Freigegeben ab Sechs: Schalke stellt eine U8-Mannschaft

Verjüngungskur: Ab dieser Saison schickt der FC Schalke 04 eine U8-Mannschaft in den Spielbetrieb. Das pädagogische Prinzip der Talentförderung fußt auf drei wichtigen „L‘s“. Luftschlösser zählen nicht dazu.

In der Knappenschmiede wird kräftig an der Struktur gewerkelt. Innovativ soll sie sein, nachhaltig und erfolgreich. „Wir passen unsere Philosophie an und geben eine neue Marschroute vor“, erklärt Sam Farokhi. Und diesen Weg bricht der Koordinator im Grundlagenbereich für die jüngsten Schalker der Jahrgänge 2012 und 2013 auf eine Formel herunter: „Es soll mehr um das Erlebnis als um das Ergebnis gehen.“

Für die neu geschaffene U8 heißt das: Das Wettkampfprinzip wird verändert. In sogenannten Twin-Games rollt der Ball zeitgleich auf zwei Kleinfeldern mit je vier Feldspielern und einem Torhüter pro Team. Resultate rücken in den Hintergrund, die Kids sollen ihre Fähigkeiten austesten und verbessern. Das mag in diesem Alter manchmal wie heilloses Gewühle aussehen, „aber es ist auch immer wieder einer dabei, der mit dem Ball aus diesem Knäuel herauskommt“, verbildlicht Farokhi. „Und diese Begabung wollen wir früh und intensiv fördern.“

Im Grundlagenbereich der Knappenschmiede kommt dem Verein eine besondere pädagogische Rolle zu. Peter Knäbel, Technischer Direktor Entwicklung, fasst die Aufgaben des Clubs mit den drei „L‘s“ zusammen: „Lachen, Lernen, Leisten.“ Der Spaß am Spiel soll helfen, Dinge leichter zu verinnerlichen und Hindernisse zu überwinden. „Wir tragen eine große Verantwortung, mit der wir gewissenhaft umgehen müssen“, mahnt Farokhi. Die Begeisterung soll wachsen, ohne illusorische Ziele zu schaffen.

Für Schalke ist der neue Jahrgang ein Pilotprojekt, in anderen Nachwuchsleistungszentren ist er bislang eher selten. Viktoria Köln, der 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen stellen ebenfalls Teams in diesem Alter. Die königsblauen Gründe sind vielfältig: „Wir haben Übernahmequoten für den Leistungsbereich sowie den Fahrtaufwand für Kinder und Eltern diskutiert“, erklärt Knäbel. „Zudem wollten wir ein Zeichen zur Unterstützung unserer Heimat im Fußballkreis 12 setzen.“

Die Analyse im Grundlagenbereich hat gezeigt: Der S04 hat zwar ein großes Einzugsgebiet für Nachwuchskicker – in manchen Jahrgängen aber kaum Akteure aus der unmittelbaren Region. „Wir haben uns die Frage gestellt, wieso die halbe U11 aus dem Münsterland anreist, aber kein einziger Gelsenkirchener in der Mannschaft steht“, berichtet Farokhi. Das Problem: Spieler mit Potenzial werden früh von anderen Vereinen angesprochen und sind dort schnell so gebunden, dass ein Schritt zu den Knappen selten noch infrage kommt. Da unterliegt die geografische Distanz der emotionalen Nähe.

Wie der Funke frühzeitig überspringen kann, haben Schalkes Verantwortliche im März erlebt, als der Familientag für leuchtende Kinderaugen sorgte. Nicht nur Maskottchen Erwin, auch Jungprofi Ahmet Kutucu war vor Ort und gewährte dem Nachwuchs Einblicke in seinen Arbeitsplatz. „Wir haben uns hinterher gefragt, welche Möglichkeiten wir aufzeigen können und ob wir die Kapazität für eine U8 haben“, ergänzt Farokhi. Nun kennt er die Antwort: Evans Ankomah-Kissi und Brian Hoffmann coachen das neue Team und bekommen Unterstützung von Julia Wenning (U9) und Mats Daniel (U10).

Aus den jüngsten Mannschaften sollen in Zukunft stabile Konstrukte mit königsblauer Philosophie erwachsen. „Der Grundlagenbereich soll das Gerüst für den Aufbaubereich sein und als Fundament für den Leistungsbereich dienen“, beschreibt Sam Farokhi. In Zeiten zunehmender Internationalisierung hoffen die Verantwortlichen, die Diamanten auf den Plätzen der Region zu entdecken. Der Ertrag könnte in einem Jahrzehnt folgen: Schalker Talente – von Kindesbeinen an geschmiedet und mit königsblauem Herzen.

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