Martin Max: Schalke gewinnt, aber Philipp trifft!

Wenn der FC Schalke 04 gegen den FC Augsburg spielt, schlagen stets zwei Herzen in der Brust von Martin Max. Der Grund: Bei den Fuggerstädtern spielt mit Philipp der Sohn des Eurofighters. Im Interview mit schalke04.de spricht der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig über das Duell am Sonntag (24.5.) in der VELTINS-Arena. Weitere Themen des Gesprächs: der Jahrestag des UEFA-Cup-Triumphs, die Situation in der Knappenschmiede und seine aktuellen sportlichen Aktivitäten.

Martin Max

Martin, dein persönliches Saison-Highlight steht bevor. Oder anders formuliert: Max gegen Max. Bist du schon aufgeregt?
Ganz ehrlich, für mich sind die beiden Spiele gegen Augsburg stets die schlimmsten der gesamten Saison. Gerade in der aktuellen Situation benötigen beide Clubs dringend Punkte, deshalb müssen beide gewinnen. Schalke braucht die Zähler, um den Anschluss an die Europa-League-Ränge nicht zu verlieren. Und Augsburg, damit man ein Abrutschen auf einen der drei letzten Tabellenplätze vermeidet.

Normalerweise schaust du alle königsblauen Heimspiele live im Stadion. Das ist in den kommenden Wochen und Monaten aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Wo wirst du die Partie gegen Augsburg stattdessen verfolgen?
Zu Hause auf dem Sofa vor dem Fernseher. Das wird ein ungewohntes Gefühl. Und das nicht nur, weil ich bei Philipps Gastspiel in Gelsenkirchen nicht live dabei sein kann. Spiele ohne Zuschauer sind einfach etwas anderes. Die Atmosphäre fehlt. Aber aktuell geht es leider nicht anders.

Philipp Max

Hast du an den vergangenen Tagen mit Philipp über das Spiel gesprochen? Oder herrscht vor dem „Familienduell“ bewusst Funkstille?
Wir telefonieren regelmäßig, tauschen uns auch immer wieder per Video-Call aus. Das ist auch in dieser besonderen Woche nicht anders. Aber ein Treffen ist halt nicht möglich. Gerade die Augsburger Gastspiele auf Schalke haben immer eine schöne Gelegenheit geboten, sich zu sehen. In den vergangenen Jahren habe ich Philipp immer tags zuvor im Mannschaftshotel besucht. Das fällt dieses Mal aufgrund der Corona-Pandemie flach.

Du warst früher Stürmer, bist sogar zweimal Bundesliga-Torschützenkönig geworden. Dein Sohn läuft hingegen zumeist als Linksverteidiger auf. Trotzdem sind Philipp in der laufenden Saison schon sieben Treffer gelungen. Hat er die guten Gene seines Vaters geerbt?
Den Offensivdrang dürfte er tatsächlich von mir haben (lacht). Ansonsten gleichen sich unsere Positionen allerdings nicht wirklich. Es ist aber schön, dass Philipp Gefallen am Tore schießen bekommen hat. Seine Entwicklung geht stetig bergauf. Da bin ich als Vater schon stolz. Vielleicht klappt es in Zukunft ja, dass Philipp noch einmal das Trikot des FC Schalke 04 trägt. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Du hast in deiner aktiven Laufbahn über 450 Pflichtspiele bestritten. War eines davon ein Geisterspiel?
Nein, ich selbst habe so etwas noch nie miterlebt. Beim Derby war ich zuletzt Co-Kommentator bei Schalke TV. Gerade in den ersten Minuten war es schon eine große Umstellung, dass man anstatt der Fangesänge nahezu jedes Wort der Spieler und Trainer gehört hat.

Für mich sind die beiden Spiele gegen Augsburg stets die schlimmsten der gesamten Saison.

Martin Max

In die täglichen Abläufe auf Schalke bist du auch heute noch eingebunden. Unter anderem als Repräsentant, zudem Woche für Woche als Stürmertrainer in der Knappenschmiede. Wie nutzt ihr die freie Zeit im Nachwuchsbereich?
Mannschaftstraining ist aktuell leider nicht möglich. Die Jungs halten sich trotzdem individuell fit, genau wie ich können sie auch nicht ohne Fußball. Wir Trainer haben zuletzt viele Spiele der U-Teams analysiert, dabei habe ich mir speziell Laufwege und natürlich die Torabschlüsse angeschaut. Das alles ersetzt für mich aber nicht die Arbeit auf dem Platz. Wir alle sind uns aber bewusst, dass in der aktuellen Situation Abstand gehalten werden muss. Mal schauen, wann es weitergeht. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den Tag, wenn wir auf den Schalker Trainingsplätzen wieder gemeinsam trainieren können. Auch die regelmäßigen Einheiten mit unserer Walking-Football Gruppe für ältere Schalker fehlen mir.

Du bist auch selbst noch aktiv, läufst regelmäßig als Stürmer in der Traditionself auf und zeigst dabei, dass du deinen Torinstinkt nicht verloren hast. Wie hältst du dich derzeit fit?
Ich gehe regelmäßig joggen und fahre viel Fahrrad. Manch einer könnte denken, dass wir die Füße hochlegen, aber das Gegenteil ist der Fall. Jeder macht etwas für sich, damit wir im Saft bleiben.

Am heutigen Donnerstag jährt sich der UEFA-Cup-Triumph in Mailand zum 23. Mal. War die Aktivität in der „Eurofighter“-Whatsapp-Gruppe an den vergangenen Tagen größer als sonst?
Bei uns ist immer etwas los. Gerade, wenn jemand Geburtstag hat, vibriert das Smartphone nahezu minütlich. Auch sonst sind wir ständig in Kontakt. In der bundesligafreien Zeit liefen zuletzt viele Rückblicke im TV, auch über den UEFA-Cup-Sieg kam einiges. Dabei habe ich jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut bekommen. Klar, es ist jetzt 23 Jahre her – aber wir haben damals in Mailand Vereinsgeschichte geschrieben. Den Titel kann uns niemand mehr nehmen, wir sind bis an unser Lebensende die „Eurofighter“. Die Mannschaft war etwas ganz Besonderes, deshalb ist es schön, dass wir noch heute den Teamgeist leben.

Andreas Müller, Martin Max und David Wagner feiern den UEFA-Cup-Sieg

Zum 20-jährigen Jubiläum gab es 2017 ein Revival in der VELTINS-Arena. Ist für den 25. Jahrestag erneut etwas geplant?
Auf jeden Fall kein Spiel (schmunzelt). Wir werden ja schließlich alle nicht jünger. Aber es soll ein großes Treffen geben. Olaf Thon hat mit den Planungen bereits begonnen.

Kommen wir noch einmal zurück zum kommenden Bundesligaspiel der Profis. Wie lautet dein Tipp für das Duell gegen Augsburg?
Schalke gewinnt 2:1.

Und wer schießt das Tor der Gäste?
Philipp Max!

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