Borussia Dortmund: Alles auf neu

Den 15. April 2015 wird kaum ein BVB-Fan so schnell vergessen: Chef-Trainer Jürgen Klopp verkündete mit schwerer Stimme seinen Abschied zum Saisonende – nach sieben Jahren. Schwarz-Gelbe Schockstarre. Nachfolger Thomas Tuchel linderte den Trennungsschmerz allerdings rasant.

„Wir wollen Herausforderer sein und haben einen gewissen Rückstand aufzuholen“, gab der 42-Jährige bei seinem Antritt vor. Tuchel schraubte die Erwartungen im Umfeld bewusst herunter, hatte die Borussia doch soeben eine hochemotionale Saison beendet: Nach dem Absturz in den Tabellenkeller glückte den Westfalen nach einer Aufholjagd in der Rückrunde noch der Einzug in die Europa League. Das verlorene Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg hinterließ trotzdem einen bitteren Nachgeschmack.

Klopps Erbe wog schwer: Der Publikumsliebling hatte dem BVB zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg und den Einzug ins Champions-League-Finale geschenkt. Sein Nachfolger befreite sich rasch aus dem Erwartungskorsett und beschritt eigene Wege. Was das Spielkonzept anbelangt, drückte der Ex-Mainzer die Reset-Taste: Vorbei sind die Zeiten des laufintensiven Pressings. Tuchel fuhr den Taktik-PC wieder hoch und installierte eine neue Hardware: sicheres Passspiel und viel Ballbesitz. Neustart erfolgreich.

Auch Tuchels Personalentscheidungen trafen ins Schwarze. Julian Weigl ist die wohl größte Überraschung. Der 20-Jährige, zu Saisonbeginn vom TSV 1860 München gewechselt, entwickelte sich zur Schaltzentrale, überzeugte mit viel Ballsicherheit und kluger Übersicht. Zugang Roman Bürki verdrängte Roman Weidenfeller aus dem Tor und avancierte zum sicheren Rückhalt. Der ohnehin starke Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang durchbrach in dieser Spielzeit erstmals die Tormarke von 20. Auch er ist ein Grund für den noch größeren Trumpf: die Konstanz.

Der BVB holte mit dem 3:2 gegen Werder Bremen am 28. Spieltag bereits den 67. Punkt und blieb in allen Bundesligaspielen seit der Winterpause ungeschlagen. Auch wenn die Dortmunder Ligaprimus Bayern München in den direkten Duellen nicht bezwingen konnten, ist in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League noch alles möglich. Tuchel hat schon jetzt die Chance, seine eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben.

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