Nick Taitague: Der Verein hat mir gezeigt, dass er auf mich zählt

Mit der 29 auf dem Rücken wirbelt Nick Taitague seit Beginn der Vorbereitung im Mittelfeld der königsblauen Profis. Im Interview mit schalke04.de spricht der US-amerikanische Junioren-Nationalspieler unter anderem über seine ersten Jahre in Deutschland und den Sprung aus der Knappenschmiede in den Lizenzspielerkader. Zudem erklärt er, wie sein Nachname korrekt ausgesprochen wird.

Nick Taitague

Nick, du hast vor wenigen Wochen den Sprung aus der U23 in den Profikader geschafft. Viele Spieler kanntest du bereits, da du in der Vergangenheit schon häufiger oben trainieren durftest und auch in Testspielen zum Einsatz gekommen bist. Wie stolz bist du, dass du nun ein vollwertiger Bestandteil des Teams bist?
Es fühlt sich großartig an. Ich hatte keinerlei Eingewöhnungsprobleme und war sofort mittendrin. Bereits als Jugendspieler wurde ich super von den Jungs aufgenommen. Alle haben mir gezeigt, dass sie sich freuen, dass ich dabei bin. Trotz der harten Arbeit in der Vorbereitung genieße ich deshalb jeden Tag.

Über die Aussprache deines Nachnamens gibt es mehrere Meinungen. Was ist korrekt?
Taitague (gesprochen Tei-ta-gwi).

Du spielst bereits seit dreieinhalb Jahren auf Schalke. Kannst du dich noch an den Tag deiner Vertragsunterzeichnung erinnern?
Natürlich. Es war aus zwei Gründen ein ganz besonderer Tag, sogar einer der besten in meinem bisherigen Leben. Zum einen, weil es mein 18. Geburtstag war. Vor allem aber, weil für mich mit der Unterschrift auf Schalke ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist.

Ich hatte keinerlei Eingewöhnungsprobleme und war sofort mittendrin.

Nick Taitague

Hast du dir vorher mit deiner Familie das Vereinsgelände und die VELTINS-Arena angeschaut?
Etwa ein halbes Jahr zuvor hatte der Verein meine Eltern und mich eingeladen, damit wir den FC Schalke 04 hautnah erleben können. Stadion, Trainingsmöglichkeiten, Umfeld – das hat mich schon sehr beeindruckt. Zudem habe ich die U19-Spieler sowie den Trainer- und Betreuerstab kennengelernt. Sie alle haben mir ein gutes Gefühl vermittelt. Wenn du als junger Spieler zu einem neuen Club kommst, dazu noch fernab der Heimat, dann musst du dich wohlfühlen. Auf Schalke habe ich direkt gespürt, dass es passt.

In deinem Jahrgang zählst du zu den größten Talenten der USA. Gab es damals auch andere Optionen als Schalke?
An mir waren einige Vereine aus Europa interessiert. Ich möchte keine Namen nennen, aber es waren auch manche Clubs aus der Bundesliga dabei. Nach dem Besuch auf Schalke war es für mich aber eine einfache Entscheidung.

Nick Taitague

Wie sind die Königsblauen auf dich aufmerksam geworden?
Ich bin in mehreren Länderspielen mit der US-amerikanischen U17-Nationalmannschaft positiv aufgefallen. Kurz nach diesen Partien kam die erste Anfrage und eine Einladung nach Gelsenkirchen.

Mit Weston McKennie und Haji Wright haben seinerzeit schon zwei US-Amerikaner auf Schalke gespielt. Haben beide dir bei Eingewöhnung geholfen?
Auf jeden Fall. Gerade Weston ist sehr schnell zu einem sehr guten Freund geworden. Gemeinsam mit Haji hatte er einen großen Anteil daran, dass mir die Integration in der neuen Umgebung schnell gelungen ist. Auch der Verein stand mir stets zur Seite und hat mich unterstützt.

Hattest du zwischenzeitlich Heimweh?
Am Anfang war es schon hart. Und es gab Tage, da hat mir natürlich mein gewohntes Umfeld gefehlt. Aber das hat sich dann schnell gelegt.

Auf Schalke habe ich direkt gespürt, dass es passt.

Nick Taitague

Zuletzt ist mit Evan Rotundo ein weiterer US-Amerikaner in die Knappenschmiede gewechselt. Auch dein Landsmann Matthew Hoppe kam im Vorjahr. Warst du ihnen eine Hilfe in den ersten Wochen?
Ja, in diesem Fall war ich ja derjenige, der schon etwas länger in Deutschland gelebt hat. Gerade mit Matthew war ich in den vergangenen Monaten häufiger gemeinsam unterwegs, dazu haben wir viele Gespräche geführt. Wir alle unterstützen uns gegenseitig.

Phasenweise hattest du in der U19 und auch U23 mit Verletzungen zu kämpfen, die dich immer wieder zurückgeworfen haben. Gab es Momente, in denen du an dir gezweifelt hast?
Diese Tage gab es. Da habe ich mich dann gefragt, ob ich es wirklich packe, ganz oben anzugreifen. Aber ich bin ein positiv denkender Mensch und habe mir immer wieder gesagt, dass ich zurückkomme, dass ich das Zeug dafür habe, meinen großen Traum zu realisieren. Aufgeben war niemals eine Option.

Nick Taitague

Der Verein hat stets an dich geglaubt und deinen Vertrag im Februar verlängert. Wie gut tat es, dieses Vertrauen zu spüren?
Das war überragend. Die Verantwortlichen haben mir damit gezeigt, dass sie auf mich zählen und mich als Teil der Mannschaft sehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Dieses Vertrauen möchte ich zurückzahlen.

Du sprichst sehr gut deutsch. Wie hast du die Sprache gelernt?
Ich hatte in den ersten beiden Jahren Sprachunterricht. Der Verein hat mir und auch einigen anderen Spielern einen Lehrer zur Seite gestellt, der mit uns Deutsch gepaukt hat. Die Sprache hat sich dann mehr und mehr im täglichen Leben verfestigt. Gerade im Mannschaftssport ist es wichtig, dass man untereinander kommunizieren kann und es nicht kompliziert ist.

Aufgeben war niemals eine Option.

Nick Taitague

Du kannst in der Offensive mehrere Positionen bekleiden. Was ist deine favorisierte Rolle?
In den USA habe ich zumeist im offensiven Mittelfeld gespielt, in der U19 auf Schalke dann phasenweise auch auf den Flügeln. Bei den Profis war es zuletzt die Rolle auf der Acht. Ich mag alle Positionen und liebe es, in Eins-gegen-eins-Situationen zu gehen. Das ist eine meiner großen Stärken.

Hast du ein Vorbild?
Meine Eltern. Und das schon immer. Einen speziellen Fußballer habe ich nicht als Idol. Aber ich mag die Spielstile von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Das sind schon zwei unfassbar starke Spieler. Sie haben den Fußball in den vergangenen Jahren nachhaltig geprägt.

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