„Zusammen kommen wir aus dieser Situation heraus!“

Unmittelbar nachdem die ewig lange Nachspielzeit durch den Abpfiff beendet worden war, schallten langgezogene „Schalke“-Rufe aus der Nordkurve durch die gesamte VELTINS-Arena. Wenig später wurde die königsblaue Mannschaft mit lautstarken Gesängen und tosendem Applaus in der Kurve empfangen. Um Feierlichkeiten nach einem Heimsieg handelte es sich dabei am Samstag (6.4.) jedoch nicht: Nach der denkbar unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt erhielt das Team Aufmunterung von den Rängen.

Dass diese nötig war, lag an den Geschehnissen in der insgesamt zehnminütigen Nachspielzeit. Gegen eine formstarke Frankfurter Eintracht standen die Knappen kurz vor einem verdienten Punktgewinn. Doch nachdem Daniel Caligiuri im Strafraum einen Schuss von Filip Kostic an die Hand bekommen und Schiedsrichter Sascha Stegemann nach Intervention des Videoassistenten auf den Punkt gezeigt hatte, sorgte Luka Jovic in der neunten Minute der Nachspielzeit für die Entscheidung. Es war das späteste Tor in dieser Spielzeit und zugleich der späteste Elfmeter, der seit Beginn der detaillierten Datenerfassung in der Saison 2004/05 gepfiffen wurde.

Comeback mit unglücklichem Ende

Nur wenige Augenblicke zuvor hatte Suat Serdar das Spielfeld aufgrund einer Gelb-Roten Karte verlassen müssen. Für Caligiuri war es das unglückliche Ende seines Comebacks. Erst vier Wochen zuvor hatte sich der Außenverteidiger in Bremen einen Riss der vorderen Syndesmose zugezogen, nun reichte die Kraft gleich wieder für 90 Minuten. „Für mich war es kein Elfmeter“, erklärte der Deutsch-Italiener, „ich wollte herausrücken, spürte dabei noch einen Schubser von einem Gegenspieler und dann ging der Ball erst an meine Schulter und dann an meine Hand.“ Der Unparteiische ließ sich jedoch nicht umstimmen und entschied nach Ansicht der Bilder auf Strafstoß – anders als noch in der ersten Halbzeit nach einem Zweikampf zwischen Jeffrey Bruma und Ante Rebic im Schalker Strafraum.

Rebic war es auch, der die Hessen nach 13 Minuten verdient in Führung gebracht und damit für eine schwungvolle Anfangsphase belohnt hatte. Der Eintracht war das Selbstbewusstsein nach 14 Pflichtspielen ohne Niederlage anzumerken. Den Schalkern dagegen fehlte nach dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen drei Tage zuvor „in den ersten 15 Minuten die Frische. Da haben wir uns schwergetan“, analysierte Huub Stevens, der wie schon unter der Woche Nassim Boujellab in der Startelf aufbot. Der 19-Jährige hatte im Vorfeld des Spiels seinen ersten Profivertrag mit einer Laufzeit bis 2022 unterschrieben.

Überraschender Ausgleich gibt Auftrieb

Nur acht Minuten nach dem Rückstand konnte Boujellab mit seinen Teamkollegen überraschend jubeln. Nach einem Caligiuri-Freistoß von rechts scheiterte Breel Embolo zunächst per Kopfball an SGE-Keeper Kevin Trapp. Den Abpraller drückte Serdar sicher über die Linie. Der U21-Nationalspieler, für den es nach dem Siegtreffer in Hannover das zweite Tor in Folge war, beendete damit die 392 Minuten lange Durststrecke in der VELTINS-Arena. Und das langersehnte Ertönen der Torhymne „Blau und Weiß ein Leben lang“ schien Fans und Mannschaft gleichermaßen zu beflügeln, denn der S04 fand in der Folge besser ins Spiel.

Beide Teams begegneten sich bis in die Schlussphase hinein auf Augenhöhe und lieferten sich einen packenden Kampf mit Chancen auf beiden Seiten, bei denen sich auch Alexander Nübel einige Male auszeichnen konnte. „Wir haben körperlich voll dagegengehalten – trotz des Pokalspiels unter der Woche“, hob Guido Burgstaller hervor. Der Stürmer erkannte aber auch den Schwachpunkt im Spiel seiner Mannschaft: „Wir müssen im gegnerischen Strafraum ruhiger bleiben und die Gelegenheiten besser ausspielen.“

Aufmunterung der Fans lindert den Schmerz

So deutete in den Schlussminuten trotz der hohen Intensität alles auf ein gerechtes Remis hin. „Eigentlich muss das Spiel 1:1 ausgehen, dann wäre es für uns gegen eine richtig starke Mannschaft ein gutes Ergebnis gewesen“, hatte auch Jochen Schneider einen anderen Spielausgang erwartet.  Die dramatische Nachspielzeit ließ die Hoffnung des Sportvorstands jedoch unerfüllt. „Es ist schwer für den Kopf. Wir haben heute alles gegeben und mit Herz gespielt. Aber es hat leider nicht gereicht“, konstatierte Benjamin Stambouli, der seine Entschlossenheit jedoch sogleich wiederfand: „Ich schaue im Moment nicht gern auf die Tabelle. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Und wenn wir weiterhin mit der Leidenschaft von heute auftreten, werden wir dies tun.“

Wir verlieren und die Fans bleiben in der Kurve und spenden uns Applaus. Das finde ich unglaublich.

Benjamin Stambouli

Eine große Mithilfe können dabei auch in den kommenden Wochen die königsblauen Anhänger leisten. „Wir haben die Unterstützung der gesamten Arena. Das ist wirklich verrückt. Wir verlieren und die Fans bleiben in der Kurve und spenden uns Applaus. Das finde ich unglaublich“, bedankte sich Stambouli für die Aufmunterung nach dem Schlusspfiff. In die gleiche Kerbe schlug auch Burgstaller: „Zusammen mit den Fans, die uns wieder überragend unterstützt haben, werden wir aus dieser Situation herauskommen!“ Der Stürmer schaut bereits auf das Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Club am Freitagabend (12.4.): „Das kommende Spiel beim 1. FC Nürnberg müssen wir unbedingt gewinnen, so leid es mir für den Club tut.“ Denn: „Wir brauchen die Punkte!“

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