Sascha Riether: An jedem einzelnen Tag mit Schalke identifiziert

Beim 0:0 gegen den VfB Stuttgart war Sascha Riether der Mann des Tages. Der 36-Jährige spielte zwar nur kurz, wurde vor, während und nach dem Spiel aber minutenlang gefeiert. Auf schalke04.de spricht der Rechtsverteidiger über das Ende seiner Laufbahn, die Emotionen und Gefühle bei seiner Einwechslung, das Abschiedsgeschenk seiner Mitspieler und seine Pläne für die Zukunft.

Sascha, du hast gegen den VfB Stuttgart deine letzten Minuten als Profifußballer bestritten. Hast du bereits realisiert, dass dein 249. Bundesligaspiel gleichzeitig dein letztes war?
Dass ich meine Karriere beenden werde, stand ja schon ein bisschen länger fest. Trotzdem ist es immer noch ein komisches Gefühl, das 17 Jahre als Profi nun vorbei sind. So richtig realisieren werde ich es vermutlich erst, wenn ich nach der Sommerpause nicht mehr morgens ins Auto steige und zum Training fahre.

Huub Stevens hat im Vorfeld des Duells mit den Schwaben erklärt, dass er dich unbedingt noch einmal einsetzen möchte, damit du den Abschied bekommst, den du verdienst.
Dafür bin ich dem Trainer sehr dankbar. Diesen Tag werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Es waren zwar nur ein paar Minuten, trotzdem haben sie sich großartig angefühlt. Der Schiedsrichter hat leider sehr zügig abgepfiffen. Aber immerhin hatte ich noch einen Ballkontakt (schmunzelt).

Hat der Trainer dir bei der Einwechslung noch taktische Anweisungen mit auf den Weg gegeben?
Die Null sollte stehen (lacht).

Diesen Tag werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.

Sascha Riether

Bereits vor dem Anpfiff, als du auf dem Rasen offiziell verabschiedet wurdest, warst du sehr berührt. Und bei deiner Einwechslung wirkten deine Augen etwas feucht.
Es ist klar, dass viele Emotionen in mir hochgekommen sind. Ein ganz besonderer Moment war sicherlich, als die Fans mich gefordert haben und nahezu das gesamte Stadion meinen Namen skandiert hat.

Als du in der 89. Minute den Platz betreten hast, haben nicht nur die Fans, sondern auch deine Mitspieler sowie der gesamte Trainer- und Betreuerstab applaudiert.
Da habe ich eine Gänsehaut bekommen. Selbst die Stuttgarter Spieler haben geklatscht.

Nach dem Abpfiff hat die Nordkurve dich abermals gefeiert, zudem haben dir einige Fans ein Nordkurven-Shirt übergeben. Hast du eine Erklärung dafür, weshalb du bei den Anhängern so beliebt bist?
Ich glaube, die Fans erkennen einfach an, dass ich an jedem einzelnen Tag alles für den Verein gegeben und mich voll und ganz mit Schalke identifiziert habe und dies auch weiterhin tun werde. Im Gegenzug für das Nordkurven-Shirt habe ich den Fans übrigens mein Trikot geschenkt, das ich gegen Stuttgart getragen habe. Was künftig damit geschehen wird, weiß ich nicht. Ich bin gespannt.

Haben dir nach dem Spiel auch ehemalige Weggefährten geschrieben oder dich angerufen?
Ja, da gab es einige. Das ist eine ganz besondere Anerkennung. Vor allem von den Wolfsburger Jungs gab es viele Nachrichten, da am Samstag dort das zehnjährige Meisterjubiläum gefeiert wurde.

Gab es eine Nachricht, über die du dich ganz besonders gefreut hast?
Ich möchte eigentlich niemanden herausstellen. Aber richtig gefreut habe ich mich über eine Whatsapp von Domenico Tedesco, der mir für die Zukunft alles Gute gewünscht hat.

Domenico Tedesco hat mir geschrieben und mir für die Zukunft alles Gute gewünscht.

Sascha Riether

Hast du im Mannschaftskreis bereits deinen Ausstand gegeben?
Na klar, das gehört doch dazu. Vor einigen Tagen habe ich nach dem Training den Grill angeschmissen. Es war ein Nachmittag in gemütlicher Runde, bei dem die eine oder andere Rede gehalten wurde. Zudem habe ich noch ein ganz besonderes Geschenk von den Jungs bekommen.

Verrätst du uns, was deine Mitspieler sich für dich ausgedacht haben?
Sie haben mir einen 22 Jahre alten Flipper im „Jurassic Park“-Design geschenkt. Angeblich, weil ich noch aussehe wie 22. Aber ob das stimmt, weiß ich nicht (lacht). Auf dem Flipper haben alle Jungs unterschrieben. Dieses schöne Erinnerungsstück passt perfekt in meine Kellerbar. Dort habe ich auch schone eine Dartscheibe hängen, an der wir schon einige Schlachten geschlagen haben.

Du hast gesagt, dass du erst einmal in den Urlaub fliegen wirst. Worauf freust du dich am meisten?
Dass ich nun nicht mehr wie in den Vorjahren täglich joggen muss (lacht). Stattdessen kann ich mir auch mal eine Pizza oder einen Döner gönnen, ohne dabei die Gewichtskontrolle beim Trainingsauftakt im Hinterkopf zu haben. Wenn die Jungs sich wieder in Gelsenkirchen treffen und die Vorbereitung aufnehmen, werde ich vermutlich irgendwo in der Hängematte liegen (schmunzelt).

Wie lauten deine Pläne für die Zeit nach dem Urlaub?
Ich werde zeitnah meine Trainerscheine machen. Und vielleicht gucke ich mir auch Weiterbildungen in Richtung Management an. Mal schauen, wie es weitergeht. Dem Fußball möchte ich auf jeden Fall erhalten bleiben.

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