Peter Knäbel: Steine und Menschen in Bewegung setzen

Eine spannende Saison liegt hinter der Knappenschmiede: Die U23 machte den Aufstieg in die Regionalliga perfekt, die A-Junioren gewannen in letzter Minute die Westdeutsche Meisterschaft und so manches Nachwuchstalent schnupperte Profi-Luft. Im Interview mit knappenschmiede.de zieht Peter Knäbel, Technischer Direktor Knappenschmiede und Entwicklung, eine erste Bilanz.

Peter Knäbel, Sie sind jetzt seit April 2018 beim FC Schalke 04 im Amt. Wie fällt Ihr Fazit nach dem ersten Jahr aus? 
Grundsätzlich bin ich mit dem ersten Jahr zufrieden. Bei der Größe und Dimension, die ein Fußballclub wie der FC Schalke 04 mit sich bringt, konnte ich vorher nicht vollends absehen, wie viel man in einem Jahr tatsächlich bewegen kann. Dafür gibt es zu viele Themen und Menschen, um eine wirklich realistische Zielsetzung abzugeben. Nach ein paar Monaten habe ich aber einen guten Überblick über den Verein bekommen. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt eine Zielsetzung hätte abgeben müssen und mir jemand gesagt hätte, wo wir heute stehen, dann wäre ich damit definitiv einverstanden gewesen.

Was hat sich getan auf Schalke?
Auf der einen Seite mussten Steine in Bewegung gesetzt, also das große Thema Infrastruktur angegangen werden. Auf der anderen Seite galt es, Menschen in Bewegung zu setzen. Die Bürosituation, vor allem für die Trainer, hat sich im Nachwuchsbereich immens verbessert. Zudem haben wir zum Beispiel die Räumlichkeiten des medizinischen Bereichs ausgebaut, sodass diese in der Übergangsphase genügen, bis die wesentlichen baulichen Veränderungen umgesetzt worden sind. Darüber hinaus haben wir auch sehr viele inhaltliche Fragen intensiv diskutiert, denn die fussballerische Ausbildung unserer Spieler muss immer im Zentrum stehen.

Zu Ihren Aufgabenfeldern zählt auch die Talentausbildung. Wie fällt die sportliche Bewertung gerade im Übergang zum Lizenzspielerbereich aus?
Eine große Wirkung nach außen ist der Mannschaftserfolg, hier liegen wir im grünen Bereich. Sowohl die U23 als auch die U19 haben ein überzeugendes Jahr hingelegt. Vor allem blicken wir aber auf den Output nach oben: Es ist überragend, dass wir in der vergangenen Saison fünf Debütanten in der ersten Mannschaft hatten. Ahmed Kutucu kam aus der U19, Nassim Boujellab, Jonas Carls, Haji Wright und George Timotheou aus der U23.

Die Jungs aus der Knappenschmiede haben alle bei den Profis funktioniert.

Peter Knäbel, Technischer Direktor Knappenschmiede und Entwicklung

Solch eine Entwicklung macht eine Saison ebenfalls besonders – und das hatte ich in dieser Form zuvor noch nicht erlebt. Sicherlich war dies auch der Gesamtsituation in der Bundesliga geschuldet, aber wir dürfen uns auch nicht kleinreden: Die Jungs aus der Knappenschmiede haben alle bei den Profis funktioniert. Das ist nicht nur für die Spieler schön, sondern natürlich auch für die Trainerteams, die es ihnen ermöglicht haben. Trotzdem gibt es natürlich noch viele Punkte, an denen wir arbeiten müssen, um uns weiter zu verbessern. Die richtigen Schritte dafür haben wir eingeleitet.

Sie haben es angesprochen: Neben der U19 hat sich auch die U23 als wichtige Station auf dem Weg ins Profigeschäft erwiesen.
Wenn wir sehen, wie viele der Spieler, die im Halbfinale der Champions League am Ball sind, im Alter von 17 Jahren in der Ersten Mannschaft debütiert haben, dann ist klar, dass der Weg für Top-Talente aus der U19 direkt nach oben geht. Was aber nicht heißt, dass diese Spieler nicht wieder in eine gute U23 zurückgehen, um dort Spielpraxis zu sammeln. Wenn wir zudem alle drei Jahre einen Spieler rausbringen, der sich vielleicht langsamer dafür aber kontinuierlich in einer starken U23 weiterentwickelt hat, dann zeigen wir auf, dass sich auch dieser Weg auf Schalke lohnt.

Welche Erwartungen haben Sie nun an die U23, die ja in die Regionalliga aufgestiegen ist?
Dass es jedes Jahr so viele Spieler wie in der vergangenen Saison zu den Profis schaffen, dürfen und werden wir in Zukunft nicht verlangen. Doch es ist schön zu wissen, dass es diese Jungs geschafft haben, unabhängig ob die Mannschaft in der Oberliga oder Regionalliga spielt. Trotzdem ist die Regionalliga natürlich genau die richtige Spielklasse für unsere U23. Wir gehen die kommende Saison mit viel Demut und Respekt, aber auch mit Ambitionen an.

Nicht nur die fußballerische, sondern auch die schulische Ausbildung ist der Knappenschmiede von großer Wichtigkeit. Was bedeutet der Spagat zwischen Schule und Fußball für Ihre Schützlinge und die Verantwortlichen des Vereins?
Ahmed Kutucu hat insgesamt 40 Spiele in acht Wettbewerben für die Profis, U23 und U19 bestritten und dabei 20 Tore geschossen. Zusätzlich hat er noch sein Abitur absolviert. Wenn ein Spieler so etwas über eine Saison hinweg leistet, dann haben ganz viele Leute aus seinem Umfeld, der Schule und dem Verein sehr viel richtiggemacht. Auch darauf können wir alle sehr stolz sein.

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