22. April: Schalke ringt Teneriffa nieder und zieht ins Finale ein

Teneriffas Trainer Jupp Heynckes ist sich vor dem Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup beim FC Schalke 04 noch sicher: "Wir haben schon immer groß aufgetrumpft, wenn es notwendig war. Wir haben vor, das Spiel zu gewinnen." Doch nach 120 Nerven aufreibenden Minuten machen die Knappen die 0:1-Hinspielniederlage wett und ziehen am 22. April 1997 mit einem 2:0-Sieg erstmals in ein Europapokal-Endspiel ein.

1997: Linke und Wilmots köpfen S04 ins Endspiel um den UEFA-Pokal

Den ersten Strich durch die Rechnung des späteren Schalker Chef-Trainers macht Thomas Linke. Sein Tor in der 68. Minute bringt die Spanier auf die Verliererstraße. „Unser ganzer Sturm war uns ja in Karlsruhe ausgefallen. Aber wir mussten nach dem 0:1 im Hinspiel zwei Tore erzielen“, skizziert Thomas Linke die Ausgangslage vor der Partie. „Also haben wir uns vorgenommen, über die Flügel zu kommen, Ecken herauszuholen, Freistöße zu provozieren.“

Nach einem verhaltenen Beginn (Huub Stevens: „Wir wollten Teneriffa in Sicherheit wiegen!“) erhöhen die Gastgeber den Druck, zwingen die Gäste zu Fehlern und haben die ersten Möglichkeiten. Doch weil Wilmots‘ Kopfball über das Tor fliegt (27.), ein Nemec-Schuss nicht im, sondern auf dem Netz landet (34.), und Teneriffas Keeper Andersson einen Anderbrügge-Hammer aus 30 Metern pariert, dauert es bis zur 68. Minute, ehe die verdiente Führung fällt.

Zwar kann Felipe einen Linke-Kopfball noch auf der Linie klären, Sekunden später liegt der Ball im Tor. Im Anschluss an eine Ecke von Olaf Thon steigt Thomas Linke erneut am höchsten und ist per Kopf erfolgreich. „Ich sehe, wie der Keeper umsonst fliegt, und die Kugel ins Netz rauscht. Ein irres Glücksgefühl – mir blieb im ersten Moment fast die Luft weg.“

Forciert wird dieser Treffer durch eine unglaubliche Stimmung auf den Rängen. Die große Anspannung auf den Rängen ist die Geburtsstunde eines Schalker Gassenhauers: „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!“ Linke nach dem Schlusspfiff: „Ich habe nicht verstanden, was die gesungen haben, weil man zu sehr auf Spiel konzentriert ist. Aber die Riesenstimmung kam rüber. Ich glaube, die Leute haben gespürt, dass die große Chance jetzt da war.“

Im berühmten Block I des Parkstadions übersetzte Schalke-Fan Clive Lavery wenige Minuten nach Wiederanpfiff der zweiten Hälfte einen auf der britischen Insel bereits gängigen Gesang kurzerhand für die Knappen. Ohne je einmal geübt oder geprobt worden zu sein, verbreitet er sich in Minuten wie ein Lauffeuer über die Ränge des Parkstadions und sorgt für eine dem Anlass angemessene Gänsehautstimmung.

Zwei weitere von vielen großen Helden dieser königsblauen Nacht heißen Marc Wilmots und Olaf Thon. Die beiden Routiniers bieten nicht nur jeweils eine aufopferungsvolle Leistung, sondern sind auch für das 2:0 verantwortlich. In der 107. Minute schlägt Thon einen Freistoß in den Strafraum der Gäste, Wilmots setzt sich sechs Meter vor dem Tor durch und köpft zum 2:0 ein.

Das Parkstadion kocht. Der Jubel und die Begeisterung kennen keine Grenzen. Die Sensation ist perfekt: Schalke erreicht zum ersten Mal in seiner ruhm- und skandalreichen Geschichte das Endspiel eines europäischen Pokalwettbewerbs. Oder wie es die Anzeigetafel ausdrückt: „Wir sind im Finale!“

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