Was macht eigentlich … Michael Prus?

Michael Prus war vor rund 25 Jahren einer der Publikumslieblinge im Parkstadion, debütierte einst als 18-Jähriger im Derby und wäre fast ein Eurofighter geworden. Im Interview mit schalke04.de spricht der ehemalige Verteidiger über seine Zeit im blau-weißen Trikot und seine heutige Tätigkeit, bei der er sich noch immer regelmäßig mit Spielen und Spielern der Königsblauen beschäftigt.

Michael, wo erreichen wir dich gerade?
Ich bin bei einem Junioren-Sichtungsturnier in Kamen-Kaiserau, um mir einige talentierte Nachwuchsfußballer anzuschauen. Das gehört zu meinen regelmäßigen Aufgaben beim Deutschen Fußball-Bund, bei dem ich aktuell die U15-Nationalmannschaft trainiere und in der kommenden Spielzeit für die U16-Auswahl verantwortlich sein werde.

Bis vor wenigen Wochen hieß dein Assistenz-Coach Mike Büskens.
Als ich vor rund einem Jahr einen Co-Trainer gesucht habe, kam mir sofort Buyo in den Kopf. Er ist ein toller Mensch, der Spielern nicht nur sportlich etwas beibringt, sondern ihnen auch wichtige Werte vermittelt. Wir hatten aber stets das Agreement, dass ich Buyo keine Steine in den Weg lege, wenn sich eine neue Aufgabe ergibt. Dies war der Fall, als Huub Stevens ihn für sein Trainerteam gewinnen wollte. Als Schalke in der sportlich nicht ganz einfachen Situation rief, wollte und musste er es auch machen. Ich bin froh, dass Buyo und seine Mitstreiter ihre Ziele erreicht haben.

Hast du nach dem letzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart noch mit Buyo gesprochen?
Ja, noch im Stadion. Ich war wie viele andere ehemalige Spieler des Vereins zum Ehemaligentreffen in der VELTINS-Arena eingeladen. Nach dem Spiel kam auch Buyo dazu. Wir haben natürlich viel über Schalke gesprochen, aber er wollte auch wissen, wie die vergangenen Wochen bei der U15-Nationalmannschaft gelaufen sind. Das zeigt, dass er die Jungs nicht vergessen hat.

Auch du hast Schalke nicht vergessen und fieberst noch immer mit, wenn Königsblau spielt.
Ich habe zehn Jahre auf Schalke gespielt und damit einen sehr großen Teil meines Lebens dort verbracht. Deshalb habe ich natürlich noch immer eine enge Bindung zum Verein und informiere mich regelmäßig über das Geschehen rund um die VELTINS-Arena. Deshalb freue ich mich auch jedes Mal aufs Neue, wenn die Einladung zum letzten Heimspiel ins Postfach flattert. Es war auch dieses Mal wieder super, so viele alte Weggefährten beim Ehemaligentreffen wiederzusehen und Geschichten aus vergangenen Tagen wieder aufleben zu lassen.

Du hast auch mit dem neuen Chef-Trainer David Wagner zusammengespielt. Wie schätzt du ihn ein?
David hat eine tolle Entwicklung genommen und zuletzt bei Huddersfield Town gezeigt, dass er als Trainer einen hervorragenden Job macht. Ihm ist es gelungen, mit einem Verein, der nicht annähernd so viele finanzielle Mittel zur Verfügung hat wie die Konkurrenz, in die Premier League aufzusteigen und in der ersten Saison die Klasse zu halten. Ich traue ihm auch auf Schalke eine erfolgreiche Zeit zu. Mit seiner positiven Art wird er der Mannschaft auf jeden Fall guttun, zudem kennt er das Umfeld bereits. Das ist sicherlich nicht von Nachteil.

Du warst zu deiner Zeit auf Schalke einer der Publikumslieblinge. Es gab Zaunfahnen mit „Prus muss spielen“ oder „Magic Prus“. Warum hatten dich die Fans in ihr Herz geschlossen?
Das ist eine gute Frage. Was die fußballerische Qualität angeht, war ich sicherlich nicht der absolute Topspieler. Aber ich habe immer alles gegeben, mich in jedem Training und in jedem Spiel voll reingehauen. Ich denke, das haben die Fans gesehen und an mir geschätzt.

Ich habe immer alles gegeben, mich in jedem Training und in jedem Spiel voll reingehauen.

Michael Prus

Dein Debüt hast du als 18-Jähriger ausgerechnet im Derby gefeiert. Es heißt, am Abend vor dem Spiel habe Masseur Gerard Kuipers dir eine Schlaftablette geben müssen, damit du vor der Partie zur Ruhe kommst. Stimmt das?
Die Geschichte stimmt tatsächlich. Wir haben früher vor den Spielen immer in Billerbeck übernachtet. Am Abend vor dem Derby hat Rolf Schafstall (damals Trainer des FC Schalke 04, Anm. der Redaktion) mich davon in Kenntnis gesetzt, dass ich am nächsten Tag spielen werde. Das war schon eine Nummer: Debüt, und das direkt in einem Derby. Deshalb hatte der Trainer wohl etwas Bedenken, dass ich sehr aufgeregt sei und hat Gerard daher gebeten, dass er noch einmal nach mir sehen soll.

Wie ist das Spiel im Anschluss gelaufen?
Nahezu perfekt. Ich sollte Dortmunds Mittelfeldspieler Marcel Raducanu aus dem Spiel nehmen, war als sein Bewacher eingeteilt. Das ist mir gut gelungen, er hatte kaum Aktionen.

Weißt du noch, wie das Spiel ausgegangen ist?
Natürlich, so etwas vergisst man nicht. Wir haben 2:1 gewonnen.

Du hast in 120 Bundesligaspielen für Schalke kein Tor geschossen, kurioserweise in einem DFB-Pokalspiel gegen Saar 05 Saarbrücken dann aber gleich zweimal getroffen. Es bestand sogar die Chance auf einen Hattrick, aber bei einem Elfmeter wollte der etatmäßige Schütze Andreas Müller den Ball nicht rausrücken.
Über meine Torausbeute frotzeln meine alten Kumpels noch heute. Die Geschichte aus dem Pokalspiel stimmt aber nicht ganz, auch wenn sie noch heute so erzählt wird. Tatsächlich wollte ich den Strafstoß aber gar nicht schießen. Daher bin ich Andi auch nicht böse, dass er sich beim Elfmeterpfiff direkt den Ball geschnappt hat.

Während der Spielzeit 1996/1997, in der die Schalker „Eurofighter“ den UEFA-Pokal gewinnen konnten, bist du zum damaligen Zweitligisten SV Meppen gewechselt. Hast du dich rückblickend schon einmal geärgert, dass du den Verein kurz vor dem größten Triumph der Vereinsgeschichte verlassen hast?
Natürlich gab es ab und zu den Gedanken. Vor dem Saisonstart hatten der damalige Trainer Jörg Berger und Manager Rudi Assauer mir mitgeteilt, dass ich vermutlich nicht allzu häufig zum Einsatz kommen werde. Trotzdem wollte ich die Vorbereitung noch mitmachen und mich durchbeißen. Denn in den Jahren zuvor hatte es schon ähnliche Situationen gegeben – und am Ende habe ich dann doch immer gespielt. Im Sommer 1996 kam dann allerdings die Anfrage vom SV Meppen. Und das passte für mich. Die Emsländer spielten damals eine gute Rolle in der Zweiten Liga. Zudem war Meppen nicht allzu weit von meinem Heimatort Rheine entfernt. Und da ich fast 30 Jahre alt war, habe ich auch ein Stück weit an die Zeit nach meiner Karriere gedacht.

Im Trikot des SV Meppen ist dir auch dein einziges Ligator im Profifußball geglückt. Bei deinem Treffer zum 1:1-Endstand gegen die Stuttgarter Kickers gab es damals auch königsblauen Jubel auf der Tribüne.
Das stimmt (lacht). An diesem Montagabend waren auch einige Schalke-Fans auf der Tribüne. Das kam häufiger vor, da im Emsland und den angrenzenden Landkreisen viele Schalker leben. Gegen Stuttgart waren es aber noch einmal mehr S04-Anhänger als sonst. Sie haben sich sehr mit mir gefreut und minutenlang das Tor gefeiert.

Dem Fußball bist du als Nachwuchs-Coach auch nach deiner aktiven Karriere treu geblieben. Hast du die Ambition, in Zukunft vielleicht einmal im Profibereich zu trainieren?
Meine aktuelle Aufgabe beim DFB macht mir sehr viel Spaß, ich bin mit voller Leidenschaft dabei und denke daher momentan nicht daran, mir ein anderes Tätigkeitsfeld zu suchen. Aber im Fußball sollte man niemals nie sagen.

Schaust du dir in deiner Funktion als U15-Nationaltrainer auch Spiele der Knappenschmiede an?
Natürlich. Zuletzt vor zwei Wochen, da habe ich den 3:0-Heimsieg der U15 gegen Bayer Leverkusen vor Ort verfolgt. Schalke hat einige gute Jungs dabei. Überhaupt zählt die Ausbildung junger Spieler auf Schalke zu den besten in ganz Deutschland. Es kommt nicht von ungefähr, dass regelmäßig Juniorenspieler den Sprung in die Bundesliga schaffen.

Welchen Tipp, abgesehen vom Sportlichen, gibst du deinen Spielern stets mit auf den Weg?
Sie sollen ihre große Leidenschaft stets mit vollem Einsatz betreiben, beharrlich bleiben und ihre Chance suchen. Im Fußball geht es nicht immer steil bergauf. Deshalb ist es auch wichtig, mit Rückschlägen umgehen zu können.

In den kommenden Wochen und Monaten wird schalke04.de in der neuen Rubrik „Was macht eigentlich …?“ weitere ehemalige Spieler interviewen und damit die eine oder andere alte Geschichte oder Anekdote wieder aufleben lassen.

Vita

Michael Prus wurde am 4. Februar 1968 in Rheine geboren. Im Alter von 18 Jahren wechselte der damalige Junioren-Nationalspieler von seinem Heimatverein VfB Rheine zum FC Schalke 04. Für die Knappen betritt der Verteidiger zwischen 1986 und 1996 insgesamt 120 Bundesliga- und 100 Zweitligaspiele. Ein Tor gelang ihm dabei nicht. Nach seiner Zeit im königsblauen Trikot war Prus für den SV Meppen (1996-1998) und Eintracht Trier (1998-2003) am Ball. Nach seiner aktiven Zeit machte der Ex-Schalker diverse Übungsleiter-Lizenzen und wurde zunächst Nachwuchscoach und anschließend kurzzeitig Chef-Trainer bei Eintracht Trier. Zwischen 2007 und 2016 war Prus als Verbandssportlehrer des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes bei der Verbandssportschule Malente angestellt. Seit August 2016 ist der Fußballlehrer für den Deutschen Fußball-Bund tätig.

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