Udo Lindenberg „Königsblau zu sein ist geil“

Das Panikraumschiff mit dem Udonauten am Steuerknüppel ist auf Schalke gelandet. Udo Lindenberg rockt auch mit 70 Jahren auf dem Buckel die Hallen der Republik. „Keine Panik“, das haben in der VELTINS-Arena schon Abertausende Königsblaue beim Fußball gedacht, gebangt, gebetet. „Keine Panik“ hat Lindenberg seine Tournee überschrieben, die am Freitag (20.5.) in Gelsenkirchen startet. Schalke04.de fläzte sich zum Quätschchen auf sein Sofa.

Das kennen wir sonst nicht. Einlass zur Mixed Zone und Spielerkabine nur auf Zuruf. Ist doch unser Arbeitsplatz. Nicht zurzeit. Aktuell logiert hier der Dirigent des Panikorchesters, hat sich ordnungsgemäß eingemietet. 70 Jahre auf dem Erdenrund hat er gerade gefeiert. Unglaubliche 70 Jahre, muss man angesichts seines eierlikörigen Lebenswandels sagen. „Udo Lindenberg“ steht drauf und ist drin, wo sich sonst Benedikt Höwedes, Ralf Fährmann und Leroy Sane umziehen und aufs Spiel vorbereiten. Jetzt macht sich hier der Mittelstürmer mit dem Mikro warm für die Generalprobe. Klopfen. Gucken, was er gerade macht. Eintreten. Die erste Erkenntnis: Es gibt ihn wirklich. Udo. Der Hut, die Brille, das Nuscheln. Alles da, ganz real. Die zweite: kleiner als wir gedacht haben. Ändert aber nichts daran, dass er der größte Republik-Rocker bleibt. Und höflich ist er, fragt nach dem Namen, duzt, begrüßt. Freut sich über die Geschenke: ein S04-Trikot mit seinem Namenszug, ein 1904-Euro-Scheck von Arena-Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz für seine Stiftung. „Ach, du bist hier der Controlletti? Ja, komm. Wir machen ‘n Foto.“

Lust auf ein Schwätzchen, Udo? „Klar, hocken wir uns hin, ne?!“ Klar, hier. In der Schalker Spielerkabine. Lindenberg’sche Barfüße tippeln voran, über Flokati, wir landen neben den Sesseln auf dem Sofa, mit Udo. Anbei noch ein Geschenk: Königsblau, vier Kilo Schalke zwischen zwei Buchdeckeln. Um uns dunkle Vorhänge und Schwaden seiner XXL-Cohiba, Gemälde an den Wänden, über allem ein Peace-Zeichen aus Blumen. Udos Wohnzimmer. Zehn Minuten Zeit, Anpfiff, die Uhr läuft, der Ball rollt …

Happy Birthday nachträglich, Mister Panik-Präsident! Was steckt nach den unzähligen Glückwünschen in deinem Gefühlscocktail?

Berührend und wunderschön, diese liebevolle Zugewandtheit. Ja, und jetzt starten wir mit der Tournee hier auf Schalke durch, mitten im Pott, wo ich herkomme. Wenn man Gronau noch dazuzählen darf. Ich bin im Ruhrgebiet weit rumgekommen und hab viele Freunde hier, in Duisburg, Bochum und so. Ich mag die Menschen, ihre charmante, direkte Art. Die Nachtigall und die Brieftaube, die passen ganz gut zusammen.

Hat die Geburtstagsparty in der Arena gerockt?

Die war absolut berüüührend. Die Panikfamilie hat eine Inszenierung für mich gemacht. Das war unglaublich. Das ganze Team, 300 Leute, hat für mich gesungen. Mit einem einschwebenden Engel in Menschengestalt. Kann ich euch zeigen (wischt über sein Smartphone, tippelt nun mit den Lindenberg-Fingern übers Display), ist auf Facebook … Sehr, sehr schön. Happy Birthday, Mister President! Einer der Höhepunkte.

Aber der Party-Marathon fängt mit der „Keine Panik“-Tournee wahrscheinlich jetzt erst richtig an. Welche Ecken des Udoversums können die Fans erforschen?

Wir Rock’n’Roll-Experten haben schon vorher in Timmendorf und auf dem Rockliner geprobt, einem Kreuzfahrtschiff, und jetzt kommt die ganz große Show. Mit den Fluggeräten und Luftakrobatik, ich bin ja auch als Flugente hier. Die absolute Meisterleistung dieser Show ist das Zusammenwirken von 300 Experten auf einer Bühne. Mit den Lichtern, den Bildern, den Filmen. Dieses gigantische Panikorchester, Panikchor, die Pustefix-Bläser, Dancerinnen und Dancer. Tja, und ich mach da den Sänger. Nebenbei und ganz unauffällig. Gut getarnt mit ‘nem Hut und grünen Socken. Wir beschließen die Jahres-Trilogie in 14 Städten, und danach müssen wir mal gucken. Man ist ja Abenteurer, und dann steuer ich wieder mit dem Panikdampfer durch die Nebelbänke. Die Richtung ist nicht festgelegt, da nimmt’s der Abenteurer nicht so genau.

Der Greis ist heiß … auch auf Fußball?

Ja, klar! Find ich sehr interessant. Gucke ich öfter mal. Ich bin aber nicht so ein Fußballexperte wie mein Freund und Tourneesekretär Arno Köster. Der guckt andauernd, kennt jeden Spielzug. Weiß genau, wann was war, wie das war, warum das war. Durch ihn werde ich am Rand immer mitinformiert.

Was fasziniert dich am Fußball?

Die Technik find ich toll. Ganz entspannt sein und Freude an Technik und Taktik haben. Ein Fußballspiel ist wie eine Komposition, ein gut gemachtes Lied mit Vorspiel, Zwischenstück und Grande Finale. Fußball ist eine kunstvolle Gestaltung.

Was turnt dich ab? Gröhlende, kopflose, vollgedröhnte Hooligans, die Scheiße bauen. Mit Nationalisten-Sprüchen. Überhaupt, so einen überzogenen Patriotismus mag ich nicht.

Hat Udo Fußball gepöhlt, als er noch ein Knäblein war?

Ein bisschen. In Gronau, bei der SG, Sportgemeinschaft Gronau. Ich war Libero, freiheitsliebend, überall und flexibel einsetzbar.

War Fußball in der Künstler-WG mit Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen ein Thema?

Auch ein bisschen. In Hamburg bin ich ja gewissermaßen Lokalpatriot. Den HSV mag ich, ich kenne den Stadionsprecher und Sänger Lotto King Karl ganz gut. Das verbindet. Und ich kenne Corny Littmann, den ehemaligen St. Pauli-Präsidenten. Zu Pauli spüre ich eine besondere Nähe, weil die auch für politische Inhalte stehen, sich für Bürgerinitiativen engagieren und gegen Nazis.

Was fällt dir spontan zu Schalke 04 ein?

Fantastische Mannschaft, die weit oben steht in der Liga. Mal wunderbar, mal abwärts – das ist ja auch ganz normal. Was ich so mitkriege, ist es auf Schalke immer spannend. Und natürlich denke ich an die Revierderbys gegen Borussia Dortmund. Ich kenne ja auch einige von denen, darf ich aber hier gar nicht erwähnen, ne? Ruhrgebietsfußball ist ne geile Sache. Wie die Menschen hier: charmant und direkt. Und am besten direkt ins Tor.

Als was ist Königsblau schöner: als Farbe oder als Zustand?

(das leise trällernde Udo-Lachen) Königsblau zu sein, so nach gezielter Ballerei, ist geil. Kann ich aber in meinem Job nicht mehr ständig machen. Ist klar. Ich will doch fit sein auf der Bühne. Aber bei der Farbe denke ich auch an das schöne, monochrome Gemälde von Yves Klein bei euch im Musiktheater. An das besondere Blau, das Ultramarin. Und Blau, das passt doch auch gut zu meinen grünen Paniksocken. Die stehen für Glück und die grüne Bewegung.

Okay, zum Schluss noch ein paar verbale Elfmeter. Wir legen den Ball auf den Punkt, du machst ihn rein. Wenn Udo ein Fußballstadion wäre, wäre er …

… das Stadion der Vereinten Nationen.

Wenn Udo ein Fußballverein wäre, wäre er …

…. der FC Bodo Ballermann und Söhne. Und Töchter, denn Frauenfußball ist auch sehr interessant.

Wenn Udo ein Fußballer wäre, wäre er …

… Udo, der Libero. Würde eingewechselt als Überraschungsexperte. Für Fallrückzieher, mit denen keiner rechnet. Vorgetäuschte Rolle rückwärts, Flugeinlage, mit den Hacken das Ding doch noch reinschießen.

Wenn Udo FIFA-Präsident wäre, würde er …

… schwer reich sein und hätte fette Kohle in Panama gebunkert. Nein, er würde den Laden runderneuern und ordentlich durchcleanen.

Keine Panik! Wer noch keine Karte für den Start von Udos Raumschiff auf Schalke hat, kann noch einige Tickets an der Abendkasse (ab 17.30 Uhr an Kasse West und Kasse Ost) ergattern.

Udo Lindenberg – Keine Panik! Tournee 2016

Einlass: 17.30 Uhr

Beginn: 20.00 Uhr

Ende: 23.00 Uhr

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