Hamburger SV: Mut zur Jugend

Der HSV an der Spitze? Für die Fans des chronisch kriselnden Clubs hatte die Tabelle nach dem 3:1-Sieg zum Auftakt des zweiten Spieltags beim 1. FC Köln fast verstörende Wirkung. Der Absturz folgte. Und den Aufschwung sollen die Grünschnäbel besorgen.

Die Nacht auf Platz eins genossen die Norddeutschen hanseatisch gelassen, denn permanente Abstiegssorgen erden irgendwann. In der vergangenen Saison hatte der gerade erst seit einem Tag 21 Jahre junge Gian-Luca Waldschmidt den HSV mit seinem Siegtreffer beim 2:1 gegen den VfL Wolfsburg in letzter Minute vor der dritten Relegation seit 2014 bewahrt. Aktuell spielt der Retter keine Rolle, noch jüngere Teamkollegen haben ihm den Rang abgelaufen.

Der Japaner Tatsuya Ito (20) zum Beispiel, aber in erster Linie Jann-Fiete Arp. Der 17-Jährige darf selbst noch keine Interviews geben, dafür reden nach zwei Bundesliga-Treffern in erst drei Partien alle anderen über ihn. „Um den Burschen wird zu viel Wirbel gemacht. Wir dürfen ihn nicht mit Erwartungen überfrachten“, fordert Chef-Trainer Markus Gisdol. Netter Versuch, doch Fans und Medien haben Arp in Anlehnung an HSV-Idol Uwe Seeler längst den Spitznamen „Uns Fiete“ verpasst, und englische Spitzenvereine sollen bereits Geldkoffer füllen.

Das jüngst befreiende 3:1 gegen einen früh dezimierten VfB Stuttgart – der 500. Heimsieg der Hamburger Erstliga-Historie – und die Spielfreude der Talente überstrahlen allerdings, dass der HSV zuvor leckgeschlagen hatte. Nach dem Erfolg in Köln holte die Gisdol-Elf nur einen Punkt aus acht Partien. An der Elbe wunderten sich die sturmfesten Verantwortlichen darüber nicht übermäßig, zumal mit Nicolai Müller der Topscorer der Vorsaison fehlt. Der Angreifer hatte sich am ersten Spieltag beim 1:0 gegen den FC Augsburg nach acht Minuten beim Torjubel das Kreuzband gerissen und wird noch Monate ausfallen. Hohe Wellen schlug zuletzt auch der erneut angedrohte Liebes- und Geldentzug von Großinvestor Klaus-Michael Kühne.

Die Bundesliga sei ein permanenter Behauptungskampf, dämpft Vorstandschef Heribert Bruchhagen Hoffnungen auf dauerhafte spielerische Leichtigkeit. Die kursieren in der Mannschaft ohnehin nicht. Oder wie Abwehrmann Mergim Mavraj betont: „Wir müssen vor allem unser Tor verteidigen. Das hat uns oft den Arsch gerettet.“

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