Michael Langer: Es reizt mich, am Limit zu kratzen

Sandhausen, Florida, Skandinavien ... Neuzugang Michael Langer hat in seiner Karriere viel erlebt. Auf schalke04.de spricht der neue Torhüter der Königsblauen über seine Rolle in der Mannschaft, neue Sichtweisen auf das Torwartspiel und seine Antipathie gegenüber Umzügen.

Michael Langer, du bist viel herumgekommen in deiner Karriere. Bei deiner letzten Station in Schweden warst du Stammkraft. Dennoch hast du dich für Schalke entschieden. Warum?
Ich wollte meinen Vertrag bei meinem alten Verein nicht nur um ein Jahr verlängern. In den vergangenen drei Jahren bin ich viel umgezogen. Das wollte ich nicht mehr. Ich hatte noch zwei, drei weitere Angebote. Aber die Gespräche mit unserem Torwarttrainer Simon Henzler waren sehr gut. Ich habe mich natürlich auch im Vorfeld informiert und nur Gutes gehört, vor allem über Domenico Tedesco. Das hat mich einfach gepackt. Ich will hier in der Gruppe Positives bewirken und dafür sorgen, dass der Club erfolgreich ist. Dafür packen wir alle mit an. Schalke ist ein Riesenclub. Wir haben sehr viele junge, talentierte Spieler auf einem klasse Niveau. Ich hoffe, dass wir in eine erfolgreiche Zeit starten können.

Deine Rolle ist klar definiert. Ralf Fährmann ist die Nummer 1. Die Chancen auf Einsatzzeiten sind sehr gering.
Ich hatte in Schweden eine Superzeit: Wir sind Dritter geworden, durften international spielen und sind ins Cup-Finale gekommen. Es war daher keine leichte Entscheidung. Die Gespräche mit Simon klangen aber sehr interessant. Schalke hat eine riesige Tradition. Ralf Fährmann ist einer der besten Torhüter in Deutschland, Alexander Nübel ist auch unglaublich talentiert. In diesem Gespann mitzuarbeiten, hat mich einfach gereizt. Es ist ein ganz anderes Niveau.

Du hast für zwei Jahre unterschrieben. Klingt jetzt auch nicht unbedingt langfristig, oder?
Zwei Jahre sind schon mal 100 Prozent mehr als ein Jahr (lacht). Es war mir wichtig, nicht jedes Jahr wieder umziehen zu müssen. Und jetzt bin ich hier bei einem der Top-Clubs aus Deutschland.

Christian Heidel hat gesagt, er hätte gerne einen erfahrenen Torwart, der bereit sei, wenn er gefordert ist. Wie beschreibst du deine Rolle in der Mannschaft?
Mir macht es Spaß, mit den Jungs zu arbeiten. Ich will positiv auf die Gruppe wirken. Ich weiß, dass ich Alex Nübel mit dem einen oder anderen Rat helfen kann, wobei er schon sehr weit ist. Ich bin aber auch selbst extrem ehrgeizig und will mich immer noch verbessern. In den ersten Tagen habe ich schon gesehen, dass ich mir viel von Ralle abschauen kann. Es sind zudem etliche Nationalspieler hier. Es reizt mich, am Limit zu kratzen. Wenn ich besser werde, dann profitieren Alex und Ralle auch davon. So kann eine positive Dynamik entstehen. Alles Weitere wird man sehen.

Hattest du Kontakt zu deinem Landsmann und Ex-Schalker Michael Gspurning?
Ja, wir haben in der vergangenen Woche telefoniert, weil ich einfach ein paar Fragen zu Schalke hatte. Er ist ein sehr, sehr netter Typ und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Einen entscheidenden Anteil am Wechsel hatte er aber nicht.

Was hat dich damals dazu bewogen, nach Skandinavien zu wechseln?
Ich hatte eine sehr schwierige Zeit in Sandhausen. Über Nacht kam ein Angebot: Kjetil Rekdal, ein ehemaliger Hertha-Spieler, suchte einen Torwart. Ich war offen für eine Veränderung und habe den Schritt nach Norwegen gewagt. Ich war vom Niveau positiv überrascht, auch von dem Drumherum. Ich habe neue Sichtweisen auf den Fußball, und gerade als Torhüter andere Philosophien kennengelernt.

Dann bist du nach aber Amerika ausgewandert …
Ich habe immer gesagt: ‚Ich möchte das gerne einmal sehen‘. Nach sechs Monaten habe ich jedoch gemerkt, dass das noch etwas früh für mich war. Man kann zwar die Liga gewinnen, aber man kann nicht auf- oder absteigen, da es drei parallele Ligen gibt. Wir haben nur einmal am Tag trainiert. Ich muss das Gefühl haben, dass ich etwas getan habe, sonst bin ich am Abend nicht zufrieden. Mittags am Pool liegen, das war nicht meins. Trotzdem bin ich dankbar, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Man lernt gewisse Dinge danach anders zu sehen, und Vieles wertzuschätzen.

Wie sieht deine jetzige Wohnsituation aus?
Ich bin gerade auf der Suche nach einem kleinen Häuschen in einer ruhigen Ecke. Die ersten Monate, bis man sich eingerichtet und seinen Tagesablauf hat, sind immer etwas turbulent. Aber das gehört einfach dazu. Wir als Familie werden das schon gut hinbekommen. Das haben wir ja schon öfters gemacht (lacht).

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