FC Bayern München: Statikfragen

Die Zeit geht an keinem Protzbau spurlos vorbei. Auch nicht am FC Bayern München, der sich im Sommer einem frischen Anstrich unterzog. Doch die Renovierungsarbeiten beschränkten sich nicht nur auf die Fassade, sie bezogen auch das Interieur ein.

Kapitän Philipp Lahm zog nach 332 Ligaspielen ebenso einen Schlussstrich wie Mittelfeldregisseur Xabi Alonso. Ein erheblicher Eingriff in den gealterten Kader. Zudem verlieh man Douglas Costa und Renato Sanches, die vorerst bei Juventus Turin und Swansea City Überzeugungsarbeit leisten sollen. Im Gegenzug verpassten die Münchener Architekten dem Team mit dem 21-jährigen Niklas Süle, Corentin Tolisso (23), James Rodriguez (26) und Sebastian Rudy (27) einen frischen Anstrich. Ein bisschen Retro-Anmutung durfte es aber ebenso sein. Co-Trainer Willy Sagnol und Sportdirektor Hasan Salihamidzic kennen aus langjährigen Profi-Karrieren die Münchener Hallen in- und auswendig.

Solange solche Verrücktheiten passieren, kannst du als FC Bayern München, der vernünftig wirtschaftet, nicht den Anspruch haben, die Champions League zu gewinnen.

Uli Hoeneß

Doch während sie an der Säbener Straße ansonsten gerne klotzen statt zu kleckern, fielen die Zielvorgaben im Vergleich zu den Vorjahren defensiver aus. Der Auftakt in der Königsklasse gestaltete sich mit dem 3:0 gegen RSC Anderlecht zwar erfolgreich, aber glanzlos.

„Solange solche Verrücktheiten passieren, kannst du als FC Bayern München, der vernünftig wirtschaftet, nicht den Anspruch haben, die Champions League zu gewinnen“, hatte Präsident Uli Hoeneß schon vorher mit Blick auf die Hitzewellen des jüngsten Transfersommers kommentiert. Was in der Umkehrung und im Selbstverständnis als Quasi-Monopolist des deutschen Titelmarkts bedeutet, dass am Anspruch auf Meisterschaft und DFB-Pokal nicht zu rütteln sein solle.

Die Statik der Selbstsicherheit vergangener Jahre scheint dennoch ins Wanken geraten zu sein. Richtfeststimmung wollte angesichts der Vorbereitungsschlappen gegen den AC Mailand (0:4), Inter Mailand (0:2) und den FC Liverpool (0:3) jedenfalls nicht aufkommen, und gegen die TSG Hoffenheim folgte früh die erste Saisonpleite (0:2). An der Säbener Straße aber werkeln sie ruhig weiter am Gebäude der Zukunft. Die Abteilung Attacke beschränkt sich auf die nationale Konkurrenz. Vorerst.

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