Benito Raman: Dieses Talent hatte ich schon immer

Mit 667 Sprints in der laufenden Saison gehört Benito Raman zu den besten Spielern der gesamten Bundesliga in dieser Kategorie. Und der Offensivmann versichert im Interview mit schalke04.de, dass seine Schnelligkeit in den vergangenen Wochen nicht gelitten hat. Zudem spricht der 25-Jährige über Mitspieler, die ihm fehlen, seine bisherige Torausbeute und seinen Traum von einer EM-Teilnahme im Jahr 2021.

Benito Raman

Benito, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir und deiner Familie?
Meiner Frau und mir geht es gut, wir sind gesund. Der Rest meiner Familie ist zum Glück ebenfalls wohlauf. Die Situation in Belgien ist angespannter als in Deutschland. Deshalb bin ich froh, auch aus meinem Freundeskreis noch nichts von einer Corona-Infektion gehört zu haben.

Seit kurzer Zeit dürft ihr wieder in Kleingruppen trainieren. Welcher Mitspieler hat dir in den vergangenen Wochen am meisten gefehlt?
Alle Jungs, vor allem aber Matija Nastasic. Normalerweise frühstücken wir stets gemeinsam und tauschen uns auf dem Trainingsgelände aus. Das fällt aktuell weg. Wir alle halten uns an die Vorgaben und gehen keinerlei Risiken ein. Einige Spieler habe ich bereits einige Wochen nicht mehr gesehen, da wir getrennt und zu verschiedenen Zeiten trainieren. Ich bin gespannt, ob ich alle Jungs noch erkenne, wenn es weitergeht (lacht).

Derzeit steht noch nicht exakt fest, wann die Bundesliga wieder startet.
Wenn es einen Auftakttermin gibt, werde ich bereit sein! Mir fehlen die Spiele ungemein, aktuell ist alles ungewiss. Man trainiert, weiß aber nicht, wann genau der Ball wieder rollt. Die Vorfreude auf das nächste Spiel wird von Tag zu Tag größer.

Die Vorfreude auf das nächste Spiel wird von Tag zu Tag größer.

Benito Raman

Du bist im Kader der Spieler, der pro Spiel mit Abstand am meisten Sprints anzieht. Hast du in den vergangenen Wochen spezielle Übungen absolviert, damit diese Fähigkeit nicht verloren geht?
Ein spezielles Programm gab es nicht. Aber ich kann allen Fans versichern: meine Sprintkraft wird mir nicht abhandenkommen. Es gehörte schon immer zu meinem Spielstil, viel zu rennen. Ich weiß nicht, ob es in meinen Genen liegt – aber dieses Talent hatte ich schon immer. Ich mag es, auf dem Platz vollen Einsatz zu zeigen, Bälle zu erobern und Räume zu schaffen.

In deiner Instagram-Story war vor einigen Tagen zu sehen, dass du zu Hause mit dem Ball gegen die Wand geschossen hast. Haben sich deine Nachbarn beschwert?
Nein. Das Ganze hat im Keller stattgefunden. Von meinen Nachbarn konnte es niemand hören. Ohne Fußball kann ich halt nicht (lacht).

Im bisherigen Saisonverlauf bist du in 21 Spielen zum Einsatz gekommen. Dabei sind dir sieben Treffer gelungen. Bist du mit dieser Ausbeute zufrieden?
Die Anzahl ist in Ordnung, ich bin nicht unglücklich mit ihr. Aber klar, man möchte immer noch mehr Tore schießen. In den vergangenen beiden Jahren habe ich jeweils zweistellig geknipst. Dieses Ziel habe ich wettbewerbsübergreifend auch in dieser Saison im Blick. Am Wichtigsten ist mir aber immer der Erfolg meiner Mannschaft. Was bringt es, wenn ich treffe, aber wir verlieren. Ich freue mich deshalb genauso, wenn einer meiner Mitspieler trifft. Die eine oder andere Vorlage ist mir ja auch schon gelungen.

Am Wichtigsten ist mir immer der Erfolg meiner Mannschaft. Was bringt es, wenn ich treffe, aber wir verlieren.

Benito Raman

Du hast vor einigen Monaten dein Debüt in der belgischen Nationalmannschaft gefeiert.
Damit ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ich denke, viele kleine Jungs wünschen sich, später einmal Nationalspieler zu werden. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe und zuletzt Teil der Mannschaft war. Und ich hoffe, dass ich in Zukunft erneut nominiert werde. Die Konkurrenz gerade im Angriff ist riesengroß. Belgien verfügt über viele Spieler, die zu den besten in der Welt gehören. Ich glaube, dass der Wechsel zum FC Schalke 04 mir noch einmal geholfen hat. Dadurch, dass ich nun bei einem der größten Vereine Deutschlands spiele, bin ich noch mehr ins Blickfeld gerückt.

Welcher Mitspieler im belgischen Team beeindruckt dich am meisten?
Es ist schwer, einen Einzelnen zu nennen. Denn alle Jungs verfügen über eine riesengroße Qualität. Wenn ich einen herauspicken muss, nenne ich Kevin De Bruyne. Er hat unglaubliche Fähigkeiten.

Hattest du als Kind ein Vorbild?
Als kleiner Junge habe ich Jürgen Klinsmann bewundert. Imponiert hat mir schon immer Lionel Messi, zudem beeindruckt mich Zlatan Ibrahimovic. Seinen Weg habe ich stets ganz genau verfolgt. Ein überragender Fußballer, der überall, wo er gespielt hat, erfolgreiche Spuren hinterlassen konnte.

Die Europameisterschaft ist verschoben worden. Wenn du jetzt wählen müsstest: 2021 Urlaub machen? Oder Teil des belgischen Kaders sein?
Jeder Mensch mag Urlaub (lacht). Aber die Antwort ist doch klar: Wenn du die Chance hast, an einem großen Turnier teilnehmen zu können, ist das überragend. Ich werde alles geben, um 2021 dabei zu sein. Urlaub kann ich auch später in meinem Leben noch machen.

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