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Vor 30 Jahren verstarb Stan Libuda: Unvergleichlich und unvergessen
Wer Reinhard „Stan“ Libuda spielen sehen durfte, glaubte, die Zeit würde stehenbleiben. Mit seinen Tricks verhexte er die Gegner und bezauberte das Publikum. Doch Zeit vergeht: Am Dienstag (25.8.) jährt sich der Todestag der für unsterblich gehaltenen Schalker Legende bereits zum 30. Mal.
„Li-bu-da, Li-bu-da!“ Das Stakkato von den Rängen der Glückauf-Kampfbahn und des Parkstadions huldigte dem Rechtsaußen und beflügelte ihn zugleich. Mit seinen Dribblings spielte er an guten Tagen komplette Abwehrreihen schwindlig. Links antäuschen, rechts vorbeiziehen: Libudas Markenzeichen.
Der Ehrenspielführer des FC Schalke 04 war ein Künstler in einer Stadt voller Malocher. Der Ball klebte an seinem Fuß, Gegner waren für ihn nicht selten nur Slalomstangen. Jeder Verteidiger wusste, was er machen würde. Doch er zelebrierte seinen Trick mit so viel Tempo, mit so viel Raffinesse, dass die Kontrahenten zumeist ins Leere grätschten.
Diese immer wieder aufs Neue geniale Finte war es, die Reinhard Libuda den Beinamen „Stan“ eingebracht hatte – in Anlehnung an den berühmten englischen Rechtsaußen Sir Stanley Matthews, der den Trick erfunden haben soll und mit jener Bewegung ebenso wie der Schalker Flügelspieler die gegnerischen Abwehrreihen zur Verzweiflung trieb. Libuda war der populärste Knappe der 1960er- und 1970er-Jahre, weil er wahrscheinlich der beste Rechtsaußen war, den Deutschland bis heute gesehen hat.
An Gott kommt keiner vorbei – außer Stan Libuda!
„An Gott kommt keiner vorbei – außer Stan Libuda!“, lautet ein gängiger Spruch. Entstanden sein soll er, als ein Kirchenplakat mit dem Slogan „Niemand kommt an Gott vorbei“ warb. Veredelt, so heißt es, wurde der Satz mit der Ergänzung eines Fans: „außer Stan Libuda!“ Ob der Spruch nun der Fantasie eines Journalisten entstammt oder nicht: Existenz und Popularität der Aussage verdeutlichen, dass dieser Schalker für die Anhänger mehr war als ein Fußballspieler. Und es bleiben wird.
Libuda kam am 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen bei Lemgo zur Welt, weil die Kriegslage in Gelsenkirchen zu bedrohlich geworden war. 1952 beim S04 angemeldet, debütierte der junge Reinhard 1962 für die Erste Mannschaft in der Oberliga, ein gutes Jahr später als 19-Jähriger in der deutschen Nationalmannschaft. Bis zur Saison 1974/1975 absolvierte der Rechtsaußen, der nicht nur Schalker Ehrenspielführer ist, sondern auch zur von den Fans gewählten Jahrhundertelf zählt, mehr als 250 Pflichtspiele für die Knappen. Er gewann mit „seinem“ Verein 1972 den DFB-Pokal, wurde Vizemeister und schoss die Nationalelf mit dem 3:2 im Qualifikationsspiel gegen Schottland zur Weltmeisterschaft 1970.
Seinen größten internationalen Erfolg feierte Libuda allerdings im Trikot von Borussia Dortmund. Sein Tor zum 2:1 im Finale gegen den FC Liverpool sicherte dem Reviernachbarn, für den er von 1965 bis 1968 spielte, den Europapokal der Pokalsieger.
Dieses Sakrileg vergaben ihm die Schalker Anhänger ebenso wie die Verwicklung in den Bundesliga-Skandal, welcher das für viele Beobachter beste Team der S04-Historie auseinanderriss und seine Laufbahn im Grunde beendete. Nach Absitzen der Sperre und einem parallelen Gastspiel von 1972 bis 1973 bei Racing Straßburg in Frankreich kam der Dribbelkünstler in Gelsenkirchen sportlich nicht mehr richtig auf die Beine. Danach war er ebenfalls weniger erfolgreich und für einen Geschäftsmann – er übernahm den Tabak-Laden von Ernst Kuzorra – zu introvertiert. Gleichzeitig sagte er zu oft, was er dachte.
Als es ihm finanziell schlecht ging, wollten ihm die ehemaligen Kameraden unter die Arme greifen. Doch Libuda ließ sich nicht helfen. Er erfüllte alle Kriterien eines antiken Helden. Inklusive des Scheiterns. Er verlor seinen Besitz, musste die Scheidung von seiner Frau Gisela hinnehmen: Am Ende blieben ihm nur noch seine Mutter und Sohn Mathias. Erkrankt an Kehlkopfkrebs starb der große Zauberkünstler Stan Libuda am 25. August 1996 durch die Folgen eines Schlaganfalls und fernab jeder Bühne mit gerade einmal 52 Jahren.
500 Trauergäste, darunter viele Weggefährten wie Rolf Rüssmann, Rudi Assauer und Jürgen Grabowski nahmen an der Beerdigung teil. Und Pfarrer Georg Rücker widerlegte die legendäre These: „Der letzte Lauf seines Lebens wurde von Gott gestoppt.“
Die ausführliche Geschichte über Stan Libudas legendären Lebensweg auf Schalke finden Mitglieder im Vereinsheim.