Can Bozdogan: Ich habe an meine Chance geglaubt

Mit Can Bozdogan zählt ein Akteur, der im Vorjahr noch in der U19 spielte, seit dem Start der Vorbereitung fest zum Lizenzspielerkader. Im Interview mit schalke04.de spricht der 19-Jährige über seine Zeit in der Knappenschmiede, seine ersten Wochen bei den Profis, Spieler, die ihn inspirieren und die Hoffnung, dass er zum Einstand nicht singen muss.

Can Bozdogan

Can, das Thermometer hat während eurer Trainingseinheiten an den vergangenen Tagen bis zu 35 Grad angezeigt. Wie hast du den Aufenthalt in Herzlake überstanden?
Die Tage waren schon anstrengend. Aber das gehört in der Vorbereitung dazu. Ich habe mich recht schnell an die Hitze gewöhnt und die hohen Temperaturen einfach ausgeblendet.

Für dich ist es die erste Sommervorbereitung als Profi. Was ist bislang der größte Unterschied im Trainingsablauf im Vergleich zu deiner Zeit in der Jugend?
Jetzt ist noch einmal deutlich mehr Handlungsschnelligkeit gefragt. In jeder einzelnen Sekunde musst du mit dem Kopf voll da sein, ansonsten ist der Ball weg. Und bevor ich die Kugel am Fuß habe, muss ich bereits die nächste Situation erahnen.

Dein erstes Trainingslager unter David Wagner war es aber nicht. Du warst bereits im Winter in Fuente Alamo Teil des Teams, musstest aber aufgrund einer Knieverletzung vorzeitig abreisen. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Das war ein harter Schlag. Ich hatte mich im Vorfeld riesig gefreut, dass ich mitreisen durfte. Und dann das. Aber ich habe den Kopf nicht in den Sand gesteckt, weil ich an meine Qualitäten geglaubt habe und wusste, dass ich nach dem Auskurieren der Verletzung erneut eine Gelegenheit bekommen werde, um mich oben zu zeigen. Ich arbeite jeden Tag hart – und ich glaube daran, dass harte Arbeit belohnt wird.

Jetzt ist noch einmal deutlich mehr Handlungsschnelligkeit gefragt.

Can Bozdogan

Hattest du nach deiner Blessur weiterhin Kontakt zur Lizenzspielerabteilung?
Der gesamte Trainerstab und auch Sascha Riether haben sich regelmäßig bei mir erkundigt, wie es mir geht, wann ich wieder trainieren kann. Das war ein schönes Gefühl. Sie haben mir damit gezeigt, dass sie an mich denken. Die Nachfragen haben mir sehr gutgetan und mir noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen gegeben.

In der U19 warst du in der Vorsaison eine der zentralen Figuren, die bis zum Abbruch der Junioren-Bundesliga starke Leistungen gezeigt hat. Mit Norbert Elgert hattest du dabei einen Trainer, der dafür bekannt ist, Talenten den letzten Schliff zu geben. Was hast du aus der abgelaufenen Spielzeit für dein Spiel mitgenommen?
Herr Elgert hat an vielen Details mit mir gefeilt. Er wusste, wo meine Schwächen liegen, daran haben wir gemeinsam gearbeitet. Immer und immer wieder. Zudem habe ich unter ihm auch viel für das Leben gelernt. Der Fußball stand natürlich im Mittelpunkt, aber er hatte auch Dinge, die abseits des Platzes geschehen, im Blick. Ich bin froh, dass ich diese Ausbildung genießen durfte.

Während aufgrund der Corona-Pandemie für einen Großteil deiner Mitspieler im März das Spieljahr beendet war, wurdest du nach der Zwangspause gemeinsam mit Malick Thiaw für den Bundesligakader nach dem Restart eingeplant. Hast du zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet, dass du im Liga-Schlussspurt deine Premiere im deutschen Oberhaus feiern wirst?
Nach den ersten Trainingseinheiten habe ich gespürt, dass ich mithalten kann. Mir ist es gelungen, meine Qualitäten auf den Platz zu bringen. Das hat der Trainer registriert. Mit zunehmender Dauer habe ich dann immer mehr daran geglaubt, dass es tatsächlich mit dem ersten Bundesligaspiel klappen könnte.

Can Bozdogan

Am 31. Spieltag war es soweit: Beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen warst du Teil der Startelf und wusstest bereits in den ersten Minuten mit einigen guten Aktionen zu überzeugen. Wie bist du das Spiel angegangen?
Ich war natürlich ein bisschen angespannt, aber nicht übertrieben nervös. Das lag vielleicht auch daran, dass wir vor leeren Rängen gespielt haben. Wenn du ins Stadion einläufst und 60.000 Fans klatschen und singen, ist das sicherlich noch einmal ein ganz anderes Gefühl. Als der Schiedsrichter dann angepfiffen hat, habe ich befreit aufgespielt.

Wer hat das Trikot von deinem Bundesliga-Debüt bekommen?
Das habe ich behalten und werde es einrahmen. Dann bekommt es einen Ehrenplatz bei mir zu Hause.

In einer Fußballmannschaft gilt das ungeschriebene Gesetz, dass neue Spieler im Team zum Einstand singen müssen. Hast du schon ein Liedchen geträllert?
Bislang noch nicht. Ich hoffe, dass ich von diesem Ritual verschont bleibe (lacht).

Bis zum Saisonende folgten noch zwei weitere Spiele im Oberhaus – eines war allerdings vorzeitig beendet. Denn in Frankfurt hast du nach einem unglücklichen Foulspiel gegen Makoto Hasebe die Gelb-Rote Karte gesehen. Wie war die Reaktion von Trainerstab und Mitspielern?
Die Aktion war ärgerlich, ich bin einen Tick zu spät gekommen. Aber ich glaube, dass ich aus dieser Situation auch lernen kann. Das wird mir nicht noch einmal passieren. David Wagner hat mir nach dem Spiel keinen Vorwurf gemacht. Er hat mich aufgebaut, genauso wie viele meiner Mitspieler.

Du kannst im Mittelfeld nahezu alle Positionen bekleiden. Wo spielst du am liebsten?
Am wohlsten fühle ich mich auf der Acht und der Zehn. Aber wenn der Trainer mich auf eine andere Position stellt, habe ich auch kein Problem damit (schmunzelt). Ich hoffe einfach, dass ich weitere Einsätze bekomme.

Wir haben einige erfahrene Spieler im Team, zu denen ich aufschaue. Besonders begeistert mich Benjamin Stambouli.

Can Bozdogan

Gibt es einen oder auch mehrere Akteure im Kader, an denen du dich orientierst?
Wir haben einige erfahrene Spieler im Team, zu denen ich aufschaue. Besonders begeistert mich Benjamin Stambouli. Er ist in jeder Sekunde auf dem Platz zu 100 Prozent fokussiert. Das gefällt mir. Ich schaue mir immer wieder ab, was er vor und auch nach dem Training macht, um seine bestmögliche Leistung zu zeigen.

Hast du ein Vorbild?
Lionel Messi! Und das schon immer. Seine Spielweise imponiert mir. Philippe Coutinho gefällt mir ebenfalls gut.

Du hast bislang im Internat der Knappenschmiede gewohnt. Wann geht’s in die erste eigene Wohnung?
Die habe ich tatsächlich vor einigen Wochen bezogen. Es war gar nicht so einfach, eine passende Wohnung zu finden. Aber am Ende hat alles geklappt. Ich fühle mich pudelwohl.

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