Sascha Riether: Niemand drängt sich in den Vordergrund

Hinter Sascha Riether liegen spannende zwölf Monate. schalke04.de hat den Ex-Profi und neuen Koordinator der Lizenzspielerabteilung zum großen Jahresabschluss-Interview getroffen. Im ersten Teil spricht der 36-Jährige unter anderem über einen wegweisenden Anruf im Sommer und die angenehme Zusammenarbeit im Trainer- und Funktionsteam.

Sascha Riether

Sascha, was hättest du vor einem Jahr gesagt, wenn ich dir prophezeit hätte, dass wir Ende 2019 ein Interview mit dir als Koordinator der Lizenzspielerabteilung führen?
Dann hätte ich vermutlich verwundert geguckt oder gelacht, zumal es diese Position im Team rund um das Team vor einem Jahr auch noch gar nicht gegeben hat. In der Rückschau ist es für mich sehr gut gelaufen. Andersherum glaube ich aber auch, dass der Verein von meiner Arbeit profitiert.

Im Juni ging alles ganz schnell. Gerade noch als Spieler verabschiedet, Urlaub – und dann ruft Jochen Schneider an. Hast du damals Bedenkzeit benötigt?
Nein. Es ging tatsächlich ganz schnell. Jochen hat mich gefragt. Und noch bevor er seinen Satz vollendet hatte, habe ich gesagt, dass ich es machen möchte.

Was hat deine Frau gesagt? War sie vielleicht sogar froh, dass du dem Fußball weiter verbunden bleibst?
Der ursprüngliche Plan nach dem Ende meiner aktiven Laufbahn lautete eigentlich, gemeinsam ein bisschen zu reisen. Und ich weiß, dass meine Frau das auch gerne gemacht hätte. Aber als Jochen anrief, war sie sofort auf meiner Seite, da ihr der Verein ebenso wie mir in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen ist. Sie unterstützt mich bei meiner neuen Aufgabe nach vollen Kräften und freut sich, dass Schalke weiterhin eine große Rolle in unserem Leben spielt.

Noch bevor Jochen seinen Satz vollendet hatte, habe ich gesagt, dass ich es machen möchte.

Sascha Riether

Deine ehemaligen Mitspieler haben dir im Mai zum Abschied einen Flipperautomat geschenkt. Hast du überhaupt Zeit, um mal ein Stündchen zu zocken?
Wir haben ihn direkt nach dem Saisonende eingeweiht. Es war damals ein Geschenk der Mannschaft, über das ich mich sehr gefreut habe. Wenn es die Zeit zulässt, zocken meine Frau und ich eine Runde im Keller. Dabei liefern wir uns immer wieder heiße Duelle.

Ist es ein komisches Gefühl, seit dem 1. Juli morgens nicht mehr in die Kabine, sondern in ein Büro zu gehen?
Ich laufe hin und wieder ganz bewusst durch die Kabine und bleibe dann immer an meinem alten Platz stehen. Den hat Fabian Reese übernommen – ebenso meine Rückennummer 21. Ich sage dann immer scherzhaft zu ihm, dass er eine ganz besondere Verantwortung auf diesem Platz hat (schmunzelt). Aber Spaß beiseite, natürlich ist es etwas anderes, wenn man nicht mehr auf dem Platz steht. Die neue Aufgabe macht mir aber riesengroßen Spaß. Ich fahre jeden Morgen gutgelaunt und hochmotiviert zum Vereinsgelände.

Hat sich der Umgang mit den ehemaligen Mannschaftskameraden verändert?
Nicht wirklich. Denn ich war ja auch als aktiver Spieler schon immer ein Typ, der ein offenes Ohr für die Jungs hatte. Gerade die jüngeren Spieler konnten immer auf mich zukommen, wenn ihnen etwas auf dem Herzen lag oder sie einen Ratschlag benötigt haben. Natürlich bekleide ich jetzt eine andere Position. Aber die Jungs wissen, dass sie mir vertrauen können.

Die Chemie zwischen uns allen hat sofort gestimmt.

Sascha Riether

Gesiezt wirst du also auch nicht?
Nein (lacht laut). Und gefordert habe ich es auch nicht. Ich bin weiterhin für alle der Sascha. Das war ich schon immer. Ich erinnere mich dabei noch ganz genau an meinen ersten Schalke-Tag im Sommer 2015. Da hatte ich bei der Saisoneröffnung einen Fan beim Duell am Kickertisch gesiezt. Da meinte er zu mir „Hömma, Junge, wir sind hier auf Schalke. Dat heißt ‚Du!‘. Das finde ich sehr gut.

Jochen Schneider hat dich unlängst als einen seiner besten „Transfers“ in seiner Laufbahn bezeichnet. Was denkst du, wenn du solch ein Lob hörst?
Das hat er mir noch nicht gesagt (lacht). Es ist schön, wenn man so etwas hört. Ich glaube, jeder Mensch mag es, wenn er Lob bekommt. Das ist ganz normal. Die Komplimente gebe ich aber gerne zurück. Jochen hat es geschafft, ein Trainer- und Funktionsteam zu installieren, das absolut zu Schalke passt.

David Wagner, Jochen Schneider und auch der Rest des Trainer- und Funktionsteams kannten sich vorher nicht. Wenn man euch beobachtet, wirkt es allerdings so, als ob ihr schon seit vielen Jahren gute Freunde seid. Weshalb harmoniert ihr so gut?
Die Chemie zwischen uns allen hat sofort gestimmt. Wir waren vor wenigen Tagen gemeinsam essen und haben tatsächlich auch darüber gesprochen. In manchen Vereinen ist es so, dass der eine oder andere mit seinen Kollegen nicht gut kann. Bei uns ist das anders. Die Atmosphäre untereinander ist sehr angenehm. Das liegt nicht zuletzt daran, dass jeder Einzelne ein Teamplayer ist und sich als Teil der Gruppe sieht. Niemand drängt sich in den Vordergrund.

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