Peter Peters: Ein Vierteljahrhundert Königsblau

Sein Anspruch an Sorgfalt und Zuverlässigkeit ist ein anderer. Doch Peter Peters würde sogar auf einem Bierdeckel unterschreiben, um nach Schalke zu kommen. Einen ordnungsgemäßen Vertrag bekommt er dennoch. 25 Jahre ist das mittlerweile her.

Das erste Mal vergisst man nie. Erst recht nicht so eins. Als finde das Vorstellungsgespräch in der Kneipe statt, schickt sich Günter Eichberg an, Peters, noch stellvertretender Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, einen seiner berüchtigten Bierdeckelverträge über den Tisch zu schieben. Der Präsident reißt den Lebenslauf aus der Bewerbung, schreibt „Vertrag“ auf die Rückseite. Manager Rudi Assauer interveniert sogleich: Eichberg müsse dem Mann einen „ordentlichen“ Kontrakt geben. Peters will unbedingt nach Schalke und „hätte auch auf einem Bierdeckel unterschrieben“, wie er sagt. Doch für seine weiteren Episoden bei Königsblau wird diese Ouvertüre ausschlaggebend sein.

Geburtshelfer des neuen Schalke

Von Beginn setzt Peters, der am Donnerstag (28.6.) sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiert, darauf, Schalke als verlässlichen und vertrauenswürdigen Verein aufzustellen. Unter anderen mit Clemens Tönnies gehört er zu den Geburtshelfern des neuen Schalke, indem sie federführend die moderne Vereinssatzung auf den Weg bringen. Nachdem diese am 12. Dezember 1994 beschlossen worden ist, wählen ab sofort wie bei einem Unternehmen die Mitglieder nicht mehr den Vorstand, sondern den Aufsichtsrat, der seinerseits die Vereinsführung bestellt. Hitzige Mitgliederversammlungen und spontane Umstürze gehören der Vergangenheit an. Schalke taugt nicht mehr als „Skandalnudel“, sondern wird zum Vorreiter in der Bundesliga. Viele Clubs orientieren sich in der Folgezeit an der neuen Satzung der Knappen.

Der Weg zu einer kontinuierlichen Entwicklung ist bereitet, und Peter Peters, mittlerweile zum Geschäftsführer und Vorstandsmitglied für Organisation aufgestiegen, beschreitet ihn konsequent. Angesichts der Spekulationen über das Schulden-Erbe der Ära Eichberg und einen drohenden Lizenzentzug setzt er frühzeitig auf Transparenz gegenüber dem DFB, um den S04 in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Damit schafft er die Basis für zukünftige sportliche Erfolge: den Klassenerhalt 1994, die erste Qualifikation für den Europapokal seit 19 Jahren und den Triumph im UEFA-Cup 1997. Diese Grundlage nutzen Peters und seine Vorstandskollegen, um den Bau der VELTINS-Arena zu planen und in die Tat umzusetzen.

Steigender sportlicher Erfolg

Die Zweitausender-Jahre sind für Schalke die des steigenden sportlichen Erfolgs. Der S04 etabliert sich in der nationalen Spitzengruppe und wird auf Europas Plätzen eine feste Größe. Dass der Aufschwung mit entsprechend kostspieligen Transfers realisiert wird, gerät allerdings zum weniger hinterfragten Selbstverständnis. In Folge der Kirch-Insolvenz bleiben TV-Einnahmen aus, die Bankenkrisen 2003 und 2008 führen dazu, dass Fußballvereine kaum mehr Kredite erhalten. Der Club muss kostenintensivere Finanzierungsformen wählen, investiert dennoch bewusst in die Profimannschaft, die jedoch erstmals seit neun Jahren die Qualifikation für den Europapokal verpasst. In dieser Situation nimmt der Aufsichtsrat eine wichtige Umbesetzung vor: Peter Peters übernimmt das Ressort Finanzen von Josef Schnusenberg und ist ab dem 25. August 2009 allein mit Felix Magath für das operative Geschäft zuständig.

2010 haben sich laut Medienberichten bedrohliche Verbindlichkeiten aufgetürmt, Journalisten spekulieren über Punktabzüge für den S04. Peters missfällt einmal mehr, „dass uns unterstellt wird, unseriös zu arbeiten“. Er entwirft eine langfristige Strategie, die den Verein berechenbar und verlässlich macht: Ein Deal mit der Stadt Gelsenkirchen, die temporär Stadienanteile erwirbt, sowie eine Fananleihe, die sechs Jahre später erneut aufgelegt werden wird, spülen frisches Geld in die Kasse und helfen, Verbindlichkeiten umzufinanzieren. So kann sich Königsblau schrittweise wirtschaftlich konsolidieren, ohne sportlich an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen.

Harte Arbeit zum Wohle des Vereins

Für Peters sind dies zwei Seiten einer Medaille. Das Eine ginge nicht ohne das Andere: „Wer etwas anderes verspricht, ist ein Zauberer oder ein Hasardeur. Ich bin beides nicht. Ich verspreche harte Arbeit zum Wohle unseres Vereins. Mein Job als Finanzchef ist, Verantwortung zu tragen und manchmal auch unbequeme, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.“

Die Strategie greift: Schalke 04 baut bis 2018 mehr als 100 Millionen Euro an Verbindlichkeiten ab, darüber hinaus wird 2019 die letzte Rate für den Bau der VELTINS-Arena abbezahlt sein. Lediglich in zwei der zurückliegenden 17 Spielzeiten war der S04 nicht in einem internationalen Wettbewerb vertreten.

Peters flankiert 2010 den Businessplan durch weitere Maßnahmen. Fortan gewährt ein Konzernbericht jährlich Transparenz bei den Kennzahlen, womit der Club Glaubwürdigkeit gegenüber Mitgliedern, Fans und Öffentlichkeit zurückgewinnt. Zudem arbeitet er an den Strukturen, installiert eine Finanzdirektion, um intern Kompetenz aufzubauen. Und er entwickelt im Einklang mit seinen Vorstandskollegen Pläne, um neues Eigentum zu schaffen: durch den aktuellen Umbau des Vereinsgeländes. Dafür investiert Königsblau insgesamt rund 95 Millionen Euro.

Als überzeugter Verfechter der Rechtsform des eingetragenen Vereins sorgt Peters zudem gegen alle Widerstände dafür, „dass wir keine Rechte versilbern“. Der S04 hält es klassisch: Geld leihen, verzinsen, zurückzahlen. Während andere Clubs frisches Kapital durch Investoren erlösen und so ihre Selbstbestimmtheit einbüßen, „bleiben wir Herr im eigenen Haus“. Dafür streitet Peters derart beharrlich, dass er in der Saison 2010/2011 sogar den Bruch mit Felix Magath in Kauf nimmt. Der Manager, der nach der Alleinherrschaft griff, ist bei den Knappen längst Geschichte. Der von Peter Peters skizzierte „Schalker Weg“ als e.V. dagegen ist wirtschaftliches Gütesiegel der Marke Schalke 04.

Peter Peters

… wird am 21. Juni 1962 in Ochtendung nahe Koblenz geboren. Er studiert Betriebswirtschaftslehre in Dortmund und schreibt seine Diplomarbeit über „Controlling im Profifußball“. Nach zwei Jahren als Fußballchef der Fachzeitschrift Reviersport volontiert er bei der Westfälischen Rundschau und arbeitet zunächst als Sportredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Dortmund. 1991 wird er stellvertretender Geschäftsführer beim 1. FC Kaiserslautern, zwei Jahre später wechselt er als Geschäftsführer zum FC Schalke 04, wo er 1994 hauptamtliches Vorstandsmitglied wird.

Peters, verheiratet mit Sabine und Vater von Tochter Sonja und Sohn Fabian, amtiert zudem seit 2007 als Erster Vize-Präsident des Ligaverbandes, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Fußball Liga (DFL), Vize-Präsident im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Vorstandsmitglied des DFB, Mitglied der DFB-Kommission für Prävention und Sicherheit. Von 2009 bis 2011 ist er Mitglied der UEFA-Kommission für Stadien und Sicherheit, seit 2011 gehört er der UEFA-Kommission für die Clublizenzierung an. Der Schalker Finanzvorstand zählt beim DFB zu den wichtigen Entscheidern, die den neuen TV-Vertrag mitgestalten und mitverhandeln.

Seite teilen

Das könnte dich auch interessieren