Leon Goretzka: Haben dieselbe Sprache gesprochen

Leon Goretzka, sehr gut gespielt und dennoch keine Punkte – wie war die Gemütslage nach der Partie gegen Bayern München?

Natürlich habe ich mich über unsere Leistung gefreut. Aber insgesamt tat es richtig weh, dass wir nichts Zählbares aus dem Spiel mitnehmen konnten, obwohl wir eine der besten Mannschaften der Welt am Rande einer Niederlage hatten. Wir müssen aus dieser Leistung Mut für die kommenden Aufgaben schöpfen. Aber kaufen konnten wir uns dafür am Freitag leider nichts.

Was waren die Gründe dafür, dass es gegen die Bayern nicht ganz gereicht hat?

Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit sehr aufwendig verteidigt. Das ist uns sehr gut gelungen. Aber es war dennoch sehr intensiv. Wir sind dann gegen Ende vielleicht zwei, drei Meter zu wenig gelaufen. Gegen die Bayern wird sowas eiskalt bestraft. Das 0:1 hat uns natürlich zurückgeworfen. Das war sehr ärgerlich. Wenn man nicht mehr ganz den Zugriff bekommt, Bayern in die Ballzirkulation kommt und man selbst sich nicht mehr so häufig für die Wege belohnt, dann wird es immer schwieriger.

Wie bewerten Sie die Leistung bis zu den Gegentoren?

Wir haben endlich kompakt als Team verteidigt. Wir sind gut in die Zweikämpfe gekommen, die hinteren Spieler sind gut nachgerückt, wenn wir vorne rausgegangen sind. Insgesamt war alles stimmiger als in der vergangenen Saison. Alle zehn Feldspieler haben dieselbe Sprache gesprochen, gerade im Kampf um den Ball. Unser Plan war, auf die Bayern Druck auszuüben, damit sie den Ball nicht wie gewohnt zirkulieren lassen können. Das haben wir über weite Strecken gut gemacht. Das müssen wir jetzt über 90 Minuten und in jeder Situation hinbekommen. Wäre uns das gegen die Bayern gelungen, hätten wir wahrscheinlich auch einen Punkt oder mehr mitgenommen. Wir haben gesehen, wie viel Spaß es machen kann, wenn man in die Zweikämpfe kommt und die Wege nicht umsonst laufen muss. Wenn der eine für den anderen da ist, springt auch der Funke auf die Zuschauerränge über.

Die Bayern haben mit vier Gelben Karten ungewöhnlich viele Verwarnungen kassiert …

Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wir sie am Rande eines Punktverlustes hatten. In der ersten Hälfte hat man ihnen angesehen, dass sie nicht so richtig wussten, was los ist. Sie hatten ungewohnte Ballverluste dabei, haben Bälle unnötig ins Aus geschossen – es hat richtig Spaß gemacht, die Jungs mal in Bedrängnis zu bringen. Umso bitterer ist es, dass wir uns dafür nicht belohnt haben.

Was sagen Sie zu Leistung der Neuzugänge?

Viel trainiert haben wir ja noch nicht zusammen. Wir konnten unseren Plan nur ein, zwei Tage mit allen besprechen und trainieren. Gerade deswegen muss man der Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen. Ich habe neulich irgendwo die These gelesen, dass Qualität nicht lange braucht, um sich einzuspielen. Das hat man bei uns auf dem Platz gesehen. Unsere Neuzugänge, und auch die anderen Spieler, die in die Startelf gerückt sind, haben einen guten Auftritt gezeigt. Trotzdem kann man die Leistung nicht an einigen wenigen Spielern festmachen. Wir haben als Team gearbeitet. So muss es in Zukunft weitegehen.

Normalerweise sind alle nach so einer bitteren Niederlage sehr geknickt, und unsere Fans hauen dann noch mal den ‚Mythos‘ raus – Gänsehaut pur!

Haben Sie während des Spiels an Ihre Schulter gedacht?

Nein, ich hatte keine Angst, sonst wäre ich nicht ins Spiel gegangen. Wir hatten vor dem Frankfurt-Spiel schon überlegt, ob ich zum Einsatz kommen sollte, hatten uns diesmal für die risikoärmere Variante entschieden. Ich bin jetzt komplett beschwerdefrei und hoffe, dass es auch in Zukunft so bleibt.

Wie hat Ihnen die Rolle im offensiven Mittelfeld gefallen?

Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich kann mich auch mit der Position identifizieren. Ob ich jetzt auf der Zehn spiele oder eine defensivere Rolle einnehme, macht für mich keinen großen Unterschied. Ich freue mich einfach, ein Teil dieser Mannschaft zu sein und werde ich Zukunft da auflaufen, wo der Trainer mich am stärksten sieht und am meisten braucht.

Vor und nach dem Spiel gab es auch tolle Momente. Vor dem Anpfiff wurden Sie und Max Meyer für den Gewinn der Silbermedaille bei der Olympiade geehrt. Was ging Ihnen bei der Ehrung durch den Kopf?

Ich habe mich einfach gefreut. Es war natürlich ein schönes Gefühl. Allerdings habe ich bei der Olympiade nur ein Spiel bestritten. Deswegen würde ich die Ehrung größtenteils in Max Meyers Richtung schieben. Ich habe zwar auch meinen Teil dazu beigetragen, bin nach meiner Verletzung noch länger beim Team geblieben. Trotzdem hatte ich nicht so viele Einsatzzeiten wie Max und konnte der Mannschaft nicht so viel mitgeben wie er. Ich freue mich aber natürlich dennoch sehr darüber. Das ist eine große Ehre, keine Frage.

Und nach dem Spiel gab es noch einmal schöne Augenblicke vor der Nordkurve …

Ich kann mir nicht viele Sachen vorstellen, die schöner sind als einem Freitagabend vor so einer Kulisse zu spielen. Das war brutal geil. Normalerweise sind alle nach so einer bitteren Niederlage sehr geknickt, und unsere Fans hauen dann noch mal den ‚Mythos‘ raus – Gänsehaut pur! Riesenkompliment an die Jungs auf den Rängen.

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