Omar Mascarell: Stolz auf die Mannschaft, stolz auf den Club

Nach seiner schweren Adduktorenverletzung kämpft sich Omar Mascarell Stück für Stück zurück. Der Kapitän des FC Schalke 04 setzte seine Reha zuletzt in seiner Heimat fort und befindet sich nun zurück in Deutschland. Im Interview mit schalke04.de spricht der Spanier über die Zeit daheim während des Corona-Virus, seine Deutsch-Kenntnisse und eine Entscheidung der Mannschaft, die ihn stolz macht.

Omar Mascarell

Omar, du warst bis vor wenigen Tagen auf Teneriffa, bist jetzt wieder in Deutschland. Geht es dir und deiner Familie gut?
Genau, ich war zwei Wochen lang auf Teneriffa, habe dort trainiert und mich von meiner Verletzung erholt. Die Zeit habe ich mit meiner Familie verbracht. In Spanien ist die Situation aufgrund des Corona-Virus sehr angespannt. Ich bin früher als geplant zurück nach Deutschland gereist, um hier an meiner Genesung zu arbeiten.

In Spanien gilt derzeit eine landesweite Ausgangssperre, um die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle zu bekommen. Wie hat sich dein Alltag in den vergangenen Tagen verändert?
Die Situation im Land ist sehr angespannt für alle. Ich habe den ganzen Tag mit meiner Mutter und meinem Bruder zu Hause verbracht, da wir in Spanien nur aus sehr guten Gründen, wie den Besuch des Supermarktes oder einer Apotheke, das Haus verlassen dürfen.

Du bist ein Mensch, für den Familie und Freunde von enormer Bedeutung sind: Wie schwer fällt es dir, dass du manche von ihnen derzeit nicht sehen kannst?
Meine Familie ist mir das Wichtigste im Leben. Viele von ihnen nicht sehen zu können, ist hart für mich.

Meine Familie ist mir das Wichtigste im Leben. Viele von ihnen nicht sehen zu können, ist hart für mich.

Omar Mascarell

Deine Mitspieler haben zuletzt zwei Wochen lang individuell trainiert. Gleiches galt für dich, allerdings hattest du aufgrund deiner Adduktorenverletzung ein anderes Programm. Wie ist der Heilungsverlauf?
Es geht mir von Tag zu Tag besser – das ist ein sehr gutes Zeichen. Das stimmt mich glücklich und optimistisch.

Wie hältst du den Kontakt zur medizinischen Abteilung des FC Schalke 04?
Ich war fast täglich mit unserer medizinischen Abteilung im Austausch. Sie hat mir einen Trainingsplan erstellt, an den ich mich mithilfe meines Reha-Trainers detailliert gehalten habe.

Das individuelle Training wird als Cyber-Training durchgeführt. Das heißt, alle Spieler können sich während der Einheiten im Home-Office sehen. Wie findest du das? Ist es wichtig, den Kontakt in der Mannschaft nicht nur über WhatsApp zu halten?
Meiner Ansicht nach war das eine sehr gute Entscheidung unseres Trainerteams. Wir müssen uns an die behördlichen Vorgaben halten, da die Situation eine gefährliche ist. Aber natürlich vermissen wir uns auch untereinander, deshalb ist es sehr gut, dass wir auf diese Art und Weise tagtäglich in Kontakt bleiben.

Deine Mitspieler und du haben beschlossen, in den kommenden Wochen auf einen Teil des Gehalts zu verzichten und damit den Verein und seine mehr als 600 Mitarbeiter zu unterstützen. Glaubst du, dass der gesamte Verein in dieser schweren Phase weiter zusammenwachsen wird?
Diese Aktion macht mich einmal mehr stolz, Teil dieses großartigen Teams und dieses einzigartigen Vereins zu sein. Jeder hier im Club hat die Situation schnell verstanden und war bereit zu helfen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass uns das alles noch enger zusammenschweißt – falls das überhaupt möglich ist – und wir stärker aus dieser Situation herauskommen werden.

Stolz, Teil dieses großartigen Teams und dieses einzigartigen Vereins zu sein.

Omar Mascarell

Musstest du als Kapitän Überzeugungsarbeit bei deinen Mitspielern wegen des Gehaltsverzichts leisten?
Nein, denn jeder Spieler hat verstanden, in welcher Situation wir uns alle befinden. Wir sind schnell auf eine gemeinsame Lösung gekommen. Ich bin sehr stolz auf die Jungs.

Du hast in den vergangenen Monaten deine Deutsch-Kenntnisse immer weiter verbessert und sogar schon Interviews auf Deutsch gegeben. Lernst du derzeit weiter fleißig die Sprache?
Ja, im vergangenen Jahr habe ich alles dafür gegeben, mein Deutsch so gut es geht zu verbessern. Ich habe Deutsch-Unterricht genommen und es sehr häufig gesprochen. Ich verstehe schon länger beinahe alles, aber es zu sprechen, ist dann doch etwas schwieriger. Während meiner Zeit in Frankfurt habe ich einen großen Fehler gemacht: dass ich kein Deutsch gelernt habe. Auf Schalke hat sich die Lage geändert, ich habe sehr viel gelernt und mein Ziel ist es, sehr gut Deutsch zu sprechen. Ich bin hier in Deutschland bei diesem großartigen Verein Schalke 04 – und das will ich auch noch die nächsten Jahre sein.

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