Ganz besonderer Mensch, ganz besondere Geschichten

Rudi Assauer hat viele Menschen entscheidend geprägt. Einige seiner ehemaligen Weggefährten verrieten nach der Trauerfeier am Freitag (15.2.) ganz persönliche Anekdoten, die sie auf ewig mit dem langjährigen Manager der Königsblauen verbinden werden.

Auf schalke04.de erinnern sich der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies und Finanzvorstand Peter Peters ebenso an die gemeinsame Zeit wie die Eurofighter um den damaligen Trainer Huub Stevens, Kapitän Olaf Thon, Andreas Müller, Youri Mulder und Mike Büskens.

Clemens Tönnies:

Wir haben einen großen Schalker verloren und das macht uns alle sehr betroffen. Ich freue mich – wenn man sich in so einer Situation denn freuen kann – insbesondere darüber, dass die Eurofighter heute da waren, dass Fußball-Deutschland nach Gelsenkirchen gekommen ist und es eine hohe Anteilnahme gegeben hat. Das beeindruckt mich sehr. Eine schöne Anekdote, die ich auch in der Kirche geteilt habe, ist: Rudi hatte eine diebische Freude daran, mir, wenn wir unterwegs zu Fans oder VIPs waren, völlig überraschend das Mikrofon in die Hand zu drücken. Er sagte dann: „Clemens, hau einen raus!“ – eigentlich immer nur mit dem Hintergedanken, dass wir, nach zwei Liedern von mir, gemeinsam „Blauer Vogel“ singen – das war sein Lieblingslied. Er war ein Mann des Ruhrgebiets, er hat das Ruhrgebiet und die Menschen hier geliebt. Es waren tolle Momente, die ich mit ihm erleben durfte.

Peter Peters:

Seine spektakulärste Entscheidung war sicherlich, Andreas Möller zu verpflichten. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Den Transfer haben wir damals in meiner Wohnung vollzogen. Wir haben die Vorhänge zugezogen, und Rudi fragte: „Der jetzt gleich kommt, was bieten wir ihm denn an?“ Dann habe ich ihm die Summe genannt. Und ich sagte ihm, dass er genau diese Summe auch unterschreiben wird. Dann kam Andreas Möller, meine Frau hatte Kekse hingestellt und Rudi paffte mit seiner geliebten Zigarre die Wohnung voll. Wir sind ins Nachbarzimmer gegangen und haben dort die Summe genannt, die wir Möller anbieten wollen. Und das war direkt ein Volltreffer und der Vertrag wurde unterschrieben. Daraufhin sagte Rudi, dass wir zu keinem einen Ton sagen sollen. Dann sind wir nach Billerbeck gefahren, am Abend hatten wir dort eine Aufsichtsratssitzung. Die Sitzung war eigentlich schon beendet, alle wollten ein Bierchen trinken. Dann sagte Rudi, dass wir noch einen Punkt hätten, den er fast vergessen hätte. Daraufhin wurde der Name Andreas Möller genannt – und allen Aufsichtsräten fiel natürlich die Kinnlade herunter. Am Ende gab es bekanntermaßen doch die Genehmigung.

Huub Stevens:

Von Anfang an hatten Rudi und ich eine spezielle Beziehung. Er war positiv verrückt und hat mich gleich mitgezogen in das Denken über den FC Schalke 04. Ich habe Rudi „Assi“ genannt, zu mir sagte er „Alter“, weil er der Meinung war, dass er jünger und besser aussah. Das war Rudi. Er war mehr als nur Manager oder Macher. Er hat für Teamgeist gesorgt, er hatte eine Nase, um die richtigen Spieler zu holen. Er gab Liebe und Vertrauen an sein Umfeld, Mitarbeiter und Fans. Er war eine Persönlichkeit, auf seine Art mit seiner Zigarre. Assi war ein Mensch, der geradeaus und ehrlich war. Nicht zu vergessen: die Schalke-Lieder, die wir zusammen mit den Spielern gesungen haben nach einem gewonnenen Titel. Aber auch unsere Tränen, die geflossen sind nach der Vier-Minuten-Meisterschaft. Wir hätten Assi so gerne in 2001 mit diesem Titel ausgezeichnet. Für Assi war kein Weg zu lang, kein Berg zu hoch, wenn es mit dem FC Schalke zu tun hatte. Wille, Leidenschaft und Kampfgeist hat er auf die Mannschaft übertragen. Stolz war er auf seine VELTINS-Arena. „Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich“, hat er gesagt. Leider hat die lange Krankheit ihn geschafft. Wir alle werden ihn vermissen.

Olaf Thon:

Rudi hat den FC Schalke 04 ab den 80ern geprägt wie kein Zweiter. Im deutschen Fußball zählte er mehrere Jahrzehnte lang zu den ganz Großen. Und auch ich habe ihm sehr, sehr viel zu verdanken. Ohne Rudi hätte ich wahrscheinlich nicht eine solch erfolgreiche Karriere hinlegen können. Er hat mich damals im Alter von 16 Jahren entdeckt, mir mit 17 meinen ersten Vertrag vorgelegt. Er hat sich gerade in den ersten Jahren meiner Laufbahn sehr um mich gekümmert. Für mich war es eine Ehre, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte. Uns verbinden aber nicht nur die vielen gemeinsame Momente auf dem Fußballplatz. Ich habe am 1. Mai Geburtstag, Rudi am 30. April. Wir haben viele Feiern verzahnt, so auch meinen 18. Geburtstag, als Rudi für meine Gäste das Bier gezapft hat. Ihm hätte es gefallen, dass wir Eurofighter heute ein Pils auf ihn trinken.

Andreas Müller:

Rudi war ein ganz besonderer Mensch. Das hat auch die Trauerfeier gezeigt, zu der zahlreiche ehemalige Weggefährten aus ganz Fußball-Deutschland angereist sind. Ich persönlich bin Rudi unendlich dankbar. Wir als „Eurofighter“ haben ihm alles zu verdanken. Ohne sein Wirken, ohne sein Engagement hätten wir den Pott 1997 nicht holen können. Das hat uns auf ewig zusammengeschweißt. Nach meiner aktiven Laufbahn hatte ich die Ehre, weiter mit Rudi arbeiten zu dürfen. Ich war zunächst sechs Jahre Spieler unter ihm, danach weitere sechs Jahre als sein Assistent. Damals habe ich immer gescherzt, dass ich Rudi häufiger sehe als meine Frau. Rudi hat immer sehr viel Wert auf meine Meinung gelegt. Legendär waren stets die gemeinsamen Autofahrten. Ich saß immer am Steuer, über das Radioprogramm hat aber immer Rudi bestimmt. Jedes Mal lief WDR 4. Damals war das für mich schon harte Kost. Wenn ich heute darüber nachdenke, muss ich lachen – heute höre ich selbst WDR 4.

Youri Mulder:

Als ich damals nach Schalke kam, habe ich gedacht, dass dieser Mann alles kann. Er führte den Verein mit links, hat alle – auch die Spieler – in der Hand gehabt. Er hat auch die Leute mitgenommen, die um die Spieler herum waren, diese haben sich bei ihm auch immer wohlgefühlt. Mein Bruder ist mit zu Auswärtsspielen gefahren. Rudi hat ihn ins Mannschaftshotel eingeladen und mit ihm zusammen ein Bier getrunken. Als ich mir damals das Kreuzband gerissen hatte, habe ich immer die volle Unterstützung von Assauer bekommen. Er hat mit mir mitgelitten wie ein Vater und wusste, dass ich eine schwierige Zeit durchlebe. Er hat alles dafür getan, dass es wieder gut wird. Diese Aufmerksamkeit als Spieler zu bekommen, ist sehr wichtig und sehr schön gewesen. Bei allem, was er zu dir gesagt hat, hattest du das Gefühl, dass er es auch wirklich so meint.

Mike Büskens:

Heute war ein würdiger Abschied von und für Rudi. Er war eine herausragende Persönlichkeit, die den FC Schalke 04 entscheidend geprägt hat. Rudi war ehrlich, er war geradeaus. Eigentlich sollte das normal sein, aber leider kommen genau diese Eigenschaften in unserer Gesellschaft heutzutage häufig zu kurz. Bei Rudi war ein Wort ein Wort, ein Handschlag galt. Rudi konnte aber auch resolut sein. Wenn ein einzelner Spieler oder auch das Team als Ganzes die Leistung nicht abgerufen hat, wurde uns das auch so mitgeteilt. Wir alle wussten aber auch, dass wir jederzeit zu ihm kommen können. Rudi war mehr als ein normaler Vorgesetzter. Er hat sich nicht an deiner Trikotnummer orientiert, der Mensch war für ihn wichtig. Und genau deshalb hat sein Tod so viele Menschen berührt.

Seite teilen