Ein Schalker in Mexiko

Wenn‘s mal wieder länger dauert ... Das denkt Marco Smolen fast täglich, wenn er sich durch das Verkehrschaos von Mexiko-Stadt quält. Negativ-Rekord für seine fünf Kilometer bis ins Büro: 60 Minuten. „Das ist unfassbar hier. Der Stau auf der A40 ist nichts dagegen“, betont der Schalke-Fan. In der mexikanischen Hauptstadt leben mehr als 20 Millionen Menschen. Und scheinbar jeder hat ein Auto.

„Eine der Hauptverkehrsstraßen durch die Stadt ist sogar doppelstöckig“, erzählt Smolen. Oben muss man zahlen, dafür geht es etwas schneller. Unten gibt es Stau, der ist immerhin kostenlos. Ach ja: Den Führerschein konnten sich ambitionierte Fahrer jahrelang für umgerechnet 40 Euro kaufen – einfach so. Erst seit Anfang des Jahres müssen Interessenten vorher wieder eine Prüfung bewältigen.

weniger schlimm, als man glauben mag. Nur die Korruption bleibe ein großes Laster. „Kommt man in eine Verkehrskontrolle, geht es zu wie auf einem Basar“, berichtet der 37-Jährige. „Nur Bares ist Wahres …“

Der Schalker ist wegen seiner großen Liebe vor drei Jahren nach Mexiko gegangen. Seine Frau Juliette, die er während des Studiums in Paris kennengelernt hat, ist Mexikanerin. Mittlerweile sind sie eine kleine Familie, und die einjährige Emilia ist S04-Fan – natürlich. „Am Tag der Geburt hat sie von ihrem Opa die Schalke-Mitgliedschaft geschenkt bekommen. Was will man mehr“, fragt der stolze Vater, der in Wattenscheid aufgewachsen ist. Natürlich ist Emilia inzwischen mit vielen Utensilien im königsblauen Design ausgestattet.

Auch Marco Smolen ist von Kindesbeinen an Knappe. „Mein Papa hat da bei mir ganze Arbeit geleistet“, erklärt er. Mit fünf oder sechs war der spätere Auswanderer erstmals ins Parkstadion gepilgert, und selbst ein kurzer Ausflug zur SG Wattenscheid 09 hat ihm nicht geschadet: „Die Verbundenheit zum S04 hat hier in Mexiko noch einmal richtig zugenommen. Schalke gibt mir ein Heimatgefühl und ist für mich ein Stück Zuhause.“

Natürlich kennen die Mexikaner Schalke 04. Spätestens seit Raul und den Champions-League-Duellen mit Real Madrid. „Die Leute hier sind verrückt nach Fußball. Jeder ist Fan von einer mexikanischen und einer spanischen Mannschaft“, erklärt Smolen. Die Primera Division flimmert ständig über die Fernsehkanäle. Zum Glück läuft auf ESPN auch die Bundesliga. Pünktlich um 8.30 Uhr starten die Samstagsspiele – und dank der kleinen Emilia ist frühes Aufstehen kein Problem mehr.

Was ihm in Nordamerika abgeht, ist das Ruhrpott-Gefühl: „Und das verkörpert kein Verein so wie Schalke. Dieser Zusammenhalt und die Direktheit. Das gefällt mir einfach.“ In Mexiko müsse man da viel vorsichtiger sein und Kritik hübsch verpacken. Dies gelte auch für seinen Job. Als Finanzmanager für eine Unternehmensberatung betreut er vor allem Versicherungsfirmen, wobei ihm seine Abstammung zugutekomme: „Als Deutscher genieße ich ein hohes Ansehen.“

Seine mexikanischen Kollegen nehmen alles etwas lockerer. Sie machen lange Pausen, sind auch mal unpünktlich, bekommen aber irgendwie trotzdem alles auf die Reihe. „Ich bewundere diese einmalige Lockerheit. Wir Deutschen quengeln im Alltag viel zu viel. Aber ich muss zugeben, dass ich in Mexiko meine innere Uhr umstellen musste“, sagt Smolen. Einmal war er um genau 20 Uhr zu einer Party eingeladen und pünktlich vor Ort. Der nächste Gast kam dann um 21.30 Uhr. „Das sagt alles“, findet er und lacht rückblickend über sich selbst.

Was ihn an seiner neuen Heimat begeistert, ist der große Familienzusammenhalt. Jedes Wochenende verbringt er mit Freunden und Verwandten, leckerem Essen und mitreißender Musik. „Das ist alles fantastisch hier“, schwärmt er. „Das Einzige, was mir noch fehlt, ist eine richtige Schalke-Gemeinde hier in der Stadt.“ Aber das kann ja noch werden.

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