FC Salzburg: Meister als Zulieferbetrieb

Im Sommer musste der FC Salzburg sein Team an einigen Schaltstellen neu besetzen – wieder einmal. Kritiker bemängeln, dass regelmäßig Topspieler zu RB Leipzig transferiert werden. Doch für Nachschub ist gesorgt. In der heimischen Liga ist der regierende Meister trotz kleinerer Startprobleme erneut klarer Titelfavorit.

In den vergangenen Wochen haben sich die Gemüter etwas abgekühlt. Doch der FC Salzburg blickt auf einen heißen Sommer zurück. Kurz vor Transferschluss hat der Club das brasilianische Defensiv-Ass Bernardo nach Deutschland transferiert– ausgerechnet zu RB Leipzig, das ebenfalls das Milliardenimperium des Dietrich Mateschitz finanziert. Salzburgs Coach Oscar Garcia ist verstimmt: „Man hat mir mitgeteilt, dass es ein neues Ziel gibt. Jetzt sind wir mehr ein Ausbildungsteam“, schimpfte der Spanier. Auch die Fans waren sauer und verfassten einen offenen Protestbrief an die Clubverantwortlichen.

Vor Bernardo waren im Sommer 2016 bereits Salzburgs Mittelfeld-Stratege Naby Keita und Verteidiger Benno Schmitz nach Leipzig gewechselt. So wie in den vergangenen Jahren etwa ein Dutzend weitere Profis, unter anderen Stefan Ilsanker, Marcel Sabitzer und Peter Gulacsi. Pikant: In Sachsen fungiert der ehemalige Schalke-Trainer Ralf Rangnick als Sportdirektor. Der war zeitweise sogar für Leipzig und Salzburg parallel zuständig. Zwar hat Rangnick diese Doppelfunktion aufgegeben. Doch die Branche registriert mit Argwohn, dass Salzburg eine Art Zulieferbetrieb für die Leipziger ist.

Übrigens: Statt Bernardo wollte Leipzig eigentlich Martin Hinteregger aus Salzburg holen. Doch Österreichs Nationalverteidiger, der 2013 in einem Testspiel gegen Schalke (3:1) aus 60 Metern traf, weigerte sich und landete beim FC Augsburg. Hintereggers Meinung zu den Spieler-Rochaden: „Die Art und Weise, wie Salzburg von Leipzig kaputtgemacht wird, finde ich schade.“ Allerdings verzeichneten die Österreicher im Sommer auch vielversprechende Zugänge. Für die drei Neu-Leipziger kamen die Verteidiger Andre Wisdom vom FC Liverpool und Stefan Stangl von Rapid Wien sowie Mittelfeldmann Josip Radosevic vom SSC Neapel.

In der österreichischen Bundesliga sind die Salzburger derzeit Tabellenzweiter. Im Auswärtsspiel beim SCR Altach kam der amtierende Meister zuletzt zwar nicht über ein 0:0 hinaus. Doch Spitzenreiter Sturm Graz ist in Schlagweite und zugleich Gegner am kommenden Spieltag.

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