Christian Heidel: Spaß haben an Zweikämpfen

Die Partie gegen Bayern München hat Christian Heidel - bis zur 80. Minute - in doppelter Hinsicht gefallen: Zum einen haben die Königsblauen dem Rekordmeister die Freude am Spiel genommen, zum anderen hatten sie selbst Spaß daran, sich in jeden Zweikampf zu werfen und alles für den Erfolg zu geben. Auf schalke04.de spricht der Sportvorstand über die Partie die Atmosphäre in der VELTINS-Arena und die Europa League.

Christian Heidel über ...

… das Spiel gegen Bayern München:

Ich hatte den Eindruck, dass es den Bayern bis zur 80. Minute nicht so viel Spaß gemacht hat. Das war unser Plan, nur so kann man sie schlagen. Wenn sie Freude am Spiel haben, kann man sie nicht aufhalten, dafür sind sie zu gut. Wir haben es ab der zehnten Minute richtig gut hinbekommen. Die Bayern hatten kaum Chancen, weil wir sie gut vor unserem Tor weggehalten haben. Leider ist es uns nicht zehn Minuten länger gelungen. Wenn man den Gegentreffer in der 80. Minute hinnehmen muss, ist die Gefahr, ein zweites Tor einzustecken, natürlich gegeben. Es hat für mich dann aber nicht mehr die große Rolle gespielt, dass der Gegner nach der Führung noch ein, zwei gute Möglichkeiten hatte, die er vorher nicht gehabt hat. Diese Leistung hätte sicherlich gegen viele Gegner zum Erfolg geführt. Aber gegen eine der besten Mannschaften der Welt hat es nicht ganz gereicht.

 

… die Mannschaftsleistung:

Ich möchte keinen hervorheben, ob es ein Neuzugang ist oder ein Spieler, der schon länger auf Schalke spielt. Man kann die Leistung nicht damit begründen, dass wir einige neue Spieler in der Startelf hatten. Die Jungs müssen verstehen, dass man Spaß haben muss an Zweikämpfen und an der Defensivarbeit. Sie müssen einfach fighten. Das gehört zur individuellen Klasse eines Fußballers dazu, um erfolgreich zu sein. Das ist uns gegen die Bayern gut gelungen. Die Mannschaft hat insgesamt gut funktioniert. Wenn man behaupten kann, dass man gegen die Bayern gut funktioniert hat, dann war die Defensivleistung stark. Das war unsere Aufgabenstellung. Der Plan vom Trainer hat gut gegriffen. Meiner Meinung hätte man das Spiel allerdings nach 80 Minuten abpfeifen können.

… die Atmosphäre in der VELTINS-Arena:

Man kann die Zuschauer sehr schnell dafür sensibilisieren, dass man alles dafür tut, um ein Spiel zu gewinnen. Das hat etwas mit der Mentalität, der Zweikampfführung und dem unbedingten Willen zu tun. Das springt schnell auf die Ränge über. Die Fans haben uns grandios unterstützt und haben gesehen, dass die Mannschaft alles gegeben hat. Es war schon beeindruckend, wie die Anhänger die Leistung während und nach dem Spiel honoriert haben. Das habe ich so noch nicht erlebt.

… die Tabelle:

Der Tabellenplatz ist das zwangsläufige Ergebnis, wenn man die ersten zwei Spiele nicht gewinnt. Ich denke, das wird der einen oder anderen Mannschaft auch passieren, die relativ früh gegen Bayern München spielt. Da ist die Wahrscheinlichkeit eines Sieges leider nicht ganz so groß. Aber es war die Begegnung in Frankfurt, die uns wehgetan hat. Das ist keine Frage. Wir werden noch Spiele gewinnen. Ich habe keine Angst vor einem Fehlstart. Es gilt, auch aus dem Bayern-Spiel die richtigen Schlüsse zu ziehen. Genauso wie wir es nach der Partie in Frankfurt getan haben. Wir sollten nicht damit anfangen, irgendwelche Horrorszenarien aufzubauen.

… die Europa League:

Wir freuen uns schon auf das erste Spiel. Wir haben eine anspruchsvolle Gruppe erwischt. Wer glaubt, dass wir einfach locker an die Cote d’Azur reisen, wird sicherlich eines Besseren belehrt. Nizza hat eine Klasse-Mannschaft mit einem Klasse-Trainer. Die Franzosen haben sich sehr gut verstärkt. Es wird eine schwierige Aufgabe in einem wunderschönen Stadion. Wir müssen mit der gleichen Einstellung wie gegen die Bayern auftreten. Unser Ziel bleibt unabhängig vom Gegner natürlich das Überstehen der Gruppenphase.

… den Umzug auf der Trainerbank:

Das hatte überhaupt nichts mit dem Spiel gegen die Bayern zu tun. Wir haben vor der Saison ein wenig überlegt, was man verändern kann. Ich habe mir bei der Besichtigung der Arena die Frage gestellt, warum unsere Bank nicht auf der Seite unserer Fans ist. Die Akustik ist einfach besser, wenn man in der Nähe der eigenen Fankurve sitzt. Insgesamt ist es aber eher eine symbolische Geschichte, die nichts mit den Schiedsrichtern zu tun hat. Die Zeiten, in denen man glaubte, die Linienrichter beeinflussen zu können, sind längst vorbei.

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