Matija Nastasic: Das verrückteste Spiel meiner Karriere

Wenn Matija Nastasic an das Derby aus der Vorsaison zurückdenkt, bekommt der 26-Jährige noch heute eine Gänsehaut. Im Interview mit schalke04.de erinnert sich der Verteidiger an das verrückte 4:4 aus der Vorsaison, zudem spricht er über seine Derby-Erfahrungen aus England und das heißeste Nachbarschaftsduell in seiner Heimat Serbien.

Matija, am Samstag seid ihr im 154. Pflichtspielderby bei den Schwarz-Gelben gefordert. Was bedeutet dir persönlich dieses Duell?
Als ich im Januar 2015 zum FC Schalke 04 gewechselt bin, ist mir sehr schnell bewusst geworden, welche Bedeutung das Derby hat. Es ist für die Fans, den Verein, uns Spieler und auch für die Stadt sicherlich eines der wichtigsten Spiele, wenn nicht sogar das wichtigste Spiel des Jahres. Ich kann es kaum erwarten, bis die Partie angepfiffen wird.

Verläuft die Vorbereitung auf ein Derby anders als bei „normalen“ Spielen?
Wir bereiten uns auf jedes Spiel sehr gewissenhaft vor, die Konzentration ist immer hoch. Bei einem Derby ist es aber noch einmal etwas anderes. Man spürt die gesamte Woche dieses ganz spezielle Kribbeln. Auch die Menschen in meinem Umfeld sprechen mich stets auf das Derby an. Egal, wo ich bin – jeder wünscht mir Glück für das Duell mit den Schwarz-Gelben.

Die Schwarz-Gelben spielen eine starke Saison …
… und das muss man neidlos anerkennen. Unser Gegner hat die Chance, in diesem Jahr Meister zu werden. Es ist ein enger Zweikampf mit Bayern München, der vermutlich bis zum letzten Spieltag spannend bleibt. Mal schauen, wer am Ende die Nase vorn haben wird.

Egal, wo ich bin - jeder wünscht mir Glück für das Duell mit den Schwarz-Gelben.

Matija Nastasic

Nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr seid ihr in dieser Saison bei der Vergabe der vorderen Tabellenplätze nicht dabei. Spielt das bei der gedanklichen Vorbereitung auf das Derby eine Rolle?
Nein! In einem Derby ist der Tabellenplatz nicht wichtig. Gerade in diesen ganz speziellen Duellen kann etwas passieren, mit dem niemand rechnet. Entscheidend ist die Einstellung, die Motivation, die Art und Weise, wie man als Mannschaft auftritt und zusammenhält. Wir sind vielleicht nicht der Favorit, trotzdem glaube ich an uns. Denn den Glauben darf man niemals verlieren. Das hat das Derby in der Vorsaison gezeigt.

Damals bist du beim Stand von 0:4 aus eurer Sicht zu Beginn des zweiten Durchgangs eingewechselt worden. Hast du daran geglaubt, dass ihr beim Schlusspfiff jubelt und der Gegner niederschlagen ist?
Beim Halbzeitpfiff musste ich erst einmal schlucken. Denn in den ersten 45 Minuten lief so ziemlich alles gegen uns. Vier Gegentore, einige davon sehr unglücklich in der Entstehung. Die Ausgangslage war also alles andere als gut. Aber in der Kabine haben wir uns noch einmal eingeschworen und uns vorgenommen, dass wir zumindest die zweite Hälfte gewinnen wollen. Dass wir am Ende tatsächlich noch einen Punkt mitnehmen, hatte ich zwar gehofft, aber es schien nach dem Spielverlauf alles andere als realistisch. Letztlich hat dieses Derby gezeigt, dass man selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation niemals den Glauben an sich verlieren darf. Für uns lief in den zweiten 45 Minuten alles überragend. Es war einfach unglaublich. Auch wenn es für das 4:4 nur einen Punkt gab, war es ein gefühlter Sieg!

Was ging dir durch den Kopf, als Naldo in der Nachspielzeit den Ausgleich geköpft hat?
Diesen Moment werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen! Meine Gedanken in Worte zu fassen, diese Gefühle zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Es war ein Tor des Willens. Spätestens nach dem Anschlusstreffer zum 3:4 wusste ich, dass wir noch diese eine Situation bekommen werden, dass wir uns belohnen werden. Als der Ball im Netz zappelte, war der Jubel riesengroß. Für mich war es die Krönung eines überragenden Nachmittags, weil ich in den Wochen zuvor verletzt gefehlt hatte. Nun war ich wieder da. Dieses Spiel hat mir für den weiteren Verlauf der Saison noch einmal zusätzliche Kraft gegeben.

Hast du in deiner bisherigen Laufbahn jemals ein verrückteres Spiel als dieses Derby erlebt?
Nein. Und ich glaube, dass diese 90+4 Minuten auch nicht mehr zu toppen sein werden. Ich kann mich auch an kein verrückteres Spiel erinnern, das ich als Zuschauer verfolgt habe. Diese Geschichte, diese Emotionen, das bleibt für immer. Das kann uns unser Leben lang niemand mehr nehmen.

Du hast auch in England positive Derby-Erfahrungen machen können. Mit Manchester City hast du dreimal gegen den Stadtrivalen Manchester United gespielt …
… und zwei dieser Duelle gewonnen! Ich war damals noch sehr jung und habe in einer mit vielen Superstars gespickten Mannschaft gespielt. Und der Gegner hatte ebenfalls viele große Spieler in seinen Reihen. Gerade in diesen Partien bin ich als Sportler besonders gereift.

An was erinnerst du dich besonders?
Zu Hause haben wir damals 4:1 gewonnen. Noch intensiver war aber der 2:1-Sieg im Old Trafford. Damit hatten wir unseren Fans ein riesengroßes Geschenk gemacht.

Diese Geschichte, diese Emotionen, das bleibt für immer.

Matija Nastasic

Was ist das bedeutendste Derby in deiner Heimat Serbien?
Das Duell zwischen Partizan Belgrad und Roter Stern Belgrad. Leider habe ich dieses Derby nie selbst spielen können, da ich bereits als 18-Jähriger zum AC Florenz gewechselt bin. Als Kind und Jugendlicher habe ich diese Partie aber stets mit großer Spannung verfolgt.

Welchem der beiden Clubs drückst du die Daumen?
Natürlich Partizan, da ich in den Jugendmannschaften das Trikot dieses Vereins getragen habe. In den Derbys in Belgrad geht es stets heiß her, beide Stadien sind stets ausverkauft. Wie in anderen Ländern auch ist das Duell der beiden Nachbarn tage-, wenn nicht sogar wochenlang das Thema Nummer eins bei den Menschen in der Stadt. In meinen Augen ist es eines der bedeutendsten Spiele der Welt.

Was ist deiner Meinung nach das größte Derby überhaupt?
Da kann und will ich mich nicht festlegen. Jedes Derby ist etwas ganz besonderes. In Deutschland ist Blau-Weiß gegen Schwarz-Gelb auf jeden Fall das größte Derby, weil die Städte nur wenige Kilometer auseinander liegen und die Menschen im Ruhrgebiet den Fußball leben wie kaum woanders. Deshalb stehen wir in der Pflicht, uns zu zerreißen und um jeden Zetimeter auf dem Platz zu fighten.

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