Jonas Carls: Jeden Tag lernen, jede Sekunde genießen

In der vergangenen Saison war Jonas Carls Leistungsträger in der U23 der Königsblauen, zudem durfte er bereits etwas Bundesligaluft schnuppern. Vor wenigen Wochen wurde das Engagement des Linksverteidigers mit einem Profivertrag belohnt. Im Interview mit schalke04.de spricht der 22-Jährige über den Sprung aus der Oberliga in die Bundesliga, seine bisherige sportliche Laufbahn, hart umkämpfte Duelle mit den Knappen in der Jugend und seine Ziele für die kommenden Monate.

Jonas Carls

Jonas, gegen den FC Twente hast du zuletzt im Kader gefehlt. Aus welchem Grund?
Im Testspiel gegen Norwich City bin ich bei einem Kopfballduell mit meinem Gegenspieler zusammengerasselt. Die Folge war eine leichte Gehirnerschütterung und damit verbunden leider eine kurze Zwangspause.

Ist jetzt wieder alles in Ordnung?
Ja, ich kann ohne Probleme trainieren und fühle mich gut. Unser Doc hat mir zuvor auch bestätigt, dass ich wieder einsteigen kann. Zum Glück, denn ich hätte mich sehr geärgert, wenn ich die ersten Einheiten im Trainingslager verpasst hätte.

Für dich ist es die erste Vorbereitung als Profi. Ist im Mai mit der Unterschrift unter einen Lizenzspielervertrag für dich ein Traum in Erfüllung gegangen?
Definitiv. Ich glaube, nahezu jeder kleine Junge wünscht sich, später einmal Fußballprofi zu werden und in den größten Stadien Deutschlands spielen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar, dass die Verantwortlichen auf Schalke mir vertrauen und ich Teil der Mannschaft sein darf.

Jonas Carls

Hast du dich im Team bereits eingelebt?
Am Anfang war es natürlich eine Umstellung. In der U23 wurde auch auf sehr hohem Niveau gearbeitet, aber bei den Profis ist es doch noch einmal etwas anderes. Mittlerweile habe ich mich aber super eingelebt, zumal ich bereits in der Vorsaison einige Male oben dabei sein durfte.

Dein Bundesligadebüt hast du bereits gefeiert. Was hast du mit deinem Trikot aus deinem Premierenspiel im April gegen Hoffenheim gemacht?
Ich habe es mitgenommen, es hat einen Ehrenplatz in der Bar meiner Eltern bekommen. Dort hingen zuvor bereits einige Trikots aus meiner Jugendzeit. Meine Eltern sind sehr stolz, dass nun ein Bundesligatrikot ihre Wand ziert.

Was hat es mit deiner Tätowierung auf sich?
Ich trage die Geburtsdaten meiner Eltern und Großeltern sowie den Geburtstag meines Bruders auf dem Arm. Sie sind in einem Kompass integriert. Dieser weist mir den Weg und erinnert mich stets daran, woher ich komme. Die Familie spielt in meinem Leben eine große Rolle.

Du bist vor zwei Jahren vom 1. FC Nürnberg in die U23 der Knappenschmiede gewechselt. War es dein Ziel, dich durch gute Leistungen für die Profimannschaft zu empfehlen?
Natürlich hatte ich ein wenig die Hoffnung, dass ich in einer Länderspielpause oder bei der Verletzung eines Spielers die Möglichkeit bekomme, mich zu zeigen. Vor allem war es aber mein Ziel, mich mit guten Leistungen in der U23 für höhere Aufgaben anzubieten. Dass dieser Wunsch nun tatsächlich Realität geworden ist, macht mich sehr glücklich.

Das Trikot von meinem Bundesligadebüt hat einen Ehrenplatz in der Bar meiner Eltern bekommen.

Jonas Carls

Wie hat dich die Zeit in der U23 weitergebracht?
In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich sehr gut weiterentwickelt. Gerade in der zweiten Saison habe ich eine Führungsrolle übernommen und stets das Vertrauen des Trainerteams um Torsten Fröhling gespürt. Ich bin stolz darauf, dass wir nach einer durchwachsenen ersten Spielzeit den Aufstieg in die Regionalliga gepackt haben. Und das mit riesengroßem Vorsprung auf Platz zwei.

Warst du schon immer Linksverteidiger?
Als kleiner Junge habe ich vorne gespielt. Nach meinem Wechsel zu Bayer Leverkusen im Alter von neun Jahren wurde ich dann hauptsächlich als Linksverteidiger aufgestellt. Diese Position passt zu mir.

Jonas Carls

Kannst du dich an vergangene Duelle im Trikot von Bayer Leverkusen gegen Schalke erinnern?
Klar! Das waren stets richtig harte Fights. Eine Partie habe ich noch ganz besonders im Kopf. Auf dem Kunstrasen an der Schalker Geschäftsstelle haben wir 6:5 verloren, das Siegtor für den S04 fiel dabei erst in der allerletzten Minute. Die Zuschauer waren damals völlig aus dem Häuschen.

Warum bist du damals aus Leverkusen nach Nürnberg gewechselt?
Nach der Zeit in der U19 habe ich den Sprung zu den Profis nicht geschafft. Und da Leverkusen in jener Saison die U23 vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, musste ich mich anders orientieren. Nürnberg hat damals großes Interesse an mir signalisiert – und ich habe den Schritt gewagt. Am Anfang war es gar nicht so einfach, mich im Süden Deutschlands einzuleben. Nach kurzer Zeit habe ich aber einige Freunde gefunden, zu denen ich heute noch guten Kontakt habe

Welches Ziel hast du dir für die kommende Saison gesteckt?
Ich möchte jeden Tag mein Bestes geben und mich für einen Kaderplatz empfehlen. Derzeit spüre ich, dass ich mich stets weiterentwickle, das Training auf hohem Niveau tut mir sehr gut. Von meinen Mitspielern kann ich sehr viel lernen.

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