24. Februar: Werner Hansch wird Stadionsprecher

Jahrzehntelang ist er die Stimme des Fußballs im Revier: Werner Hansch. Was hingegen wenige wissen: Schalke 04 ist schuld daran, dass der ehemalige Volksschullehrer eine Karriere als Hörfunk- und Fernsehmann einschlägt. Wie Hansch an den Job des Stadionsprechers kommt, beschreibt er in dem Buch "Auf Schalke - Fußball total":

1973: Fußballstadion statt Rennbahn für Werner Hansch

„Es war der 24. Februar 1973. Das Datum kann ich nie vergessen. Gegen Mittag führte mein Weg automatisch zum Trabrennen nach Gelsenkirchen. Hier ging für mich damals die Post ab. Kein Gedanke an Fußball. Die Bundesliga – ein Buch mit sieben Siegeln. Vierbeinige Renner vor dem Sulky – das war mein Sport. Die meisten Pferdenamen konnte ich als Bahnsprecher mühelos im Schlaf heruntersingen.

An diesem denkwürdigen Nachmittag liefen die Rennen allerdings ohne mich. Eine dramatische Wende zeichnete sich schon vor den Bahntoren ab. Mit lautem Getöse donnerte ein Feuerwehrgeschwader vor die Haupttribüne. Im Zwischentrakt hatte sich ein Brand entfacht. Alles war in heller Aufregung.

Rennbahninspektor Schneider, vor Ort schier unabkömmlich, übertrug mir in hektischer Eile einen heißen Auftrag: „Du musst mich heute auf Schalke vertreten. Oskar wird dir alles erklären!“ Gegenwehr war zwecklos. Fußball-Spezi Schneider, seit ein paar Monaten Schalkes Stimme im Stadion, schubste mich energisch in ein fahrbereites Taxi. Und ab ging die Post Richtung Glückauf-Kampfbahn.

30.000 Menschen drängelten sich auf dem Stadiongelände. Der FC Bayern wurde erwartet. Mitten im Getümmel Günter Siebert. ‚Junger Mann, für Sie hab‘ ich jetzt keine Zeit. Suchen Sie den Stadionwart, der wird Ihnen weiterhelfen.‘

Ernst Kalwitzki, betagtes Zeugnis der glorreichen Schalker Legende, zog damals noch die Kreidestriche auf dem Rasen. ‚Sie wollen hier also was sagen‘, beruhigte er mich fast väterlich und wies mir den richtigen Weg. Zunächst die schmale Feuerleiter vor den Kabinen hinauf, dann mit Schwung über die Mauerbegrenzung. Reihe 1, Platz 1 – direkt über dem letzten ‚i‘ von ‚Martini‘ war der Sprecherplatz. Ein zerbeultes Mikrophon lag schon auf der Holzbank, aus den Lautsprechern plärrte blechern Musik.

Kurz vor Halbvier: Ein Mann schwang sich über die Leiter hoch und reichte mir wortlos einen Zettel – den Mannschaftsbogen mit der Hand geschrieben. Als die Musik verstummte, drängte sich von innen her der Eindruck auf, etwas sagen zu müssen. ‚Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren. Und hier die Mannschaften: Mit der Startnummer 1 – Norbert Nigbur.‘

Verflixt nochmal, da war es heraus! Schallendes Gelächter auf den Rängen. ‚So ein Scherzbold‘, dachten viele. Dabei wäre ich am liebsten in den Tribünenkeller versunken. Mein Revier lag nunmal bei den Pferden und die tragen halt Startnummern.

Nach gutem Zureden bin ich schließlich doch am Schalker Mikrophon hängen geblieben – noch fünf Jahre lang. Ein Brand auf der Rennbahn und ein zufälliger Seitensprung bei Schalke haben mein Leben fortan auf eine andere Schiene gestellt.“

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