Zweimal 90 bewegende Minuten mit Mike Büskens

Wie immer restlos ausverkauft war das Medienzentrum der VELTINS-Arena am Mittwochabend (11.4.), als die Abteilung Fanbelange zur nächsten Veranstaltung der Reihe „90 Minuten – ein Abend unter Schalkern“ eingeladen hatte. Im Mittelpunkt standen diesmal kurz nach seinem 50. Geburtstag Eurofighter Mike Büskens und seine Gäste.

Gleich zu Beginn hatte Moderator Jörg Seveneick eine kleine Enthüllung und eine große Überraschung parat. Als Fan von Real Madrid hat Büskens schon lange den Namen des Brasilianers Roberto Carlos in seiner Mailadresse – und genau von diesem gab es eine Videobotschaft zu sehen, in der Carlos seinem deutschen Pendant auf der linken Seite nachträglich alles Gute zum Geburtstag wünschte und auf ein baldiges Treffen hoffte.

Nach diesem lockeren Einstieg wurde natürlich erst einmal der sportliche Weg des gebürtigen Düsseldorfers ausführlich beleuchtet. In seinem Jugendverein Alemannia Düsseldorf spielte „Buyo“ zunächst ganz vorne, bis er dann 1981 zur Fortuna wechselte. „Sie hatten bei der Fortuna einfach bessere Stürmer, da ging es dann nach hinten links“, erklärte Büskens schmunzelnd seine Umfunktionierung zum defensiveren Spieler.

Nach einer einjährigen Ausleihe zum VfL Benrath kehrte der Linksfuß 1987 zur Fortuna zurück, wo er dann 1989, ausgerechnet gegen Schalke, sein Zweitligadebüt feierte. An dieses Ereignis konnte sich Büskens allerdings nicht mehr so wirklich erinnern, wie er zugab: „Ich wurde für Dirk Krümpelmann eingewechselt, sah meinen Namen auf der riesigen Anzeigetafel im Rheinstadion und ab da weiß ich nichts mehr.“

Das Talent von Büskens blieb anderen Clubs nicht verborgen und so hatte er 1992 gleich zwei Angebote vorliegen: Eins vom S04 und eins „von dem Verein, wo der Stern des Südens aufgeht“. Nach dem Besuch eines Schalker Heimspiels gegen Frankfurt mit vielen Emotionen unter den Fans hatte Büskens schon ein gutes Gefühl entwickelt – und nach dem Gespräch mit S04-Präsident Eichberg eigentlich keine andere Wahl mehr, wie er berichtete. „Ich war bei Herrn Eichberg im Büro mit meinem Berater und habe nach den Verhandlungen gesagt, dass ich noch ein Gespräch im Süden habe“, blickte er zurück. „Du verlässt das Büro nicht, ohne unterschrieben zu haben“, habe Eichberg dann geantwortet und so sei es auch gekommen.

Nur ein Jahr nach Büskens kam 1993 Youri Mulder aus Enschede nach Schalke und betrat die Bühne im Pressekonferenzraum, um auf die lange gemeinsame Zeit zurückzublicken. Zuerst stellte er aber seinen entgegengesetzten spanischen Lieblingsclub klar. „Ich bin Barca-Fan. Nicht wegen der Niederländer, die dort waren. Ich bin eher ein Messi-Typ als ein Ronaldo-Ronaldo-Typ. Vielleicht ist es so, dass man das bewundert, was man selber als Fußballer nicht ist“, meinte Mulder lachend. Es folgten zahlreiche Geschichten und Anekdoten über die wilde Zeit mit Eichberg und Assauer auf Schalke und einem Trainingslager auf Fehmarn, wo die ganze Mannschaft mehr oder weniger in einem Privathaus wohnen musste.

Wenig später gesellte sich Reporterlegende Werner Hansch auf die Bühne, der noch einmal erzählte, wie es zu seinem unvergessenen Spruch über „ein geiles Tor“ von Büskens kam. So sagte er: „Ich war an vierter Stelle im Sendeablauf von ‚ran‘. Da habe ich schon zweimal vorher gehört ‚welch ein Tor‘. Ich saß dann im Ü-Wagen und ‚welch ein Tor‘ war mir zu schwach… da ist es mir herausgerutscht.“ Danach gab es in den Medien und unter den Kollegen einige Diskussionen, doch in der Runde gab es großen Applaus für Hanschs Auffassung: „Nie habe ich in 35 Jahren als Reporter die Genialität eines Tores besser ausgedrückt.“

Nach dem obligatorischen Blick auf die Eurofighter-Zeit und einer kurzen Pause ging es dann im Rückblick weiter mit der Meisterschaft der Herzen und dem Pokalsieg 2001. Man merkte Büskens die Emotionen immer noch an, als er sagte: „Die eine Woche in 2001 war wirklich krass. Das Spiel gegen Unterhaching, die Meisterschaft der Herzen, das Abschlusstraining mit 6000 Fans. Da hat man gemerkt, welche Energie dieser Verein hat. Es war unfassbar, wie man zusammengestanden hat.“

Obwohl er im Pokalfinale erst in der 87. Minute eingewechselt worden war, feierte „Buyo“ auf dem Platz den Pokalsieg mit Olli Reck und den Fans noch 45 Minuten nach der Siegerehrung, bis dann die Mitspieler teilweise schon geduscht und in Anzügen wieder dazustießen. Lakonisch meinte Büskens dazu: „In der Geschichte des Pokals gab es wohl noch nie einen Spieler, der in einem Endspiel so wenig gespielt hat und dann so gefeiert hat.“

Nach seinem Karriereende als Profi blieb er auf Betreiben von Rudi Assauer als spielender Co-Trainer der 2. Mannschaft auf Schalke („Es war es überragend. Ich habe als Mittelfeldspieler nur vorne rumgestanden und die jungen Spieler wie Pinto, Hajnal und Hanke sind für mich gerannt“), von der er 2005 Chef-Trainer wurde.

In dieser Funktion wurde Büskens 2008 gemeinsam mit Youri Mulder und Oliver Reck für die letzten sechs Saisonspiele nach der Entlassung von Mirko Slomka Interimstrainer der S04-Profis. Er erinnerte sich: „Der Druck war schon sehr groß, als Youri und ich übernehmen mussten. Es ging ja um die Champions League und 20 Millionen Euro, wurde geschrieben. Die sieben Wochen waren eine spannende Zeit mit wenig Schlaf, bis wir den dritten Platz sicher hatten.“

Nach einem Jahr als Co-Trainer auf Schalke wurde Büskens dann Chef-Trainer von Greuther Fürth und Weggefährte des dritten Bühnengastes, des Kleeblatt-Sportdirektors Rachid Azzouzi. Dieser bekannte: „Er war mir vorher immer ein bisschen suspekt, wenn ich die Bilder gesehen habe, wie fanatisch er gejubelt hat“. Die Chemie zwischen beiden stimmte dann aber schnell und in der Teefirma des Präsidenten in Vestenbergsgreuth wurden Vertragsgespräche geführt und alles festgezurrt. Lachend gab Büskens zu: „Ich weiß nicht, ob es geklappt hätte, wenn ich das Trainingsgelände und die Kabinen vorher gesehen hätte. Das hatte was von Glückauf-Kampfbahn.“ Mit den Fürthern gelang 2012 der sensationelle Aufstieg in die Bundesliga und als Sahnehäubchen ein 2:1-Auswärtssieg auf Schalke.

Azzouzi schätze die Arbeit von Büskens dabei immer hoch ein: „Mike hat vor jedem Training zur Mannschaft gesprochen – mal zum Training, mal was Privates und immer waren die Spieler heiß aufs Training. Es war kein typisches Trainer-Manager-Verhältnis, sondern wir waren immer sehr offen und klar.“

Es war dann schon nach 22 Uhr, als Büskens zum Ende der 2x 90 Minuten noch seinen persönlichen Derby-Ausblick gab: „Von mir aus kann es ein langweiliges 1:0 für uns werden. Denn wenn man danach noch drei bis vier Punkte holt, kann auch die Champions League erreicht werden. Das wünsche ich mir für Domenico Tedesco, der das überragend macht und der Mannschaft wieder ein Gesicht gegeben hat.“ Sein Schlusswort galt dann aber einem Abend, den alle Beteiligten sicher nicht so schnell vergessen werden: „Als ich 1992 hierherkam, war niemals abzusehen, dass hier 2018 so eine Veranstaltung sein würde – ich möchte mich einfach nur bedanken!“

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