Volkstrauertag: U16-Spieler gedenken gefallener Soldaten und Fußballer

„At the going down of the sun and in the morning. We will remember them.“ Mit diesem Vers aus dem Gedicht von Robert Laurence Binyon beendete U16-Spieler Jonas Clein am Sonntag (18.11.) im Deutschen Bundestag seine Rede, um gefallener Soldaten des Ersten Weltkrieges zu gedenken.

Bildquelle: Deutscher Bundestag/Achim Melde

Früher traten oft Soldaten, Zivilsten und Kriegsopfer vor das Plenum des Deutschen Bundestages. An diesem Tage standen Jugendliche verschiedener Schulen und Bundesligavereine am Rednerpult und berichteten über das Schicksal gefallener Fußballspieler des Ersten Weltkrieges. Traditionell nehmen an der zentralen Gedenkstunde zum Volktrauertag, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin veranstaltet, die höchsten Repräsentanten der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland teil. Unter den rund 1600 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren diesmal auch die beiden Schalker U16-Spieler Jonas Clein und Levin Ceylan.

Gemeinsam mit anderen Schülern der Gesamtschule Berger Feld und des Friedrichsgymnasiums Kassel nahmen die beiden Knappen in Begleitung von Dietmar Rainer (Koordinator Internate/Bildung) und Detlev Kmuche (Englisch- und Geschichtslehrer der Gesamtschule Berger Feld) an einem internationalen Workcamp teil, das der Volksbund im Rahmen von „Fußball und Gedenken“ mit Unterstützung der Premier League organisierte. Zusammen mit Nachwuchsspielern von Hertha BSC, Liverpool und Southampton sowie dem belgischen Club Brügge und dem französischen Verein Albert erforschten die Schalker Schicksale gefallener Soldaten und vor allem gefallener Fußballspieler. „Zu Beginn fragte ich mich: Warum sollte ich heute Unbekannter gedenken, die seit 100 Jahren tot sind?“, erzählte Clein in seiner Gedenkrede im Deutschen Bundestag. „Meine Gedanken kreisten eher um mein nächstes Spiel, die nächste Klausur oder das nächste Date. Das änderte sich als es um den Weihnachtsfrieden 1914 ging.“

Den 16-Jährigen beeindruckte der Mut von britischen und deutschen Soldaten, die entgegen ihrer Befehle ihre Schützengräben verließen und gemeinsam Weihnachtslieder sangen, Geschenke austauschten und Fußball spielten. „Für einen kurzen Moment schossen sie nur noch mit ihren Füßen. Für einen Augenblick konnten sie vergessen, dass sie eigentlich Feinde sein sollten“, so Clein. Der Mut habe ihm nicht nur imponiert, sondern auch unbekannte Menschen nähergebracht. „Dieser Mut, aufeinander zuzugehen, ist das, was ich aus diesem Projekt mitnehme und versuchen werde, in meinem eigenen Leben umzusetzen. Anders werden wir den Berg aus Hass, vor dem viele Menschen in Teilen der Welt stehen nie überwinden können.“

Deswegen besuchten die Schüler in Belgien und Frankreich am 30. Oktober Soldatenfriedhöfe und hielten gemeinsam formulierte Gedenkreden für die dort ruhenden Soldaten. Die Königsblauen widmeten sich unter anderem Franz Kahlke, dem Spieler des Turn- und Sportvereins Schalke 1877 in Gelsenkirchen. Elf Tage vor Ende des Ersten Weltkriegs, am 11. November 1918, ist Kahlke mit 19 Jahren gestorben. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Langemark in Belgien stellten sich die Teamkollegen Clein und Ceylan der Geschichte und blickten auf das Sterben im Stahlgewitter, Sturmangriffe, Gas-Granaten und dem Kampf um Boden gegen englische, kanadische und belgische Soldaten zurück. Zehntausende verloren ihr Leben, was den beiden Schalkern durch die 40.000 Namen auf den Tafeln der Steinblöcke in Langemark veranschaulicht wurde. „Das, was hier passiert ist, können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Deswegen war die Veranstaltung eine super Erfahrung“, fasste Clein zusammen.

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