Jobst: Persönliche Eitelkeiten hinten anstellen

Marketingvorstand Alexander Jobst sprach bei der Mitgliederversammlung am Sonntag (26.6.) zu den S04-Mitgliedern. Dabei berichtete er von Marketingerlösen, von der Vertragsverlängerung mit GAZPROM, außerdem von der Kumpelkiste. Außerdem verriet er Pläne für die Zukunft und sprach über die Außendarstellung des Clubs sowie ein Schalker Mentalitätsproblem.

Alexander Jobst über ...

Diese Marketingeinnahmen sind neben den medialen Erlösen lebenswichtig in unserer Struktur als eingetragener Verein. Unsere Arbeit schafft somit – unabhängig vom sportlichen Erfolg – langfristige wirtschaftliche Stabilität für den Verein. Und genau darin sehe ich die wichtigste Aufgabe unserer Abteilung. Die kann übrigens nur richtig funktionieren, wenn ein Rädchen auch ins andere greift. Darum an dieser Stelle meinen ganz herzlichen Dank an alle Mitarbeiter aus meinem Team. Wir müssen weiter ehrgeizig bleiben und viel besser sein als viele andere. Es macht Spaß, mit euch zu arbeiten.

… die Vertragsverlängerung mit GAZPROM:

Enorm wichtig für den Verein ist natürlich der neue GAZPROM-Vertrag. Ich freue mich sehr, dass wir unsere Partnerschaft bis 2022 verlängern konnten.

Dabei ist mir bewusst, dass einige das nicht ohne Kritik sehen. Ich habe schon im letzten Jahr gesagt, dass ich das weiß. Mit diesem neuen Vertrag trägt GAZPROM als langjähriger Partner enorm zur wirtschaftlichen Stabilität des FC Schalke 04 in unserer Vereinsstruktur bei. Die Planungssicherheit mit unserem wichtigsten Partner ist ein Meilenstein in unserer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung. Er mischt sich dabei wirklich nie in die Vereinsbelange ein. Das heißt zum Beispiel, er bestimmt auch nicht mit, welche Spieler wir verpflichten.

Wir haben einen Vertrag verhandelt, den wir so noch nie hatten, einen absoluten Rekorddeal! Das ist ein starkes Zeichen an die Konkurrenz! Und ein wesentlicher, elementarer Punkt in unserer Strategie.

All diese Erfolge sind nicht nur ein Verdienst des Marketings. Dazu haben viele im Verein beigetragen. Ich bedanke mich ganz ausdrücklich bei meinen Vorstandskollegen für die konstruktive und enge Zusammenarbeit im letzten Jahr. Vielen Dank Peter, und vielen Dank an Horst, wo immer er jetzt sein mag! Und auch von mir ein herzliches Willkommen. Christian, ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

… Internationalisierung:

Unser stabiles wirtschaftliches Fundament müssen wir natürlich ständig erweitern. Ein ganz wichtiger Baustein dabei ist die Internationalisierung. Letztes Jahr haben wir unsere Reise nach China abgesagt. Die Voraussetzungen haben nicht gepasst. Ich habe gesagt: Wir holen das nach. In einer Woche brechen wir auf ins Reich der Mitte! Dort lebt ein Fünftel der Weltbevölkerung. Wir wollen möglichst viele davon für unsere Schalke-Familie gewinnen – und Geld verdienen wollen wir natürlich auch.

… ein Jahr Kumpelkiste:

Ein Jahr Kumpelkiste geht nun vorüber und damit auch die größte und erfolgreichste Sachspendeninitiative, die je ein Fußballclub geleistet hat. Nochmal die Zahlen: über 10.000 Kisten, über 100.000 Sachspenden, mit denen wir Tausenden von Menschen geholfen haben. Dabei wurden fast 30.000 Kilometer zurückgelegt in 42 Städte und fünf Ländern.

Dafür möchte ich Danke sagen. Danke, dass ihr gezeigt habt, dass wir Schalker den Begriff „soziale Verantwortung“ ernst nehmen. Danke, dass ihr gezeigt habt, dass wir Schalker neben dem Fußball auch noch andere Dinge im Kopf haben. Vor allem aber Danke, dass ihr gezeigt habt, dass wir Schalker Großes leisten können, wenn wir es gemeinsam anpacken.

… Pläne für die neue Saison:

Was werden wir in der neuen Saison angehen? Auf alle Fälle viel Neues. Drei Beispiele:

Erstens: Schalke in unserer Arena. Pünktlich zum Saisonbeginn wird der neue Videowürfel, der größte Europas, in der VELTINS-Arena hängen.

Zweitens: Schalke zu Hause. Ab 1. Juli ist unser Schalke TV kostenlos für alle Mitglieder. Dazu gehören aus rechtlichen Gesichtspunkten leider nicht die Spiele. Aber sonst fast alles: alle Pressekonferenzen, alle Interviews, alle Hintergrundstories und noch viel, viel mehr. Ab sofort für über 142.000 Mitglieder Schalke TV kostenlos!

Drittens: Schalke in einem neuen Geschäftsfeld: Esport! Wenn einige damit nicht allzu viel anzufangen wissen: Ganz ehrlich, das ging mir genauso. Aber hier liegen große Möglichkeiten für unseren Verein. 1,7 Milliarden Menschen spielen weltweit Esport! 1,7 Milliarden! Und viele davon gehören zu einer neuen, ganz jungen Generation, die wir für unseren FC Schake 04 begeistern wollen. Und darum ist Schalke der erste Verein in Europa, der hier investiert und diesen Bereich strategisch aufbauen wird.

Wir gehen neue Wege. Und wenn wir schon bei neuen Wegen sind: Wir haben uns bewusst dazu entschieden unseren Außenauftritt in der kommenden Saison neu zu gestalten: Das heißt, viel dynamischer, etwas jünger und auch viel frecher. Und wie immer: Wir ziehen das konsequent durch.

… das Bild in der Öffentlichkeit:

Was haben wir in der letzten Zeit für ein miserables Bild in der Öffentlichkeit abgegeben. Wie häufig bin ich selbst von Sponsoren und anderen Leuten, denen dieser Verein am Herzen liegt, angesprochen worden: Was ist denn bei euch los? Zerlegt ihr euch gerade mal wieder selbst?

Die Folgen dieses miserablen Bildes spüren wir deutlich auch bei den Sponsoren-, aber insbesondere auch bei den Merchandising-Zahlen. Denn ich bin nach wie vor nicht zufrieden mit der Entwicklung unserer Merchandising-Zahlen. Diese könnten viel höher sein, als sie momentan sind. Und das hat ganz klar auch mit der negativen öffentlichen Wahrnehmung unseres Vereins zu tun.

Dazu meine Meinung: Wir brauchen Professionalität auf allen Ebenen und in allen Gremien.

Ich wünsche mir auch in Zukunft einen starken Aufsichtsrat, der kompetent geführt wird und grundsätzliche und richtungsweisende Entscheidungen für den Verein trifft. Und ich wünsche mir ab heute von allen Gremienmitgliedern, dass sie die Befriedigung persönlicher Interessen und Eitelkeiten endlich hinten anstellen! Nur so kann das in unserem e.V. klappen.

… Mentalitätsfragen:

Der zweite Punkt, der mich schon länger aufregt: Ich finde, wir haben ein massives Mentalitätsproblem in unserem Verein. Natürlich kann keiner von uns nach einem wiederholten Grottenkick gut drauf sein, und ja, wir haben einige Grottenkicks in der letzten Saison gesehen. Dass dann die Gesichter lang und länger werden, das kann ich gut verstehen. Das geht mir doch genauso. Ich meine aber nicht diesen Frust nach einem schlechten Spiel oder einer Reihe von schlechten Spielen. Wie gesagt, der ist normal. Mit „Mentalitätsproblem“ meine ich vielmehr diesen Pessimismus, der sich als Grundgefühl über unseren Verein gelegt hat. Diese Resignation, dieses Leiden, diese Lust am Weltuntergang.

Wieso sind wir eigentlich immer so verdammt negativ, so verdammt pessimistisch? Seit fünf Jahren, seit ich hier bin, höre ich dauernd Sätze wie „Alex, wenn’s drauf ankommt, haben wir schon immer verloren.“ Oder: „Schalker sein heißt, zu leiden.“ Ganz ehrlich: Ich kann diesen Mist nicht mehr hören! Wo steht das denn? Wo kommt dieses Genöle, dieses Gejammer, dieses Lamentieren eigentlich her?

Seien wir doch ehrlich: Selbst wenn wir in einem wichtigen Spiel gegen einen starken Gegner verdient 2:0 führen, dann sagt der eine oder andere Nachbar: „Na, der Gegner ist heute aber auch schwach.“ Wir glauben einfach nicht genug an unsere Stärke.

Aber genau diese Einstellung führt dazu, dass wir die unglaubliche Kraft, die dieser Verein hat, die ich jeden Tag spüre, nicht vollständig ausnutzen können. Auf dem Rasen und auf allen Spielfeldern in diesem Verein. Sachlich gesehen, gibt es überhaupt keinen Grund dafür.

Darum brauchen wir – und das ist meine eigene, tiefe Überzeugung – eine neue Mentalität auf Schalke; wir müssen an unserer Einstellung arbeiten. Lasst uns unsere Aufgaben – ich betone noch einmal: auf dem Rasen und allen anderen Spielfeldern im Verein – entschlossen und mutiger anpacken, mit Kraft und Zuversicht. Die anderen sollen sich nach uns richten müssen, und nicht wir uns nach denen.

Wir brauchen eine Siegermentalität. Daran müssen wir alle miteinander arbeiten! Mir ist klar, dass das nicht von heute auf morgen geht. Aber lasst uns heute anpacken. Lasst uns heute damit beginnen, der ganzen Welt zu zeigen: Schalke 04 ist ein Superverein! Schalke 04 ist wirklich der „Geilste Club der Welt“.

Ich möchte Erfolg für unseren Verein. Auf allen Ebenen, in allen Bereichen. Dafür stehe ich persönlich ein, dafür arbeitet mein Team sehr, sehr hart und mit aller Kraft. Erfolg erreichen wir aber nur dann, wenn auch alle im Verein das wirklich wollen. Wenn wir ans uns glauben, statt ständig an uns zu zweifeln. Wenn wir Probleme lösen, statt uns ständig selbst neue zu schaffen. Wenn wir Erfolg anstreben, statt den Misserfolg ständig selbst herbeizureden.

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