Einblicke in die Arbeit von Matthias Kreutzer

Zusammen mit Huub Stevens, Mike Büskens und Gerald Asamoah sprang Matthias Kreutzer in der vergangenen Saison in die Bresche und brachte die Saison der Königsblauen zu einem versöhnlichen Ende. Im Interview mit schalke04.de spricht der 36-Jährige, der als Co-Trainer und Leiter der Spielanalyse für die Knappen arbeitet, über seinen Werdegang, die Zusammenarbeit im Trainerteam und sein umfassendes Aufgabengebiet.

Matthias, du warst bereits im letzten Drittel der vergangenen Saison Mitglied des Trainerstabs. Wie hast du den Weg ins Revier gefunden?
Ich war sehr lange beim Hamburger SV tätig und habe dort bereits 2007 mit Huub Stevens zusammengearbeitet. Als damaliger Trainer hat Huub eine bestimmte Art und Weise der Spielvorbereitung verfolgt und bereits damals die Vorteile der Spielanalyse erkannt. Die Anfänge der Analyse basierten auf einfachen Präsentationen, mittels derer sowohl die jeweiligen Spielgegner als auch deren Stärken und Schwächen herausgestellt wurden. Gemeinsam haben wir dann die Analyse vorangetrieben. Bestehendes, eher statisches Material, wurde durch Videomaterial ergänzt, konkrete eigens angefertigte Clips auch bei zunächst unbekannteren Gegnern und deren Spielern – zum Beispiel betraf dies im Europapokal Clubs wie Unirea Urziceni oder MSK Zilina – hinzugezogen. Diese damalige Zusammenarbeit hat uns von Anfang an sehr eng verbunden und der Kontakt ist seitdem geblieben. Als Huub dann im März 2019 die Cheftrainer-Position übernommen und mich als Co-Trainer angefragt hat, habe ich keine Sekunde gezögert und voller Überzeugung zugesagt.

Wie bist du ins Jobfeld Spielanalyse gekommen?
Ich habe zunächst Sportökonomie studiert und ein Praktikum im Scouting gemacht, bevor ich zur Spielanalyse gekommen bin. Das Themengebiet der Spielanalyse, wie wir sie heute kennen, war zu dem Zeitpunkt noch komplett unausgereift. Zugleich hat mich der Bereich jedoch von Beginn an fasziniert. Ich konnte sehr eigenständig die Analyse vertiefen und habe stetig die Prozesse verbessert, mittels derer für die Mannschaft explizit systematisch Dinge aufbereitet werden.

Du hast in deiner Zeit beim HSV viele Trainer kommen und gehen sehen. Von welchem hast du am meisten für dich mitgenommen?
Das kann man nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich war ich einer intensiven Zeit ausgesetzt, zumal häufig im Zuge dessen auch die komplette Vereinsführung ausgetauscht wurde. Mit jedem Trainerwechsel habe ich nicht nur einen neuen Chef bekommen, sondern bin unterschiedlichen Ansichten, Herangehensweisen und Mustern begegnet. Auch für mich persönlich kam dies meist einem Neuanfang gleich, in dem ich mich und meine Tätigkeit immer wieder aufs Neue beweisen musste. Zugleich habe ich mit jedem Trainerwechsel aber auch immer sehr viel Neues hinzugelernt.

Du bist in einer für den Verein sehr schwierigen Lage zu uns gekommen. Wie hast du die Situation damals wahrgenommen?
Die Situation war sehr angespannt. Huub, Mike und Asa waren dabei natürlich ganz anders emotional eingebunden und befangener als ich. Als Außenstehender konnte ich dabei vermeintlich rationaler meine Tätigkeit aufnehmen. Von Anfang an bestand jedoch eine sehr enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Tatsache, dass Huub mit seiner Art sehr polarisiert hat, lenkte von uns anderen ab und machte es Mike und mir zugleich einfacher, uns auf die konkreten Aufgaben und deren Umsetzung auf dem Platz zu konzentrieren. Wir wussten um die Umstände und haben uns der Aufgabe als Team mit dem klaren Ziel Klassenerhalt durchweg gestellt. Auch haben wir uns durch unsere Charaktere und durch unser jeweiliges Know-how von Anfang an sehr gut ergänzt.

War von Anfang an klar, dass du über das Saisonende hinaus auf Schalke bleiben wirst?
Mir wurde relativ schnell nach dem Saisonende von der sportlichen Leitung des Vereins signalisiert, dass sehr großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bestünde. Diese Gespräche wurden dann im Zuge der Verpflichtung von David Wagner intensiv weitergeführt. In David konnte ich sofort einen Trainer erkennen, der offen gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen ist und auch Raum für Dinge zulässt, die mir persönlich in der täglichen Arbeit besonders wichtig erscheinen.

In David konnte ich sofort einen Trainer erkennen, der offen gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen ist und auch Raum für Dinge zulässt, die mir persönlich in der täglichen Arbeit besonders wichtig erscheinen.

Matthias Kreutzer

Neben dir arbeiten auch Christoph Bühler und Frank Fröhling als Co-Trainer. Wie teilt ihr euch die Arbeit auf und neben dem Platz auf?
Christoph und David arbeiten ja bereits länger zusammen und haben entsprechend gemeinsame Abläufe entwickelt, die zum Tragen kommen. Diese Abläufe gilt es mit dem gesamten Trainerstab aufzugreifen und zu bereichern. Ich persönlich versuche die gemeinsame Arbeit inhaltlich zu bündeln und die Art des gewünschten Spiels bestmöglich zu transportieren. In der Woche vor einem Spiel zeigen wir Videos vom kommenden Gegner und darauf abgestimmt wird inhaltlich trainiert. Oftmals sind es im laufenden Trainingsbetrieb nur wenige Stellschrauben, an denen wir im Bezug auf unseren Gegner drehen. Wichtiger ist unser Spiel mit unseren gleichbleibenden Grundsätzen und Prinzipien.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit unseren Spielanalysten Lars Gerling und Mirco Schüller?
Es macht im Team sehr viel Spaß zusammenzuarbeiten. Gemeinsam sichten, diskutieren und überlegen wir, wie sich bestmögliche Inhalte herausarbeiten und aufarbeiten lassen.

Welche Punkte sind in deinem Bereich von besonderer Bedeutung?
Die Analyse beginnt und endet nicht nur mit der eigenen Aufstellung und dem gegnerischen Team. Es ist wichtig, dass neben dem Teamanalysen auch die Spieler, die nicht so häufig zum Einsatz kommen, betreut werden. Konkret bedeutet dies den Einsatz von Videomaterial beim Training und begleitenden Übungen. Auch die Einzelspielerbewertung ist ein wichtiger Punkt. Das Ziel ist es, für jeden Spieler eine Akte anzulegen, mittels derer wir seine Stärken und Schwächen, aber auch sein Potential anschaulich herausstellen können. Das Material hilft gleichzeitig uns und dem Spieler, im Dialog die gewünschten Ziele besser zu erreichen.

Wir haben im Team rund um das Team zu dieser Saison aufgerüstet. Wie wichtig ist dieser Schritt deiner Meinung nach?
Ich beurteile den Schritt durchweg positiv. Das Fußballerische ist die eine Komponente, aber es gibt noch viel mehr von Bedeutung: die Athletik, das Mentale, das Soziale. Dies hat der Verein inhaltlich und auch personell erkannt und eine Basis geschaffen, mit der all diese Inhalte gebündelt und aufeinander abgestimmt werden können, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Das Fußballerische ist die eine Komponente, aber es gibt noch viel mehr von Bedeutung: die Athletik, das Mentale, das Soziale.

Matthias Kreutzer

Du arbeitest seit gut fünf Monaten bei uns. Wie hast du dich in Gelsenkirchen bislang eingelebt?
Ich habe in der vergangenen Saison im Hotel gelebt und mich komplett auf die Arbeit fokussiert. Mittlerweile habe ich eine eigene Wohnung bezogen und werde mit der Stadt vertrauter.

Und wie fühlt es sich an, für die blau-weißen Farben zu arbeiten?
Ich erlebe auf Schalke ein zugleich professionelles als auch emotionales Umfeld, das ich schon beim HSV kennenlernen durfte. Das Wissen darum, dass die Fans in dem ein oder anderen Spiel den Unterschied ausmachen können, hat seinen ganz eigenen Reiz. Durch Huub, Mike uns Asa habe ich in meiner Anfangszeit einen Schalke-Schnellkurs bekommen, der seinesgleichen sucht. Mehr Schalke-Identität und -Authentizität geht nicht.

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