.

Großer Dank gilt den vielen S04-Fans und den damaligen Spielern, die zahlreiche „Schätzken“ zur Verfügung gestellt haben. Die Besucher können sich auf eine überaus interessante und unterhaltsame Sonderausstellung über den bis dato letzten Schalker Meistertitel freuen und nochmals tief in den Kosmos dieses historischen Erfolgs eintauchen.

Der Zugang ist im normalen Museumsbesuch inbegriffen. Das Team freut sich auf zahlreiche Gäste.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 17 Uhr
Montag ist Ruhetag

Anfahrt und Parken
Für Besucher stehen auf dem gut ausgeschilderten Parkplatz 1 ausreichend Plätze zur Verfügung. Von dort führt ein kurzer Fußweg durch den Eingang West 1 über die Brücke der Südkurve zum Museumseingang am Treppenhaus 12.

ÖPNV-Nutzer fahren mit der Straßenbahn-Linie 302 bis zur Haltestelle VELTINS-Arena und gehen über die Brücke zum Eingang West 1.