Schalke und die Zeche Consolidation

Was wäre, wenn sich nicht eine Handvoll Proletenkinder von der Zeche Consolidation und der Herdfabrik Küppersbusch zusammengetan hätten? Was, wenn nicht sie einen Fußballclub gegründet hätten, sondern sauber herausgeputzte Jungs aus gutbürgerlichem Hause? Wahrscheinlich hätte es Schalke 04 in der heutigen Form nie gegeben.

Ihre Herkunft macht den Malochern zu schaffen. Die Bürgerlichen wollen sie nicht in „ihrem“ Westdeutschen Spielverband haben. Also bitten die Jugendlichen einen Erwachsenen, ihren Vorsitz zu übernehmen. Heinrich Hilgert, Wiegemeister und Zechenbeamter auf Consol, willigt ein. Eine erste Hilfestellung des Bergbaus.

Sie nützt letztlich nichts, aber sie ist ein Zeichen, dass die Jungs nicht allein sind. Die Ablehnung der Bürgerlichen stärkt sogleich den Zusammenhalt der Arbeiter. In Kombination mit der einzigartigen Solidarität unter Tage, wo die Kumpel einander ihr Leben anvertrauen, entsteht die Keimzelle der königsblauen Kraft: das Jetzt-erst-recht, das Sich-nicht-unterkriegen-Lassen.

Ohne Bergbau kein Schalker Kreisel

Ohne Bergbau kein Kuzorra, kein Szepan, kein Tibulsky, kein Urban. Die Kinder von Arbeitskräften aus den Ostprovinzen wären jedenfalls kaum bei einem Lackschuhverein gelandet. Ohne Bergbau vielleicht auch kein Schalker Kreisel. Denn dessen Importeure, die Brüder Hans und Fred Ballmann, kommen als Kostgänger im Haus von Fritz Unkel unter.

Der legendäre Vorsitzende, wegen seiner väterlichen Art „Papa“ genannt, arbeitet als Materialverwalter auf Consol. Ohne ihn hätte der Club vielleicht nie die professionellen Strukturen erhalten, die die Grundlage für die großen Erfolge der Dreißiger- und Vierzigerjahre sind. Unkel sichert sich die Sympathie der Bergleute. Seine Kontakte tragen entscheidend dazu bei, dass der S04 eine eigene Spielstätte bauen kann, die seiner rekordverdächtigen Zuschauerschwemme Rechnung trägt. Die Zeche unterstützt die Schalker, indem sie Baugrund zur Verfügung stellt. Auch die Pläne entwirft das Bergwerk in Person ihres Bauzeichners Fritz Lader. Unkel beschafft immer wieder Materialien. Als Name setzt sich der Bergmannsgruß durch: Glückauf-Kampfbahn. Eine symbolkräftige Danksagung.

Die Tradition wird bis heute gepflegt

Dieses Vermächtnisses wird sich der Verein aus der Stadt der 1000 Feuer stets bewusst, und er pflegt seine Tradition als Club der Kumpel und Malocher. Als er 1956 die Flutlichtanlage der Glückauf-Kampfbahn einweiht, stimmt der Knappenchor Consol auf dem Rasen das Steigerlied an. Was die Zuschauer vor Heimspielen in der VELTINS-Arena erleben, ist ebenfalls eine Reminiszenz.

Nach dem für fünf Kumpel tödlichen Grubenglück auf Consol im Februar 1984 veranstaltet der S04 ein Benefizspiel; den Schmerz lindert das nicht, aber die wirtschaftliche Not der Hinterblieben. Und der Verein kann zurückgeben, was einst Heinrich Hilgert vorlebte: Ihr seid nicht allein.

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