Benjamin Stambouli: Das war ein magischer Moment!

Nach fast elf Monaten ohne Einsatz in der Bundesliga könnte Benjamin Stambouli am Freitag (18.9.) sein Pflichtspiel-Comeback feiern. Im Interview mit schalke04.de spricht der Franzose über ein ungewöhnliches Pokal-Wochenende, den Saisonstart in München und einen Fangesang, der ihm fehlt.

Benjamin Stambouli

Benji, eigentlich hättet ihr am vergangenen Sonntag euer DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 bestreiten sollen. Doch die Partie wurde aufgrund des Einspruchs von Türkgücü München keine 48 Stunden vor dem Anpfiff vorerst abgesetzt. Wie habt ihr von der Entscheidung erfahren?
Während der Einheit am Freitagnachmittag hat der Coach eine Info bekommen, dass wir möglicherweise nicht spielen werden. Also hat er uns auf dem Platz zusammengeholt und über die Situation informiert. Zu dem Zeitpunkt stand aber noch alles auf der Kippe. Später haben wir dann von der endgültigen Absetzung erfahren.

Was war deine erste Reaktion?
Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich ein bisschen traurig war. Denn ich hatte mich sehr auf das Spiel gefreut, da es nach fast elfmonatiger Pause für mich eine ganz besondere Begegnung gewesen wäre. Aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren und werden hoffentlich bald erfahren, wer unser Gegner im DFB-Pokal sein wird. Und wann das Spiel ausgetragen werden kann.

Statt des Pokalspiels habt ihr einen internen Test in der VELTINS-Arena bestritten. Um das Positive aus der Absetzung zu ziehen: War dieses Spiel untereinander noch einmal gut, damit alle Akteure des Kaders Minuten unter Wettkampfbedingungen in die Beine bekommen?
Ein Pokalspiel wäre mir auf jeden Fall lieber gewesen. Aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Das Trainingsspiel war eine gute Alternative, damit wir alle noch einmal Spielpraxis sammeln konnten. Ein ‚Elf gegen elf‘ ist dafür am besten geeignet.

Es wird mir eine Ehre sein, endlich wieder das Schalke-Trikot in einem Bundesligaspiel zu tragen.

Benjamin Stambouli

Du hast es gerade bereits angesprochen: Dein letztes Pflichtspiel liegt fast elf Monate zurück. Fieberst du dem Bundesligastart daher noch mehr entgegen als in den Jahren zuvor?
Ich freue mich auf jedes Spiel. Aber dieses Mal ist etwas Besonderes für mich und die Vorfreude umso größer. Es wird mir eine Ehre sein, endlich wieder das Schalke-Trikot in einem Bundesligaspiel zu tragen. Es ist hart, wenn du verletzt bist und der Mannschaft auf dem Platz nicht helfen kannst. Ich bin froh, dass die Leidenszeit endlich vorbei ist.

Bereitet dir deine Fußverletzung phasenweise in Zweikämpfen oder vielleicht auch im Kopf noch Probleme?
Nein, kein Stück! Ich fühle mich gut, habe Vertrauen in meinen Körper und dazu das Gefühl, dass ich nach der intensiven Vorbereitung physisch und psychisch topfit bin. Die Verletzung ist abgehakt und spielt für mich keine Rolle mehr.

Zum Auftakt der Bundesliga wartet auf euch die größtmögliche Aufgabe im deutschen Fußball: Bayern München. Was war deine erste Reaktion, als der Spielplan veröffentlicht worden ist?
Wir können keinen Einfluss darauf nehmen, also habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Klar, der FC Bayern ist in Deutschland das Maß aller Dinge, eine richtig starke Mannschaft. Trotzdem werden wir unser Bestes geben und selbstbewusst auftreten!

Benjamin Stambouli

Die Münchner haben vor wenigen Wochen die Champions League gewonnen. Wo hast du die Partie gegen deinen Ex-Club Paris Saint-Germain verfolgt?
Das Endspiel fand während unseres Trainingslagers in Längenfeld statt. Wir sind daher nach dem Essen im Speisesaal geblieben und haben die Begegnung gemeinsam auf einer großen Leinwand angeschaut. Es war ein interessantes Spiel, das bis zur letzten Minute spannend war.

Zum Kader des FC Bayern zählen mit Kingsley Coman, Corentin Tolisso, Benjamin Pavard, Lucas Hernandez, Mickael Cuisance und Neuzugang Tanguy Nianzou gleich sechs Franzosen. Kennst du einen von ihn persönlich?
Unsere Wege haben sich schon häufiger gekreuzt, aber wirklich Kontakt habe ich nur zu Benjamin Pavard. Vor zwei Jahren, als wir in Stuttgart gespielt haben und er noch das VfB-Trikot getragen hat, haben wir uns nach dem Abpfiff länger unterhalten und direkt gut verstanden. Er ist ein guter Typ, ein top Spieler.

Das Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft ist auf Schalke etwas ganz Besonderes. Leidenschaft pur!

Benjamin Stambouli

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde nach dem Restart in leeren Stadien gespielt. Künftig dürfen zumindest wieder mehrere tausend Anhänger live dabei sein.
Das wird uns als Mannschaft auf jeden Fall guttun. Wir alle vermissen die Fans und ich glaube, dass sie uns helfen werden, wieder in die Erfolgsspur zu finden. Das Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft ist auf Schalke etwas ganz Besonderes. Leidenschaft pur! Das gibt es nur ganz, ganz selten im Fußball.

Welcher Fangesang fehlt dir am meisten?
Die Antwort ist doch klar, oder? ‚Asoziale Schalker‘ natürlich (lacht). Mein absolutes Lieblingslied, das ich selbst gerne singe und derzeit sehr im Stadion vermisse.

Könntest du dir vorstellen, beim ersten Spiel in einer wieder ausverkauften VELTINS-Arena, bestenfalls nach einem Sieg, nach dem Abpfiff den Dirigenten vor der Nordkurve zu geben und ‚Asoziale Schalker‘ anzustimmen?
Das kann ich spontan nicht beantworten, weil man so etwas nicht planen kann. Alles, was nach einem Spiel passiert, geschieht aus der puren Emotion heraus. Diese Momente nach einem Spiel, wenn du gewinnst, sind einfach unbeschreiblich. Ich bekomme gerade eine richtige Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich wiederhole mich: Aber unsere Fans sind wirklich etwas ganz Besonderes. Sie stehen in guten und schlechten Zeiten zu uns, ihnen ist kein Weg zu weit. Gerade kommen mir dazu die Bilder aus der Vorsaison in Leipzig in den Kopf. Nach unserem Sieg standen wir vor der Kurve, haben uns in den Armen gelegen und gemeinsam mit den Fans ‚Asoziale Schalker‘ gesungen. Das war ein magischer Moment!

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