Der erste Schritt auf einem langen Weg

Ob Mannschaft, Trainer, Vorstand oder Fans – allen königsblauen Gesichtern war am Samstag abzulesen, welch große Anspannung nach dem erlösenden Schlusspfiff abgefallen war. Die königsblauen Profis wussten, bei wem sie sich nach dem 1:0-Erfolg gegen den 1. FSV Mainz 05 zu bedanken hatten.

Um 17.25 Uhr wurde es laut in der VELTINS-Arena. Sehr laut. In dem Jubelschrei nach dem Abpfiff der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 steckte vor allem eines: Erleichterung. Er war sogar so laut, dass er das Knallen der Steine überschallte, die allen Königsblauen nach dem ersten Sieg der Bundesligasaison vom Herzen gefallen waren. Der Schlusspfiff machte den 13. Erfolg im 13. Hinrundenspiel gegen Mainz perfekt. Zugleich war das 1:0 der fünfte Zu-Null-Sieg gegen die 05er in Serie.

Großer Einsatz als Schlüssel zum Sieg

Doch bevor dieser feststand, hatten zahlreiche Fingernägel von Fans und Verantwortlichen vermutlich großen Schaden genommen. „Die letzten zehn Minuten kamen mir vor wie zwei Stunden“, berichtete Christian Heidel von seinen Leiden auf der Bank, „wir haben zwar gut verteidigt, aber es kann immer mal ein Ball durchrutschen.“ Tatsächlich warfen die Gäste in der Schlussphase alles nach vorne. „Wir müssen uns noch mehr belohnen und spätestens bei unseren Kontersituationen in der zweiten Halbzeit das 2:0 machen. Gegen Ende hat uns dann ein wenig die Kraft gefehlt“, erklärte Domenico Tedesco. Dank des großen Einsatzes seiner Vorderleute gelang es Ralf Fährmann, seinen Kasten sauber zu halten – zum 50. Mal als Schalker in der Bundesliga.

Somit genügte der Treffer von Alessandro Schöpf aus der elften Minute für immens wichtige drei Punkte. Der goldene Torschütze zollte vor allem seinem Vorbereiter ein Lob. „Wenn Yevhen Konoplyanka den Ball hat, wird es immer gefährlich. Er ist offensiv im Eins-gegen-eins bärenstark. Ich hatte den richtigen Riecher und habe den Ball über die Linie gedrückt“, beschrieb der Österreiecher das für ihn ungewöhnliche Erlebnis eines Kopfballtores. Sein Nationalmannschaftskollege Guido Burgstaller wies auf einen weiteren wichtigen Faktor für den Erfolg hin: „Wir haben gefightet, um jeden Ball gekämpft, jeder hat sich voll reingehauen. So gewinnst du Spiele. Heute war es ein richtiger Schalke-Sieg!“

Wir sind alle stolz darauf, dass wir diese Fans im Rücken haben. Sie haben ein ganz feines Gespür dafür, dass wir sie heute gebraucht haben.

Christian Heidel

Vielleicht haben auch die Glückscents, die jemand vor der Partie auf jeden der Sitze auf der Trainer- und Auswechselbank gelegt hatte, zum Sieg beigetragen. Unbestritten ist, dass die Fans in der VELTINS-Arena einen enorm hohen Anteil daran hatten, dass die Negativserie am Samstag beendet werden konnte. „Wir sind alle stolz darauf, dass wir diese Fans im Rücken haben. Sie haben ein ganz feines Gespür dafür, dass wir sie heute gebraucht haben“, lobte Heidel die durchgehende Unterstützung während der 90 Minuten. Und auch nach dem Schlusspfiff wurde der Zusammenhalt zwischen der Mannschaft und den Anhängern ersichtlich, als sich die königsblauen Profis minutenlang applaudierend vor der Nordkurve bedankten. „Das war überragend. Zu Hause zu gewinnen ist immer das Schönste für uns“, schwärmte Burgstaller.

An der Tabellensituation hat sich für die Knappen allerdings nicht allzu viel geändert. Entsprechend realistisch schätzte Heidel, der fast 25 Jahre als Manager für die Rheinhessen tätig gewesen war, die Lage nach der Partie gegen seinen Ex-Club ein: „Es ist für die Köpfe wichtig, dass wir den ersten Sieg geholt haben. Ich glaube, dass wir nun ein bisschen befreiter in die Spiele gehen können. Aber es ist kein Automatismus: Nur weil wir ein Spiel gewonnen haben, gewinnen wir nicht automatisch auch das nächste.“ Nach dem zweiten Gruppenspiel in der Champions League bei Lokomotive Moskau am Mittwoch (3.10., 18.55 Uhr) reisen die Knappen am Samstag (6.10., 15.30 Uhr) zu Fortuna Düsseldorf. Sportvorstand Heidel gab sogleich die Marschrichtung für die nächsten Wochen aus: „Es wird ein langer Weg, sich von da unten zu verabschieden. Diesen Weg wollen wir jetzt Schritt für Schritt gehen.“

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