Gerald Asamoah über das DFB-Team: Titelverteidigung? Warum nicht?

An zwei Weltmeisterschaften hat Gerald Asamoah in seiner Karriere teilgenommen – 2002 wurde er mit dem DFB-Team Zweiter, 2006 im eigenen Land Dritter. Grund genug, sich mit dem Manager der Schalker U23 über die anstehende WM in Russland zu unterhalten.

Asa, hat dich das WM-Fieber schon gepackt?
Jein! Ehrlich gesagt, noch nicht so richtig, weil ich gerade noch mitten in den Planungen für die nächste Saison stecke. Deswegen bin ich noch nicht so im WM-Fieber. Aber wenn das Turnier beginnt, werde ich mir die Spiele natürlich anschauen.

Du warst selber bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 dabei. Was ist das für ein Gefühl, ein Teil des Kaders bei einer WM zu sein?
Als Fußballer träumt man von so einem Turnier. Es ist eines der größten Ziele, bei einer WM dabei zu sein. Die WM 2002 war einmalig für mich. Ich war zum ersten Mal dabei und stand direkt im Finale. Aber 2006 war gigantisch! Teil des Kaders bei der Heim-WM gewesen zu sein, war einfach überragend. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich dabei sein durfte.

Mit Leroy Sane muss ein ehemaliger Schalker auf seine erste WM-Teilnahme warten. Wie hart ist es für einen Spieler, so kurz vor dem Turnier wieder nach Hause fahren zu müssen?
Zum Glück habe ich das nie erlebt. Aber ich weiß noch wie es 2006 war: Damals wurden Fabian Ernst und Kevin Kuranyi aus dem Kader gestrichen. Mit beiden Spielern war ich gut befreundet. Für die Jungs war es wie ein Weltuntergang. Sie haben alles für ihren Traum gegeben und wollten unbedingt bei der WM dabei sein. In so einer Situation braucht man die Familie, die hinter einem steht und viel Mut zuspricht. Leroy hat mir natürlich sehr leid getan.

Brasilien ist in einer super Verfassung, Spanien gehört ebenfalls zu den Anwärtern auf den WM-Sieg. Ich sehe uns trotzdem ganz vorne dabei.

Gerald Asamoah

Wie stark ist die Nationalmannschaft in deinen Augen?
Wir haben in den Testspielen unmittelbar vor der WM meistens keine überragenden Leistungen gezeigt. Dennoch geht Deutschland als Titelverteidiger ins Turnier und gehört automatisch zu den Favoriten. Aber es sind auch die üblichen Verdächtigen im Rennen. Brasilien ist in einer super Verfassung, Spanien gehört ebenfalls zu den Anwärtern auf den WM-Sieg. Ich sehe uns trotzdem ganz vorne dabei. Warum sollte es nicht mit der Titelverteidigung klappen?

Deutschland wird immer als Turniermannschaft bezeichnet, die sich im Laufe eines Turniers steigert. Wie muss man sich sowas vorstellen?
Es ist der große Zusammenhalt, den wir in den Turnieren entwickeln. Wir haben 2002 in der Gruppenphase nicht gut gespielt. Aber auf einmal ging ein Ruck durch die Mannschaft. Wir waren voll da und haben uns auf dem Platz zerrissen. Da habe ich verstanden, was der Begriff „Turniermannschaft“ bedeutet. Es war eine Mannschaft auf dem Platz, die alles für ihr Ziel gegeben hat. Am Ende ist der Trainer für das Team verantwortlich, aber man hat gesehen, dass wir eine Einheit auf dem Rasen waren. Ich hoffe, dass es dieses Jahr auch so ist.

Du bist vom 2. bis zum 12. Juli in China. Das heißt, dass du einen Teil der Spiele in Asien schauen wirst. Zum Finale wärst du wieder zu Hause. Was passiert dann?
Das weiß ich noch nicht. Ich habe erst vor kurzem erfahren, dass wir zum Finale wieder in Deutschland wären. Bei mir zu Hause wird sicherlich etwas stattfinden. Ich weiß nur noch nicht, was.

Das ausführliche WM-Interview mit Gerald Asamoah gibt es auf Schalke TV.

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