Ralf Fährmann: Leidenschaft und Zusammenhalt

Fünf Spiele hintereinander in der Bundesliga ohne Gegentor waren den Knappen bis zum 2:0-Erfolg am Samstag (31.3.) gegen den SC Freiburg noch nie zuvor gelungen. Im Interview mit schalke04.de spricht Ralf Fährmann über diese und eine weitere mögliche Bestmarke, die jeweils ein Verdienst des gesamten Teams seien. Zudem erklärt der Torhüter, dass es fahrlässig wäre, vor dem Duell mit dem Hamburger SV schon an das Derby zu denken.

Ralf, herzlichen Glückwunsch zu einem neuen Zu-Null-Rekord. War dir nach dem Schlusspfiff gegen Freiburg bewusst, dass du eine neue Bestmarke aufgestellt hast?
Ja, ich wusste Bescheid. Aber das ist ja nicht mein Rekord, das haben wir als Team gemeinsam erreicht. Die Defensivarbeit beginnt bei uns schon vorne. Wenn man beispielsweise sieht, wie sich Burgi den Allerwertesten aufreißt und sich für Abwehrarbeit nicht zu schade ist, unterstreicht das, dass die Zu-Null-Spiele zuletzt ein Verdienst der gesamten Mannschaft sind. Deshalb ist es mir schon fast ein bisschen unangenehm, dass nur darüber gesprochen wird, dass ich meinen Kasten sauber gehalten habe.

Wie lange kann die Zu-Null-Serie noch anhalten?
Da möchte ich keine Prognose abgeben. Denn häufig ist es doch so, dass dann genau das Gegenteil eintritt. Das habe ich schon mehrfach erlebt. Deshalb ist es am besten, gar nicht allzu viel darüber zu reden.

Die Defensivarbeit beginnt bei uns schon vorne.

Ralf Fährmann

Die gegentorlose Zeit ist nicht die einzige Bestmarke, die aktuell ist. Mit dem 2:0 gegen Freiburg habt ihr einen weiteren Rekord eingestellt. Sechs Bundesliga-Siege in Serie gab es bislang erst zweimal in der königsblauen Historie. Mit einem weiteren Dreier in Hamburg könntet ihr Vereinsgeschichte schreiben!
Wir versuchen einfach, aus jedem Spiel das Optimale herauszuholen. Das hat in den vergangenen Wochen sehr, sehr gut geklappt. Und so soll es weitergehen. Es ist jetzt aber nicht so, dass wir vor den Partien sagen, dass wir einen Rekord aufstellen oder eine Serie brechen wollen. Das Ziel lautet einfach, so viele Punkte wie möglich zu holen.

Kritiker sagen, dass euer Fußball nicht attraktiv sei. Was sagst du dazu?
Es kommt immer auf die Sichtweise an. Wir verteidigen sehr gut und holen aus unseren Mitteln alles heraus. Und zeichnen Leidenschaft und Zusammenhalt aus. Wir funktionieren als Team einfach sehr gut. Ich finde, wer auf Leidenschaft steht, wird als Zuschauer bei unseren Spielen belohnt.

Belohnt werdet auch ihr mit viel Unterstützung während und nach dem Spiel. Nach dem Schlusspfiff gegen Freiburg war Guido Burgstaller sogar in der Nordkurve. Er hat berichtet, dass er zunächst gar nicht wusste, was los sei und du ihm erklärt hast, was er machen soll. Stimmt das?
Burgi ist ein bescheidener Typ, ihm war das fast etwas unangenehm. Aber ich glaube, im Nachhinein hat er sich sehr über den Gang in die Kurve gefreut. Solche Momente in deiner Zeit als Fußballer wirst du dein Leben lang nicht vergessen.

Für uns ist das Derby momentan noch weit weg. Erst einmal zählt das Spiel gegen den HSV.

Ralf Fährmann

Nach dem Spiel war ebenfalls nicht zu überhören, dass die Fans bereits heiß auf das Derby sind. Geht es euch ähnlich?
Für uns ist das Derby momentan noch weit weg, auch wenn es eigentlich nur noch anderthalb Wochen sind. Wir müssen aber erst einmal in Hamburg bestehen. Dieser Aufgabe gehört unsere vollste Konzentration, denn wir wissen alle, dass es trotz des aktuellen Tabellenstandes sehr, sehr schwer wird. Daher wäre es für uns als Mannschaft fahrlässig, jetzt bereits an das Derby zu denken.

Wie bewertest du die vergangenen Auftritte des HSV?
Gerade unter dem neuen Trainer kann ich unseren Gegner noch nicht so richtig einschätzen. Christian Titz hat einige personelle Veränderungen vorgenommen, neue Impulse gesetzt. Wir lassen uns auf jeden Fall nicht von der Tabelle blenden und gehen die Partie genau wie die Spiele in den Wochen zuvor mit höchster Konzentration an.

Du hast in deiner Zeit in Frankfurt selbst einmal gegen den Abstieg gespielt. Kannst du dich in die aktuelle Lage der Hamburger hineinversetzen?
Auf jeden Fall. Wenn du unten drinstehst, lähmt dich das ein Stück weit. Andersrum ist es aber auch so, dass du über dich hinauswachsen kannst, wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst. Die Hamburger werden gegen uns alles versuchen, um das Ruder rumzureißen. Darauf sind wir aber eingestellt.

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