Jochen Schneider: Für alle Vereine eine neue und ungewohnte Situation

Der Spielbetrieb in der Bundesliga wird nach mehr als zweimonatiger Pause wieder aufgenommen. Eine Woche vor dem Restart äußerte sich Jochen Schneider am Freitag (8.5.) in einer virtuellen Medienrunde zu aktuellen Themen. schalke04.de hat die Aussagen des Sportvorstands notiert.

Jochen Schneider

Jochen Schneider über …

… den Ablauf an den kommenden Tagen:
Die Mannschaft wird am Samstag noch einmal in der VELTINS-Arena trainieren, ehe sie tags darauf ihr „Quarantäne-Trainingslager“ im Courtyard by Marriott in Sichtweite zu unserem Stadion bezieht. Diese Gruppe, zu der Spieler, Trainer und Funktionsteam zählen, wird dann eine Woche lang nur zwei Aufenthaltsorte haben: das Hotel und den Trainingsplatz bzw. das Spielfeld in der VELTINS-Arena.

… die Stimmung in der Mannschaft:
Die Jungs sind froh, dass es nun einen konkreten Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gibt und dass sie nach längerer Zeit des Individual- und Kleingruppen-Trainings wieder halbwegs normal trainieren dürfen. An den vergangenen Tagen habe ich in Kleingruppen mit jedem Spieler des Kaders über die Situation gesprochen. Ich wollte wissen, wie sich jeder Einzelne fühlt, wie es ihm geht. Und natürlich auch, ob jemand aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen Bedenken hat, das Training und den Spielbetrieb wiederaufzunehmen. Das war bei keinem einzigen Spieler der Fall. Sollten in den kommenden Tagen doch noch Bedenken bei einem Spieler auftreten, kann er sich jederzeit an mich, David Wagner, Sascha Riether und auch unseren Sportpsychologen Sascha Lense werden. Bei uns wird niemand gezwungen, am Trainings- oder Spielbetrieb teilzunehmen. All das geschieht auf freiwilliger Basis.

… das Derby zum Auftakt:
Wir nehmen den Spielplan so an, wie er ist. Die Saison ist unmittelbar vor dem Derby unterbrochen worden, daher geht es jetzt auch mit diesem Spiel weiter. Wo genau wir stehen, vermag ich nicht zu sagen. Aber das geht nicht nur uns so, auch alle anderen Vereine schweben ein wenig in der Luft. Auch für sie ist es eine neue und ungewohnte Situation. Daher sind Prognosen über mögliche Ausgänge von Spielen gerade in den ersten Wochen schwer. Lassen wir uns überraschen. Die Mannschaft ist auf jeden Fall hochmotiviert.

… die mentale Vorbereitung auf Spiele ohne Zuschauer:
Natürlich wird es etwas völlig Neues, wenn wir vor leeren Rängen spielen anstatt in einem vollen Stadion. Um uns an dieses Szenario zu gewöhnen, trainieren wir teilweise in der VELTINS-Arena. Das kennen die Jungs ja schon von dem einen oder anderen Abschlusstraining aus der Vergangenheit. Aber klar ist: Ein Spiel ist noch einmal etwas völlig anderes als eine Übungseinheit. Damit müssen allerdings nicht nur wir, sondern alle Mannschaften klarkommen. Es ist nun einmal so, dass Spiele ohne Zuschauer in der aktuellen Situation die einzige Möglichkeit sind, um überhaupt Fußball zu spielen.

Natürlich wird es etwas völlig Neues, wenn wir vor leeren Rängen spielen anstatt in einem vollen Stadion.

Jochen Schneider

… logistische Herausforderungen:
Die aktuellen Vorgänge im Trainingsbetrieb sind alles andere als normal. Deshalb haben wir bereits vor einigen Wochen eine vereinsinterne Gruppe gebildet, die dafür sorgt, dass alle notwendigen Vorgaben auch akribisch von allen Beteiligten umgesetzt werden. Das Hygiene-Konzept, dass die Deutsche Fußball Liga ausgearbeitet hat, ist großartig. Natürlich bedeutet es phasenweise einen immensen Aufwand, denn vieles ist ungewohnt und neu. Aber alles ist machbar und wird bei uns auch zu 100 Prozent gelebt.

… die Rückkehr zuletzt verletzter Spieler:
Jeder Einzelne, der uns vor der Corona-Pause gefehlt hat und nun wieder dabei ist, tut uns gut. Aber das trifft nicht exklusiv auf den FC Schalke 04 zu. Auch bei anderen Vereinen sind Spieler nach Verletzungen wieder dabei. Welcher Akteur bei uns wann wieder zu 100 Prozent einsatzbereit ist, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Bei Salif Sané sah es zuletzt gut aus, auch Ozan Kabak ist auf einem guten Weg. Daniel Caligiuri trainiert schon seit Längerem wieder. Bei Benjamin Stambouli und Omar Mascarell wird es hingegen noch etwas dauern.

… finanzielle Auswirkungen der andauernden Corona-Pandemie:
Dass ein Virus nahezu den kompletten Betrieb in einem Land lahmlegt, hätte vor einigen Monaten vermutlich wohl niemand geahnt. Bei uns ist es wie bei vielen anderen Unternehmen: Wenn die Haupteinnahmequelle wegfällt, wird es schwer. Und Fußballspiele sind nun einmal unsere Haupteinnahmequelle. Ich kenne die exakten Zahlen der anderen Vereine natürlich nicht – aber klar ist: es trifft alle Clubs. Und ich muss nicht um den heißen Brei reden: uns trifft es richtig hart! Aber wir haben ab dem ersten Tag an die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um diese schwere Zeit zu überstehen. Auch die Mannschaft hat sich solidarisch gezeigt und hat auf einen Teil ihrer Gehälter verzichtet.

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