Zweiter Anlauf

Einst selbst auf dem Platz, nun mit Büroblick auf das satte Grün: Till Beckmann und Max Balster kamen vor über 20 Jahren als Jugendspieler zu Königsblau – und arbeiten heute ohne kurze Hosen für die Knappenschmiede.

Es klingt nach einer ganz anderen Zeit, wenn die beiden von ihrer kurzen gemeinsamen Episode als Nachwuchsspieler beim S04 erzählen. 1999 kickten sie eine Halbserie lang in der U23 unter Trainer Klaus Täuber. „Viermal die Woche Training bis 21.30 Uhr und donnerstags im Anschluss auf ein Bier ins Vereinsheim Bosch“, erinnert sich Beckmann. Heute ist der 40-Jährige Organisatorischer Leiter in der Knappenschmiede. An seiner Seite: der 39-jährige Balster als Koordinator Organisation.

Dass sich die Wege damals bereits nach wenigen Monaten trennten, hatte Balster zu verantworten. Der Münsteraner wagte in der U19 den Schritt weg von Preußen zu den Knappen. Ausgestattet mit einem Anschlussvertrag für die U23, begab er sich im Sommer 1999 „in eine ganz andere Welt mit rauerem Ton, wo weniger Wert auf spielerische oder taktische Elemente gelegt wurde“. Eine Verletzung brachte ihn aus dem Rhythmus, der ohnehin noch nicht richtig getaktet war. Und mit Blick auf das bevorstehende Abitur ging der flexible Mittelfeldmann Anfang 2000 zurück zu Preußen Münster. „Täglich zu pendeln war ein zu hoher Aufwand.“

Der Traum vom Fußballprofi lebte dennoch weiter. Regionalliga-Einsätze in Münster, später der Wechsel zum VfB Hüls und Duelle gegen die ehemaligen königsblauen Mitstreiter in der damals noch viertklassigen Oberliga. Doch mit zunehmendem Alter drängte sich die Frage nach der beruflichen Zukunft auf. „Es hat sich abgezeichnet, dass es mit dem Fußball nichts werden würde.“ Also: Tritt auf die sportliche Bremse, Ausbildungsstart zum Industriekaufmann in Duisburg – und Wechsel zu den Sportfreunden Hamborn 07 in den unteren Amateurbereich. Aber er spürt: „Je tiefer du spielst, desto mehr passt du dich dem Niveau an.“

Für Till Beckmann verlief der Weg deutlich gradliniger – wenn auch ebenfalls nicht bis ins Profigeschäft. Dafür sammelt der Allrounder viele Erlebnisse mit den Königsblauen, denen er sich in der U17 nach elf Jahren beim Heimatverein SG Hilden anschließt. Nach mehreren Spielzeiten in Schalkes U23 blickt er am Ende auf zwölf mitunter bewegte Knappenjahre zurück: „Mit dem Aufstieg in die Regionalliga und dem unmittelbaren Wiederabstieg habe ich viel mitgemacht.“ Dass der Nachwuchs unter Trainern wie Gerhard Kleppinger, Mike Büskens und dessen „Co“ Sven Kmetsch professioneller aufgestellt wurde, erlebte Beckmann hautnah mit: „Nach Einführung der Nachwuchsleistungszentren haben auch wir angefangen, vormittags und an Samstagen zu trainieren.“

Als er 1998 in die U23 aufstieg, standen ihm noch alle Möglichkeiten offen. „Ich konnte mir meine Wohnung finanzieren und etwas zu Essen kaufen“, beschreibt Beckmann die damaligen Umstände. Doch spätestens mit Anfang 20 setzte auch bei ihm der Denkprozess über die Zukunft ein. „Je reifer man wird, desto mehr verschieben sich manche Prioritäten.“ Immerhin: Mit dem Sportmanagement-Studium in Bochum konnte er dem semiprofessionellen Fußball treu bleiben und parallel sogar seine Trainerscheine absolvieren. „Gebraucht habe ich sie bislang nicht, aber für das Hintergrundwissen war es sehr nützlich.“

Das Jahresende 2007 markierte dann aber auch für den U23-Routinier das Aktiven-Ende. Glück, aber auch viel Geschick sorgten dafür, dass er auf Schalke blieb: Ein Pflichtpraktikum fürs Studium absolvierte er unter dem damaligen Nachwuchsleiter Bodo Menze in der Organisation. Und weil Erik Stoffelshaus als dessen Assistent zu den Profis unter dem damaligen Manager Andreas Müller aufstieg, entstand ein Vakuum im Nachwuchsbereich, das Beckmann gerne ausfüllte. „Es ist schon etwas Besonderes und macht einen stolz, hier zu arbeiten und vom Schreibtisch hinaus auf den Platz zu schauen.“

Max Balster wiederum hätte es als Industriekaufmann sicher nicht zurück nach Gelsenkirchen verschlagen. Und überhaupt: So wirklich lag ihm die Tätigkeit auch nicht. Also neuer Anlauf, diesmal mit einem Fernstudium in Sport und Management – und alte Kontakte aufglühen lassen: „Ich habe mich damals mit Bodo Menze unterhalten. Weil zu dem Zeitpunkt ein Praktikant abgesprungen war, konnte ich dessen Platz einnehmen.“ Und die Karriereleiter erklimmen. Der Praktikant stieg auf zum 450-Euro-Jobber – und durch Umstrukturierungen im Nachwuchsbereich 2008 zur Vollzeitkraft in der Knappenschmiede-Organisation.

„Irgendwann kapiert man, dass es mit der großen Profikarriere einfach nichts wird. Deshalb bin ich sehr froh, nun auf andere Weise mit dieser Leidenschaft mein Geld zu verdienen“, verrät Balster. Und was macht eine solche Enttäuschung vom geplatzten Kindheitstraum mit der Mentalität? „Dafür waren wir beide einfach noch zu weit weg vom Profigeschäft“, mutmaßt Beckmann. „Deshalb hielt sich die Enttäuschung in Grenzen – zumal wir nun trotzdem im Fußballgeschäft arbeiten können.“

Dabei, das fügt Beckmann am Ende mit einem Schmunzeln hinzu, hat es ihn doch noch gegeben, diesen einen Moment, in dem er auf das „große Spiel“ bei den Profis hoffen durfte. Weil S04-Coach Ralf Rangnick vor dem DFB-Pokalfinale im Mai 2005 noch einmal „Elf gegen Elf“ spielen lassen wollte, wurde der damals 25-Jährige von der U23 zum Profitraining beordert. „Um es aber anschließend rechtzeitig zum Training meiner Mannschaft zu schaffen, habe ich Rangnick gefragt, ob ich früher gehen könnte, sofern ich nicht im Pokalkader stehen sollte.“ Es folgten Sekunden der Stille, in denen Beckmann schon mit einer Standpauke rechnete – oder einer überraschenden Wende. „Beides ist nicht eingetreten, und ich durfte früher los. Da hat sich die Hoffnung schnell wieder verflüchtigt.“

Unweit der Trainingsplätze arbeiten Till Beckmann und Max Balster nun schon seit über zehn Jahren am Schalker Fußball der Zukunft – reibungslose Abläufe an Spieltagen, der Austausch mit anderen Abteilungen und die Zuarbeit für Peter Knäbel gehören zum Tagesgeschäft. Wer ihren Weg geebnet hat, wissen beide genau: „Vieles von dem, was in der Zeit geschehen und aus uns geworden ist, verdanken wir Jugendtrainer Manfred Dubski und Bodo Menze, die mich 1995 geholt haben“, erklärt Beckmann. U19-Coach Norbert Elgert überzeugte Balster indes von Königsblau, anschließend prägte auch Menze ihn stark. Dass es am Ende erst über den zweiten Bildungsweg für den königsblauen Durchbruch langte, sehen beide dabei völlig entspannt.

Der Weg zum digitalen Kreisel

Voraussetzungen sind die S04-Mitgliedschaft sowie die kurze Anmeldung auf: store.schalke04.de

Der schnellste Weg führt dann über die Schalke 04 App und den Navigationspunkt „Schalker Kreisel“, wo Königsblaue eine kurze Beschreibung sowie die Links zu den Stores (App Store, Google Play Store) finden. Dort kann die App direkt aufs Smartphone oder Tablet heruntergeladen werden.

Der Login erfolgt mit Benutzernamen und Passwort. Beim Benutzernamen handelt es sich in der Regel um die E-Mail-Adresse, also dieselben Zugangsdaten, die auch für den Login auf store.schalke04.de verwendet werden. Sollte das Passwort nicht mehr auffindbar sein, hilft die Funktion „Passwort vergessen“, um sich ein neues zuzulegen.

Alternativ zur Schalke App können Fans die Schalker Kreisel App direkt im jeweiligen App Store ansteuern – einfach in der Suche „Schalker Kreisel“ eingeben.

Schalker Kreisel App

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