Schalke Fan-Feld - Königsblau über den Tod hinaus

Seit Dezember 2012 können königsblaue Fans ihrem Herzensverein auch über den Tod hinaus verbunden bleiben: auf dem Schalke Fan-Feld, einem Gemeinschaftsgrabfeld auf dem Friedhof Beckhausen-Sutum, nur wenige hundert Meter von der VELTINS-Arena entfernt. Viele Grabstellen sind bereits vergeben. schalke04.de sprach mit Ender Ulupinar, dem Geschäftsführer der Schalke FanFeld GmbH, über Begräbniskultur und die Motivation seiner Kunden, sich bereits zu Lebzeiten eine Grabstelle zu reservieren.

Ender Ulupinar, bricht ein themenspezifisches Grabfeld wie das Schalke Fan-Feld mit unserer Begräbniskultur oder erweitert es sie?

In Gelsenkirchen ist es seit acht Jahren eine Form der Begräbniskultur. Wir haben 2008 eines der ersten Gemeinschaftsgrabfelder Deutschlands auf dem Friedhof Gelsenkirchen-Horst eröffnet, ein Feld zum Thema Bergbau und Zeche mit Loren und Kohle. Diese Idee ist sehr gut aufgenommen worden, die Grabstellen waren innerhalb kürzester Zeit reserviert oder belegt. Danach folgten ein mediterranes Themenfeld, eines mit Kirchen- und Burgruinen in Form eines Englischen Gartens, eines in rein christlicher Symbolik und eben das Schalke Fan-Feld. Man darf nicht vergessen: Nicht jeder Mensch ist religiös, möchte aber gerne an einem Ort beigesetzt werden, den er subjektiv schön findet. Dazu noch in Gemeinschaft mit anderen Menschen, mit denen ihn etwas verbunden hat – ein Arbeitsleben im Bergbau oder eben ein Leben als Königsblauer.

Also liegt so ein Fan-Feld sogar im Trend?

Das würde ich so sagen. Die Zahlen für solche Gemeinschaftsgrabfelder in Gelsenkirchen steigen, die von traditionellen Gräbern nehmen ab. Außerdem liegen mir zurzeit Anfragen von einem anderen Bundesligisten sowie einem türkischen Erstligisten, ob ich sie als Berater unterstützen kann, da sie ebenfalls Gemeinschaftsgrabfelder für ihre Fans anlegen möchten.

Spüren Sie dennoch Hemmschwellen, wenn sich Menschen bereits zu Lebzeiten mit ihrer letzten Ruhestätte beschäftigen?

Ja, manche Menschen möchten mit dem Thema Tod und Sterben nichts zu tun haben. Aber: Wenn sich Menschen erst einmal mit dem Tod befassen müssen, weil ein enger Verwandter stirbt, werden vielen erst dann Kosten und Stress bewusst, die eine Beisetzung bedeutet. In so einer Situation, in der Menschen eigentlich Zeit zum Trauern benötigen, sind sie plötzlich für einen großen Aufwand verantwortlich und müssen sich um zahlreiche Details kümmern. Sie müssen funktionieren statt fühlen zu können. In dieser kurzen Trauerphase machen die Angehörigen oft die meisten Fehler, weil sie schlichtweg keine klaren Gedanken fassen können. Insofern hat es einen ganz praktischen Grund, bereits vorher die eigene Beisetzung zu planen. Urne oder Sarg, Kosten für Grab, Grabstein, Inschrift, Kränze und Trauergestecke, Kosten für städtische Gebühren … es gibt Menschen, die lassen alle Details vom Tod bis zur letzten Minute der Beerdigung durchorganisieren. Darüber hinaus: Mich hat sogar ein Kunde angesprochen und gefragt, ob wir nicht ein Internetforum anbieten können für die Menschen, die ein Grab reserviert haben. Damit man wisse, wer später neben einem liegt. Das mag sich für manchen makaber anhören, ist aber insofern verständlich und normal.

Was bewegt die Menschen, die bei Ihnen eine Grabstelle reservieren?

99 Prozent sagen: „Wir möchten unseren Kindern nicht zur Last fallen.“ Früher war die Friedhofskultur eine andere: Da ging die Familie fast jeden Sonntag auf den Friedhof und kümmerte sich dementsprechend um die Grabpflege. Das ist heutzutage anders. Wer für einen Platz auf dem Schalke Fan-Feld einen Dauergrabpflegevertrag abschließt, hat sozusagen die Vollversorgung und damit die Sicherheit, das gute Gefühl, dass alles geregelt ist. Und 100 Prozent sagen natürlich: „Ich möchte unter Schalkern liegen. Meine Leidenschaft für Schalke 04 reicht über das Leben hinaus.“ Zumal die Angehörigen, die mindestens 17 Mal pro Saison die Arena besuchen, 17 Mal im Jahr nur wenige hundert Meter vom Friedhof entfernt sind. Die gehen vor einem Heimspiel eher ein Grab besuchen als im Normalfall.

Schalke Fan-Feld

Das Schalke Fan-Feld steht allen Konfessionen offen. Das Gemeinschaftsgrabfeld in Form eines Stadions mit Reihen- und Urnengräbern ist eine Anlage, die sich wie ein blau-weißer Ziergarten in die Umgebung einfügt, es wurde 2013 zu den zehn schönsten Friedhöfen Deutschlands. Die Kosten für eine Grabstelle beginnen bei 2800 Euro (zzgl. städtische Gebühren und Bestatterkosten). Sie beinhalten Grundgestaltung, Auswahl einer Grabstelle, Pflege des Gesamtfelds, Grabplatte und 25 Jahre Dauergrabpflege mit Bepflanzung, Grabsteinpflege, Instandhaltung sowie Behebung von Sinkschäden. Auch die Reservierung einer Grabstelle zu Lebzeiten ist möglich.

Bei einer solchen Reservierung fallen pro Jahr Kosten für Pflege, Verwaltung- und Energie an. Wer ein Grab reserviert, schließt einen für Dritte unantastbaren Dauergrabpflegevertrag ab und zahlt als Kunde der Friedhofsgärtner Gelsenkirchen eingetragene Genossenschaft auf ein Treuhänderkonto ein. Besonderheiten bei Gemeinschaftsgrabfeldern sind Ratenzahlung sowie Abdeckung der Kosten über eine Lebens- oder Sterbeversicherung.

Die vereinseigene Stiftung Schalke hilft! und die Schalke FanFeld GmbH stellen darüber hinaus kostenlose Ruhestätten für sozial schwache Fans zur Verfügung.

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