Wie in Wolfsburg aus dem „Kmetscher“ der „Kmetschinho“ wurde

Der VfL Wolfsburg ist seit 1997 erstklassig. Bis zum ersten Schalker Sieg bei den Wölfen in der höchsten deutschen Spielklasse mussten sich alle Fans allerdings etwas gedulden - es verstrichen fast sechs Jahre. Eine der Hauptfiguren beim 2:1-Erfolg am 25. Januar 2003 war Sven Kmetsch, der sich auf schalke04.de an sein Traumtor erinnert.

Sven, kannst du dich noch an den 18. Spieltag der Saison 2002/2003 erinnern?
Ja, schließlich ist mir in dieser Partie ein Tor gelungen. Wir haben 2:1 in Wolfsburg gewonnen. Es war damals unser erster Sieg überhaupt in der Bundesliga im VfL-Stadion.

Du hast damals in der 47. Minute das 1:0 erzielt.
Den Treffer habe ich noch vor Augen. Emile Mpenza hat mich halbhoch angespielt. Ich stand rechts im Strafraum, habe den Ball über Wolfsburg Maik Franz gehoben und dann mit dem Außenspann in die lange Ecke vollendet. VfL-Torhüter Claus Reitmaier hatte keine Abwehrchance. Nach dem Spiel habe ich in der Mannschaft aufgrund des Treffers einen neuen Spitznamen bekommen!

Wir kennen nur den „Kmetscher“ …
Aus „Kmetscher“ wurde „Kmetschinho“. „Buyo“ (Mike Büskens, Anm. der Redaktion) hat mir diesen Namen verpasst, weil mein Tor gegen die Wölfe in seinen Augen nur ein Brasilianer erzielen konnte. Noch heute nennt er mich manchmal so.

In den Folgejahren hätte uns in Wolfsburg der eine oder andere Geniestreich mehr gutgetan. Denn die Schalker Bundesliga-Bilanz im Stadion des VfL ist eher mau. Von 21 Spielen wurde lediglich vier gewonnen. Weshalb tut sich Königsblau gerade in Wolfsburg häufig so schwer?
Eine konkrete Erklärung habe ich nicht. Wolfsburg hat aber seit Jahren schon einen mit vielen guten Spielern gespickten Kader. Dort ist nahezu jeder Einzelne in der Lage, mit seinen Qualitäten ein Spiel zu entscheiden. Trotzdem sehe ich Schalke besser aufgestellt. Nicht nur von den Einzelspielern her, sondern auch, weil es viel ausmacht, wenn man eine richtige Mannschaft ist, die zusammenhält.

Wie lautet dein Tipp für das anstehende Spiel?
Ich habe ein gutes Gefühl. Schalke wird am Ende die Nase vorne haben. Ich habe Schalke und Wolfsburg zuletzt im DFB-Pokal gesehen. Dass es am Ende jeweils knappe Resultate waren, sollte man nicht überbewerten. Wichtig ist in der ersten Runde erst einmal, dass man gewinnt.

Kommen wir zurück zu dir. Was ist deine schönste Erinnerung an deine aktive Zeit von 1998 bis 2005 auf Schalke?
Die beiden Erfolge im DFB-Pokal 2001 und 2002 sind natürlich ganz vorne dabei. Die Endspiele und vor allem die Feiern danach werde ich nie vergessen. Allerdings möchte ich meine Zeit als Spieler auf Schalke nicht nur an diesen beiden Titeln messen. Jeder Tag für sich war etwas Besonderes, auch wenn ich leider viel Verletzungspech hatte. Beeindruckt hat mich jedes Mal aufs Neue die Leidenschaft der Fans. Ich glaube, das gibt es kein zweites Mal so in Deutschland. Auch der Zusammenhalt im Verein. Es war eine große Familie – von der Putzfrau bis zum Vorstand.

Fast wärst du auch Deutscher Meister geworden. Am Ende fhelten vier Minuten zum ganz großen Wurf. War der 19. Mai 2001 der bitterste Tag in deiner Karriere?
Auch heute, also 17 Jahre später, fällt es mir noch schwer, diesen Tag in Worte zu fassen. Binnen weniger Minuten gab es so viele Emotionen. Nach unserem 5:3-Sieg gegen Unterhaching dachten wir, dass wir Deutscher Meister sind. Denn es hieß, Bayern München hätte tatsächlich in Hamburg verloren. Diese Meldung machte im Stadion die Runde. Wir sind erst einmal in die Trainerkabine gegangen, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen. Und plötzlich bekommen wir live mit, wie Patrik Andersson ausgleicht. Wir wussten zuerst gar nicht, was los ist. Dann war es einfach nur still, niemand hat etwas gesagt. Nachdem wir uns gesammelt hatten, sind wir auf den Balkon im Parkstadion gegangen. Dort haben die Fans uns trotzdem zugejubelt, sie haben uns aufgebaut.

Eine Woche später habt ihr dann den DFB-Pokal gewonnen!
Nach dem Erlebnis am 34. Spieltag hatte Huub Stevens uns einige freie Tage verordnet. Wir sollten die Köpfe freibekommen. Bei der ersten Trainingseinheit – ich weiß gar nicht mehr, ob es dienstags oder mittwochs war – haben uns dann mehr als 5000 Fans empfangen und ein Spalier von der Kabine bis zum Trainingsplatz gebildet. Ich bekomme gerade wieder eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Tag denke. Das ist Schalke!

Im vergangenen Jahr wurde auf Schalke die Vizemeisterschaft gefeiert. Hast du den königsblauen Weg verfolgt?
Hut ab vor Domenico Tedesco und seinem Team. Mich hat das Endergebnis sehr beeindruckt. Die Spiele waren vielleicht nicht immer attraktiv, aber die Mannschaft hatte einen klaren Plan, sie hat malocht und ist am Ende verdient Zweiter geworden.

Wie siehst du Königsblau für die anstehende Saison aufgestellt?
Schalke tanzt nun auf drei Hochzeiten, mit der Champions League kommt im Vergleich zum Vorjahr ein Wettbewerb hinzu. Das wird noch einmal eine neue Herausforderung. Aber ich glaube, dass der gesamte Verein gut vorbereitet ist. Der Kader wurde sinnvoll verstärkt. Da macht Christian Heidel mit seinem Team einen super Job.

Hast du noch Kontakte zu ehemaligen Mitspielern oder Weggefährten aus deiner Schalker Zeit?
Natürlich. Zuletzt gab es am 34. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt ein großes Wiedersehen beim Ehemaligentreffen in der VELTINS-Arena. Diese Veranstaltung organisiert der Verein schon seit Längerem einmal im Jahr. Eingeladen sind zahlreiche ehemalige Spieler aus den unterschiedlichsten Generationen. Ich finde es immer wieder schön, die Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe, wiederzusehen. Wenn ich Andreas Möller, Johan de Kock, Andreas Müller, nur um einige zu nennen, treffe, kommen immer wieder alte Geschichten auf den Tisch. Am regelmäßigsten tausche ich mich mit Mike Büskens aus. Uns beide verbindet schließlich nicht nur die gemeinsame Zeit als Spieler. Wir haben nach unserer aktiven Laufbahn gemeinsam die U23 trainiert.

Im Jahr 2005 musstest du deine Karriere beenden, bist dem Fußball aber treu geblieben. War es bereits während deiner aktiven Laufbahn der Plan, später einmal ins Trainergeschäft einzusteigen?
Als ich wusste, dass es aufgrund der Verletzung (Knorpelschaden, Anm. der Redaktion) als aktiver Fußballer nicht mehr weitergehen wird, habe ich mir natürlich Gedanken gemacht. Dabei habe ich großartige Unterstützung vom Verein und insbesondere Manager Rudi Assauer bekommen. Er hatte mir einen Job in der Geschäftsstelle oder eine Funktion als Nachwuchstrainer angeboten. Ich wollte unbedingt auf dem Platz bleiben, habe meine Scheine gemacht und bin dann Co-Trainer der U23 geworden. Noch heute bin ich dankbar für diese Chance und die Möglichkeiten, die ich damals bekommen habe. Das war nichts selbstverständlich. Meine damaligen Trainer Jupp Heynckes und Ralf Rangnick haben mich damals häufig als 19. Mann mitgenommen, obwohl klar war, dass ich später nicht im Kader stehe. Aber so war ich weiterhin dabei und habe schon einmal die andere Seite, die Aufgaben eines Trainers, kennenlernen dürfen.

Du warst zuletzt Co-Trainer beim Drittligisten Preußen Münster. Wann sehen wir dich auf der Trainerbank wieder?
Wenn mein Telefon klingelt, bin ich bereit für eine neue Herausforderung. Das gleiche gilt für Benno Möhlmann, dessen Co-Trainer ich in Münster und zuvor auch schon in Ingolstadt sowie beim TSV 1860 München und beim FSV Frankfurt war. Aktuell sind alle Trainerstellen besetzt. Und natürlich wünsche ich keinem Kollegen, dass er schlecht startet und deswegen seine Posten räumen muss – aber im Fußball kann es manchmal schnell gehen.

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