Borussia Mönchengladbach: Auswärtsfluch

Zu Hause Spektakel, auswärts beinahe chronisch sieglos. Borussia Mönchengladbach schwankt zwischen den Extremen.

In Gladbach wollten sie „Schubiläum“ feiern. Ein Jahr Chef-Trainer Andre Schubert. „Kein besonderer Tag“, hat der aber entgegnet und abgewinkt. Was sich fügt in die unaufgeregte Haltung am Niederrhein, die der stets bremsende, weil „realistisch“ sein wollende Manager Max Eberl vorlebt. Er schraubt die Erwartungen ans Team nicht allzu hoch, beantwortet offiziell die Saisonzielfrage unspezifisch mit dem einstelligen Tabellenplatz.

Was auf die Gemütslage der Fohlen allerdings ziemlich gut zutrifft. Das „Schubiläum“ und nebenbei noch der 43. Geburtstag von Eberl wollte nämlich kein rechter Tag zum Feiern werden, Aufsteiger RB Leipzig verhielt sich mit dem 1:1 wie ein Partygast, der mit allzu süßer Brause die mühsam aufgesetzte Bowle versaut.

Mönchengladbach sucht einen enger getakteten Fetenrhythmus. Einerseits hat Schubert die Borussia deutlich offensiver ausgerichtet als Vorgänger Lucien Favre. Die Fohlen schießen, insbesondere wenn Inspirator und Vollstrecker Raffael auflaufen kann, viele Tore, sind oft tonangebend und bieten bei den Heimpartien mutigen Spektakelfußball. Zählt man die Play-offs zur Champions League gegen die Young Boys Bern dazu, war das 4:1 gegen Werder Bremen der zehnte Heimsieg in Folge und zugleich der Beweis, dass die Schubert-Elf in der Lage ist, mit Rückschlägen wie dem 1:3 beim SC Freiburg oder dem 0:4 in der Königsklasse bei Manchester City umzugehen.

Denn, das ist das andere Gladbacher Gesicht, in der Fremde geht es den Borussen nicht so leicht vom Fuß. Das Remis in Leipzig war saisonübergreifend die Verlängerung einer akuten Auswärtsflaute. Seit dem 4:1 Ende Oktober 2015 bei Hertha BSC gelang den Fohlen nur ein Sieg auf fremdem Platz – das 2:0 am letzten Spieltag 2015/2016 in Darmstadt. Kritiker sehen sich darin bestätigt, dass Schubert das Favre-Erbe zu verjubeln drohe: die defensive Stabilität.

Derlei Beanstandungen drängen allerdings den langfristigen Erfolg von Borussia Mönchengladbach an den Rand: Der Club ist zum fünften Mal in Folge im europäischen Wettbewerb vertreten, nachdem er noch 2011 die Erstklassigkeit erst in der Relegation erhalten hatte. Und die zweite Teilnahme an der Champions League in Folge gelang den Gladbachern, nachdem sie in der vergangenen Saison mit fünf Niederlagen und 2:12 Toren gestartet waren.

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