Sascha Riether: Habe den Jungs eine Runde Bier ausgegeben

Den 2:0-Sieg in Leverkusen hat Sascha Riether aus einer für einen Profi ungewohnten Perspektive verfolgt: der Rechtsverteidiger stand im Gästeblock und feuerte gemeinsam mit den Fans seine Mitspieler an. Im Interview mit schalke04.de spricht der 34-Jährige über den Nachmittag in der BayArena, seine Rolle im Team und seinen Plan, in der Zukunft an der Seitenlinie zu stehen.

Sascha, wie waren die 90 Minuten in Leverkusen für dich?
Überragend. Ich hatte meinen Platz direkt in der ersten Reihe und war nur einige Meter vom Spielfeld entfernt. Die Stimmung war fantastisch. Nicht zuletzt, weil wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Bei der lautstarken Unterstützung unserer Fans hatte ich teilweise echt eine Gänsehaut. Während des Spiels habe ich den Jungs auf dem Zaun deshalb auch eine Runde Bier ausgegeben. Darüber haben sie sich riesig gefreut und danach noch lauter gesungen (lacht).

In diesem Moment betritt Breel Embolo den Raum. Der Stürmer fragt höflich, ob er sich setzen und zuhören dürfe. Das ist natürlich kein Problem.

Bist du bei den Fangesängen textsicher?
Viele Lieder kennt man natürlich, da man sie als Spieler auf dem Rasen immer wieder wahrnimmt. Aber im Block ist das noch einmal etwas anderes, da hört man dann noch genauer hin. Das ist phasenweise schon interessant (schmunzelt).

Hast du zuvor in deiner Karriere schon einmal im Block gestanden?
Vor einigen Monaten war ich in Dortmund auch auf der Tribüne. Das hat gerade in der zweiten Halbzeit, als wir das 0:4 aufgeholt haben, richtig Spaß gemacht.

Kannst du dich noch an dein allererstes Spiel als kleiner Junge im Stadion erinnern?
Es war auf jeden Fall ein Heimspiel des SC Freiburg, da ich dort groß geworden bin. Wer der Gegner war, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Auf dem Platz standen damals Spieler wie Harry Decheiver, Alain Sutter, Uwe Wassmer oder Altin Rraklli.

Breel Embolo hört gespannt zu. Der Angreifer, der fast 14 Jahre jünger ist als Sascha Riether, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren.

Der Fußball hat dich auch heute noch nicht losgelassen. Nachdem du deine Karriere im vergangenen Sommer eigentlich beendet hattest, zählst du seit Oktober wieder offiziell zum Kader. Zuvor warst du bereits Trainingsgast. Hat es noch zu sehr in den Füßen gekribbelt?
Schalke ist ein ganz besonderer Verein. Und sage ich jetzt nicht, weil es sich gut anhört. Ich meine das auch so. Die zwei Spielzeiten von 2015 bis 2017 hier waren super, deshalb ist es mir eine Ehre, dass ich noch einmal die Möglichkeit bekommen habe, meine Laufbahn zu verlängern. Ich fahre jeden Tag voller Vorfreude zum Training und gebe alles. In diesem Team macht es einfach Spaß.

Es ist eine Ehre für mich, ein Teil des FC Schalke 04 zu sein.

Sascha Riether

Wie ist dein Verhältnis zu Domenico Tedesco? Fragt er dich manchmal nach deiner Meinung?
Wir tauschen uns häufiger aus. Denn der Trainer weiß ja auch, dass ich in meiner bisherigen Karriere schon viel erlebt habe. Trotzdem lerne ich bei Domenico Tedesco jeden Tag noch etwas dazu. Jedes Training, jede Besprechung und jede Analyse sind etwas Besonderes.

In deiner Vita stehen 248 Bundesligaspiele. Du bist Deutscher Meister geworden, hast Länderspiele absolviert und in der englischen Premier League gespielt. Sprich: mehr Erfahrung geht fast nicht. Kommen junge Spieler manchmal auf dich zu und fragen nach Tipps?
Das kommt natürlich vor, oder Breel? Der Schweizer nickt. Ich glaube, dass viele junge Spieler froh sind, wenn der eine oder andere Ältere im Kader dazwischen ist. Gerade die Jungs, die vielleicht gerade nicht so häufig zum Einsatz kommen, holen sich Ratschläge. Da gilt es, die Mannschaft zusammenzuhalten. Ich glaube, dass ich in diesem Punkt für das Team sehr wertvoll bin.

Auf dem Trainingsplatz bist du ebenfalls mit viel Eifer bei der Sache. Ein Einsatz steht in dieser Saison aber noch nicht in der Statistik. Werden wir dich in den kommenden Wochen noch einmal in der Bundesliga oder im DFB-Pokal auf dem Rasen sehen?
Es wäre natürlich großartig, wenn ich noch die Marke von 250 Bundesligaspielen knacken könnte. Aber ich weiß auch, dass Fußball kein Wunschkonzert ist. Ich gebe in jedem Training mein Bestes. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Letztlich freue ich mich aber auch über erfolgreiche Spiele, wenn ich nicht zum Einsatz komme. Denn ich bin ja trotzdem ein Teil unseres Teams.

Wie geht es im Sommer mit dir weiter? Hast du schon Pläne für die Karriere nach der Karriere?
Ich möchte dem Fußball verbunden bleiben und plane, meine Trainerscheine zu machen. Wer weiß, vielleicht kann ich dann ja auch irgendwann Breel Embolo trainieren (lacht).

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