SV Darmstadt 98: Gegen den Wind

Man hat das Zählen eingestellt, die wievielte Fortsetzung des Evergreens „Das zweite Jahr ist das schwerste“ die Bundesliga erlebt. So überraschend der Klassenerhalt des SV Darmstadt 98 in der Vorsaison für die meisten war, so realistisch bleibt der Verein in weiterhin schwierigen Zeiten. Mit der Taktik hat’s ja schon mal geklappt.

Die Mannschaft war jüngst im Kino. „90 Minuten 98“, hieß die wohlverdiente Würdigung. Eine Fan-Verfilmung des Märchens, das sich seit drei Jahren um die Lilien rankt. Kletterpartie von der dritten Liga in die erste, Festkrallen in der höchsten Etage. Für einen Gutteil des Teams nie gesehene Bilder. Sie waren noch gar nicht da, als die Wunder geschahen, die Hauptrollen spielten andere.

Einer von ihnen, zweifelsohne, Dirk Schuster. 33 Jahre nach dem letzten Bundesliga-Aufenthalt peitschte der Coach seinen Kader so unnachgiebig durch die Saison, wie er früher als Verteidiger seine Kontrahenten das Fürchten gelehrt hat. Marodestes Stadion, mickrigster Etat. Beinahe niemand hatte den Hessen den Ligaverbleib zugetraut. Die verfuhren nach dem Motto: Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie, und hielten am vorletzten Spieltag die Klasse. Frankfurt, Stuttgart und Hannover hätten sofort getauscht.

Schuster trainiert inzwischen den FC Augsburg. Ein gangbareres Terrain. Nachfolger Norbert Meier ist bemüht, seine Mannen an elementare Tugenden zu erinnern. Alternativloses wie Einheit und Mentalität: „Das ist nicht immer einfach, wenn man in jedem Spiel an seine Leistungsgrenze gehen muss“, betont der 58-Jährige, „aber Grundvoraussetzung für uns.“

Der raue Wind im Oberhaus macht mürbe. Der erste Saisonerfolg des FC Ingolstadt, wie Darmstadt mit dem Zweites-Jahr-Phänomen konfrontiert, bedeutete für die Lilien die aktuell dritte Pleite in Folge. Es bröckelt der einst solide Defensivbeton, die Kreativzentrale kreist um sich selbst. Torjäger Sandro Wagner hat sich erfolgreich für die TSG Hoffenheim empfohlen, der vormals treffsichere Kapitän Aytac Sulu fiel erst länger aus und danach kaum als Schütze auf.

14 neue Spieler wollen integriert werden, Stars finden sich nicht darunter. Die meisten hat Holger Fach geholt, ebenfalls neu im Verein, wie übrigens auch sein Posten des sportlichen Leiters. Wenn er könnte, würde er gerne mehr Personal verpflichten, das sich woanders über Gebühr hervorgetan hat.

Waren die Lilien zuvor meist daheim eingeknickt und auswärts aufgeblüht, weist die Bilanz in fremden Stadien aktuell null Punkte aus. Die Pokal-Blamage gegen Viertligist FC Astoria Walldorf hat die Windstärke erhöht. Bereits zuvor hatten die Ultras ihrem Frust Luft verschafft über Erfolgsfans, die die Euphoriewelle nach oben geschwappt habe, die im Stadion aber nicht unbedingt auffielen, schon gar nicht durch lautstarke Unterstützung.

Dabei werden die Rahmenbedingungen gerade dem wichtigen Wachstum angepasst. Die neue Nordtribüne im Stadion ist eingeweiht: überdacht, näher am Spielfeld, 400 zusätzliche Plätze. Der SV Darmstadt 98 rüstet sich. Außenseiter will er trotzdem gerne weiter genannt werden. Vielleicht bekommt ja bis zum Schluss niemand mit, dass er, klammheimlich und schon wieder, die Klasse gehalten hat.

  • Tickets

    Für das Spiel sind auf tickets.schalke04.de noch Sitzplatzkarten erhältlich. Die Tageskassen West und Ost sowie Süd (für Gästefans) öffnen am Spieltag um 13 Uhr, das ServiceCenter sowie die Ticket-Hotline (01806|150810*) bereits um 12 Uhr.

    * (0,20€/ Anruf a. d. dt. Festnetz; max. 0,60€/ Anruf a. d. dt. Mobilfunknetz)

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