Derbyniederlage in der 2. Overtime in Bochum

Am 14. Spieltag der 2. Basketball-Bundesliga ProB führte die Reise der Basketballer des FC Schalke 04 am letzten Spieltag des Jahres 2017 in die Nachbarstadt zu den VfL SparkassenStars Bochum. Dieses Derby war nichts für schwache Nerven und eine echte Werbung für den Basketballsport. Erst nach der zweiten Verlängerung mussten sich die Königsblauen mit 98:106 in Bochum geschlagen geben.

Die personelle Situation aus der Vorwoche hatte sich entspannt bei den Königsblauen. Center RJ Slawson war nach überstandenen muskulären Problemen ebenso wie Lennart Weichsel, der seine Virusinfektion überstanden hatte, in den Kader zurückgekehrt. Auf Seiten der Bochumer gab es mit Jarvis Davis ein neues Gesicht im Aufbau. Der US-Amerikaner rückte für Kanadier Ashton Smith in den Kader des Tabellensiebten.

Die ersten fünf Minuten der Partie gehörten den erstplatzierten Knappen, die mit 11:1 in Bochum in Führung gehen konnten. Courtney Belger mit sieben Zählern und RJ Slawson mit vier Punkten waren zu diesem Zeitpunkt durch die Bochumer Defense nicht zu stoppen. Nach einer Auszeit von Heimcoach Gary Johnson konnten die SparkassenStars über Stachanczyk und Gebhardt zwar auf 11:6 verkürzen, doch Shawn Gulley setzte dem kurzen Lauf der Hausherren durch einen Offensivrebound mit anschließendem Korblegen ein schnelles Ende. Zur Sirene des ersten Viertels zeigte die Anzeigetafel eine 16:9-Führung für den S04 an. „Wir haben einen super Start in die Partie erwischt und haben über unsere Verteidigung dafür sorgen können, dass wir eine Führung herausspielen“, hielt Wilder über den Auftakt des Derbys fest.

Zum Auftakt des zweiten Viertels war es eine ausgeglichene Partie, die von einer schlechten Wurfauswahl und niedrigen Trefferquoten auf beiden Seiten geprägt war. Patrick Carney konnte per Dreier nach fünf Minuten im zweiten Viertel erneut eine 26:18-Führung herstellen, ehe Niclas Sperber von der Freiwurflinie eine 10-Punkte-Führung zum 28:18 erzielen konnte. Bis zur Halbzeit konnte sich dann keines der beiden Teams entscheidend absetzen und so ging es mit einer 39:33-Führung für den S04 in die Kabine. „Im zweiten Viertel war das Spiel ausgeglichen, da auch die Offensive beider Teams deutlich gesteigert wurde“, so Wilder.

Intensive zweite Hälfte bringt keine Entscheidung

Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gehörten dem Gastgeber aus Bochum. Innerhalb von zwei Minuten konnten die SparkassenStars durch Zähler von Mark Gebhardt, Alexander Angerer und Ex-Schalker Marco Buljevic zum 39:38 verkürzen, sodass Felix Engel aus der Mitteldistanz zum ersten Mal in der Partie die Bochumer mit 39:40 in Führung bringen konnte. Doch die Schalker konterten umgehend über Lennart Weichsel, Shawn Gulley, Salman Manzur und RJ Slawson und waren binnen von Sekunden wieder mit 48:43 in Front. Da auch Patrick Carney im Anschluss von der Dreierlinie erfolgreich war, betrug die Schalker Führung 4:30 Minuten vor Viertelende wieder komfortable acht Zähler. Bis zum Viertelende jedoch hatten die Gastgeber den bessern Lauf und so konnten die Bochumer durch einen Davis-Dreier mit 57:58 in Führung gehen. „Der Start ins dritte Viertel war von uns sehr schlecht gespielt, da wir vier Minuten lang nicht scoren konnten. Dann haben wir uns aber gefangen und konnten die Führung zwischenzeitlich wieder behaupten, bis wir in der Schlussphase des Viertels erneut in der Offensive nicht zu Punkten kamen. So konnte Davis dann mit einem Dreier die Führung für Bochum herstellen“, blickte Wilder nach der Partie auf das dritte Viertel.

Gleich zu Beginn des Schlussabschnitts brachten Leon Friederici und Salman Manzur den S04 wieder mit 61:58 in Führung, welche Thomas Szewczyk nach 2:30 Minuten im Schlussviertel auf 65:60 ausbauen konnte. Auf der Gegenseite kämpften sich die Bochumer aber erfolgreich zurück in die Partie und konnten nur 30 Sekunden später durch Davon Roberts von der Freiwurflinie zum 65:65 ausgleichen. Die folgenden Minuten verdienten sich das Prädikat „Crunchtime“. Auf beiden Seiten war es ein intensiver Kampf um jeden Ball. So egalisierten die Bochumer die 70:67-Führung der Knappen postwendend und gingen über Angerer und Davis fünf Minuten vor Ende der Partie mit 70:75 in Führung.

Da die Schalker Pech bei ihren Würfen aus der Distanz hatten und auch Bochum einfache Fehler im Spielaufbau unterliefen, vergingen ganze 2:30 Minuten ehe Shawn Gulley per Mitteldistanzwurf den 72:75-Anschluss herstellen konnte. Doch nach einem Mitteldistanztreffer von Mark Gebhardt für die Bochumer vertändelten die Knappen in der Offensive zu leichtfertig den Ball, um postwendend verkürzen zu können. Mit Anbruch der Schlussminute konnte dann Courtney Belger von der Freiwurflinie zum 74:77 verkürzen und Leon Friederici legte, ebenfalls nach einem Foul der Gastgeber, von der Linie zum 75:77 nach, sodass Shawn Gulleys Korbleger per Goaltending den 77:77-Ausgleich bei noch 15,2 Sekunden auf der Spieluhr herstellte. Den abschließenden Wurf mit Ablauf der Spieluhr legte der Bochumer Aufbauspieler Jarvis Davis nur auf den Ring und so ging es in die Verlängerung in diesem Derby. „Das Spiel kippte im Schlussviertel zu Gunsten von Bochum und die Partie schien in der 38. Minute beim Stand von 72:77 für Bochum fast schon verloren, aber wir konnten uns dann zum Ausgleich herankämpfen und haben uns durch eine clevere Schlussphase die Overtime erzwungen“, so Wilder.

Ein Spiel auf Messers Schneide in der doppelten Overtime

Die ersten vier Zähler in den fünf Extraminuten gehörten den Gastgebern, ehe Leon Friederici mit zwei Freiwürfen und RJ Slawson aus dem Feld den 81:81-Ausgleich herstellen konnten. Courtney Belger sorgte dann mit einem Steal an der Mittellinie gegen Jarvis Davis und dem anschließenden Fastbreak für die 84:82-Führung des S04 bei noch 1:15 Minute auf der Spieluhr. Nach dem fünften Foul von RJ Slawson stellte Jarvis Davis jedoch für die Gastgeber bei noch 18,3 Sekunden auf der Spieluhr den 84:84-Ausgleich her. Der letzte Wurf der Overtime von Leon Friederici fand leider nicht seinen Weg in den Korb und dies bedeutete weitere fünf Minuten in der zweiten Verlängerung in diesem packenden Derby. „In der ersten Overtime ging es hin und her. Leider haben wir es mit dem letzten Angriff nicht geschafft, das Spiel zu gewinnen und so mussten wir weitere fünf Minuten in Bochum spielen“, hielt Wilder fest.

Raphael Bals erzielte den ersten Punkt der Verlängerung für die Bochumer, welcher aber umgehend von Patrick Carney von der Freiwurflinie gekontert wurde. Auf Seiten der Gastgeber drehte nun Center Bals weiter auf und brachte durch zwei weitere Treffer seine Farben mit 92:87 in Führung, um dann von der Freiwurflinie bei noch 2:49 Minuten in der zweiten Overtime auf 93:87 zu erhöhen. Auch Alexander Angerer zeigte sich im Anschluss treffsicher von der Linie und erhöhte noch einmal auf 87:95 für Bochum. Mit der 89:99-Führung für die Hausherren eine Minute vor Ende der zweiten Verlängerung war die Entscheidung bezüglich des Siegers zugunsten der Bochumer gefallen. In der Schlussminute ging es für den S04 einzig und allein darum, den direkten Vergleich, nachdem der Vorsprung aus dem Hinspiel elf Zähler betrug, in Gelsenkirchen zu halten. Dies gelang den Knappen dann auch und so verloren sie zwar mit 98:106 die Partie nach zwei Verlängerungen, behielten aber durch dieses Ergebnis den direkten Vergleich gegenüber dem Reviernachbarn in ihrer Hand. „In der zweiten Overtime war Bochum schlichtweg besser als wir. Wir hatten RJ mit fünf Fouls auf der Bank und waren nicht im Stande unsere Offense herunterzuspielen und mussten wir in der Schlussphase nur noch auf den direkten Vergleich blicken, damit wir diesen behalten konnten“, so Wilder über die zweite Overtime.

„Es war eine Partie, die auch für uns hätte ausgehen können. Am Ende war Bochum die glücklichere Mannschaft, wenngleich ich meinem Team keinen Vorwurf machen kann, da alle Spieler gekämpft haben und wir ein offenes Spiel hatten“, resümierte Wilder.

„Es ist zwar schade, dass wir heute hier in Bochum verloren haben und nun nicht mit einem positiven Gefühl in die Weihnachtspause gehen können, aber diese Niederlage ist aufgrund der derzeitigen Tabellensituation kein Beinbruch für uns, da in dieser Liga jedes Team als Sieger vom Feld gehen kann. Wir sind und bleiben immer noch das Überraschungsteam der Liga und haben bereits jetzt eine sehr gute Voraussetzung, uns für die Playoffs zu qualifizieren. Ich bin stolz auf die Mannschaft und die kämpferische Leistung, die sie auch heute an den Tag gelegt hat. Nun genießen wir die Weihnachtspause und gehen fokussiert an die weiteren Aufgaben im Jahr 2018 heran, um schnellstmöglich die nächsten Zähler einzufahren“, so Vorstand Marketing und Leiter Profisport Tobias Steinert.

Courtney Belger 37, Patrick Carney 13, Salman Manzur 10, Shawn Gulley 10, RJ Slawson 9, Leon Friederici 7, Niclas Sperber 5, Thomas Szewczyk 4, Lennart Weichsel 3, Jonas Peters, Timo Volk, Coheen Kalondji

# Team G S:N PKT
1 Schalke 14 11 : 3 22
2 Quakenbrück 14 9 : 5 18
3 Bernau 14 9 : 5 18
4 Wolfenbüttel 13 8 : 5 16
5 Bochum 14 8 : 6 16
6 Rostock 13 7 : 6 14
7 Essen 14 7 : 7 14
8 Itzehoe 13 6 : 7 12
9 Oldenburg 14 6 : 8 12
10 Wedel 14 5 : 9 10
11 Cuxhaven 13 3 : 10 6
12 Stahnsdorf 14 3 : 11 6