Peter Knäbel: Gemeinsamer Plan, nach dem wir konsequent handeln

In seiner neuen Rolle als Vorstand Sport und Kommunikation ist Peter Knäbel seit Wochen nahezu rund um die Uhr gefordert. Bei der digitalen Mitgliederversammlung am Sonntag (13.6.) sprach der 54-Jährige über die sportliche Situation, den Kaderumbau und die Zukunft der Königsblauen. schalke04.de hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Peter Knäbel

Peter Knäbel über…

… die vergangenen Monate:
Unser dramatischer sportlicher Absturz und viele Themen der vergangenen zwei Jahre abseits des Platzes haben uns Schalker – so ehrlich müssen wir sein – aufgerieben und gespalten. Das ist nicht spurlos an uns allen vorbeigegangen. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken. Bedanken für ihre Kraft und ihre Energie, mit der sie sich immer wieder neu motiviert haben; nach jeder Enttäuschung und nach jeder schlechten Nachricht.

Und glaubt mir, liebe Mitglieder: Ich kann gut nachfühlen, wie sehr auch euch dies mitgenommen hat.

Denn auch ich habe hinter meiner Maske auf der Tribüne gelitten und gehadert – nein: Ich habe mich sogar teilweise geschämt. Der Abstieg als solcher war schon schlimm. Noch schlimmer war für mich aber die Art und Weise unseres Abstiegs. Denn unser stolzer S04 hat in dieser Saison seine sportliche Würde verloren. Das schmerzt mich am allermeisten, das schmerzt mich noch heute. Und ich kann gut verstehen, was sich da auch bei euch aufgestaut hat!

Ich persönlich ziehe aus der Wut, der Enttäuschung und der Ohnmacht meine Energie, meine feste Überzeugung, um euch zu versichern: Damit wird, damit muss Schluss sein! Das wird und muss sich ändern! Solche Leistungen werdet Ihr nicht wieder zu sehen bekommen. Dafür stehen wir – unser neuer Sportdirektor Rouven Schröder, unser Trainer Dimitrios Grammozis und sein Trainerteam, und ich.

… den Kaderumbau:
Aktuell haben wir es mit dem größten Kaderumbau zu tun, den ich persönlich je gesehen habe. Bis zum Ende der Transferperiode werden wir nicht weniger als zirka 70 Personalentscheidungen getroffen haben. Und das alles unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die nicht nur Corona-bedingt so schwierig waren wie schon lange nicht mehr.

Und trotzdem bin ich optimistisch. Warum? Weil wir, die sportliche Leitung, genau wissen, was wir tun und wie wir es tun. Und weil wir einen gemeinsamen Plan haben, nach dem wir konsequent handeln. Mit kaufmännischer Vernunft, aber auch sportlich ambitioniert. Unsere vier Handlungsfelder sind:

I. Sportliche Leitung: Die sportliche Leitung. Schon lange wurde die Forderung nach einem Sportdirektor gestellt. Jetzt haben wir es endlich umgesetzt. Und ich sage es mit aller Klarheit: Der Sport auf Schalke ist keine One-Man-Show. Wir brauchen dafür ein starkes Team. Unser Sportdirektor Rouven Schröder spielt dabei eine entscheidende Rolle: Jeden Tag läuft er, mit Handy und Ladekabel bewaffnet, die Gänge der Geschäftsstelle auf und ab und positioniert uns auf dem Transfermarkt. Einem Transfermarkt, der so kompliziert wie selten zuvor ist und der für die Zukunft unseres Vereins noch nie so wichtig war. Dank Rouven Schröder haben wir schon jetzt deutlich mehr Präsenz und Power auf dem Transfermarkt.

II. Scouting: Unsere Scoutingabteilung. Jahrelang unsere Achillesferse. Mit der Taskforce Kaderplanung ging es bereits bergauf. Unser neuer Chefscout André Hechelmann wird diese Abteilung mit talentierten, motivierten Mitarbeitern und neuester Datentechnik auf ein neues, auf ein konkurrenzfähiges Level bringen.

III. Knappenschmiede: Die Knappenschmiede, unsere Goldschmiede. Meine Heimat auf Schalke. Auch wenn wir in der kommenden Saison mit den Profis in der Zweiten Liga spielen werden – die Knappenschmiede bleibt erstklassig und einzigartig! Ihr Etat bleibt stabil – das ist für unseren Verein eine wichtige strategische Entscheidung.

Die Scoutingabteilung rund um Mathias Schober, aber auch die Trainerteams der jüngeren Mannschaften haben in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Wir dürfen uns auf spannende Talente aus dem Übergangsbereich U19/U23 freuen. Ich sage euch: Da kommt richtig was nach!

Und eines möchte ich an dieser Stelle nicht versäumen: An alle Trainer, allen voran unseren Cheftrainer Norbert Elgert, an alle Betreuer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein spezielles Dankeschön an die Eltern der Spieler der Knappenschmiede, die gerade in Corona-Zeiten sehr belastet waren und selbstverständlich mit angepackt haben: Ein herzliches Dankeschön für euer großes Engagement!

IV. Kaderprofil: Viertes Handlungsfeld ist das Kaderprofil. Die bisherigen Transfers weisen den Weg: fußballerische Qualität gepaart mit Mentalität. Danny Latza, Simon Terodde und Victor Palsson als Achsen- und Ankerspieler, die nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine sehr wichtig sind. Dazu mit Marcin Kaminski ein Routinier, der Aufstieg kann. Mit Thomas Ouwejan sowie Reinhold Ranftl zwei Spieler, die mit viel Dynamik die Außenbahnen beackern werden. Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht: Vor meinen Augen entsteht dabei ein Bild. Das Bild eines Teams, auf dessen Charakter und Spielstil ich mich jetzt schon freue.

Ihr werdet eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die von Anpfiff bis Abpfiff alles für den FC Schalke 04 gibt: Bedingungslosen Einsatz, totale Leidenschaft und Hingabe.

Peter Knäbel

… die kommenden Monate:
Aber: Der Kaderumbruch ist noch lange nicht zu Ende. Wir brauchen einen langen Atem und viel Geduld. Eines ist dabei sonnenklar: Jeder Spieler, der bleibt, muss zeigen, dass er verstanden hat. Dass er verstanden hat, worum es jetzt in erster Linie geht: die sportliche Würde und den Respekt für unsere Farben zurückzuerobern.

Wir müssen schnell wieder lernen zu gewinnen. Wir müssen schnell wieder lernen Siege einzufahren, die wir so sehnsüchtig vermissen. Wir brauchen unbedingt eine Siegermentalität.

Aber allen ist bewusst, für alle ist klar: diese Zweite Liga ist eine riesige Herausforderung für jeden von uns. Ein Spaziergang wird das sicher nicht. Wir nehmen diese Herausforderung mit großer Demut, viel Respekt, aber auch mit großer Vorfreude an.

Den sofortigen Wiederaufstieg oder Siege in Serie kann und werde ich euch nicht versprechen. Wir werden dafür alles tun, alles unternehmen. Ihr werdet eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die von Anpfiff bis Abpfiff alles für den FC Schalke 04 gibt: bedingungslosen Einsatz, totale Leidenschaft und Hingabe. Damit ist unwiderruflich klar: Wer dies nicht lebt und dies nicht verstanden hat, der hat hier auf Schalke keine Zukunft mehr!

… ein wiedervereintes Schalke:
Liebe Mitglieder, am Tag des definitiven Abstiegs – und ich muss dieses Kapitel ansprechen, weil es mir wichtig ist – haben wir nicht nur sportlich verloren. Wenn unsere Vereinslegenden, wenn irgendein Schalker körperlich traktiert und verfolgt wird, dann ist die rote Linie weit überschritten.

Gewalt an sich hat keinen Platz auf Schalke. Wir müssen uns konsequent von dieser kriminellen Energie distanzieren und von diesen Personen trennen. Das sind Chaoten, das sind Schläger, das sind Kriminelle – aber Schalker sind das nicht.

Doch lasst uns von jetzt an nach vorne schauen: Nur ein geeintes, ein wiedervereintes Schalke kann die großen Herausforderungen meistern. Das fängt bei Christina und mir an. Der Vorstand muss und wird als Einheit funktionieren und agieren.

Und diese Einheit muss sich fortsetzen bei Fans, Mitgliedern, Mitarbeitern und vor allem bei der Mannschaft. Wir müssen eine Einheit, eine verschworene Einheit sein – füreinander und miteinander. Wir müssen bedingungslos zusammenhalten und ein Team sein! Denn aus diesem Zusammenhalt, dieser Geschlossenheit schöpfen wir Schalker unsere Energie, unseren Mut und unseren Stolz.

Neuzugänge, die an dieser Stelle stolz präsentiert wurden, spielen dabei eine wichtige Rolle. Ich sage euch hier und jetzt und mit vollster Überzeugung: Der wichtigste Schalker Neuzugang in diesem Jahr seid ihr, wenn ihr wieder bei uns seid!

Ich freue mich auf jeden Einzelnen, ich freue mich auf jede Einzelne von euch.

Glück auf!

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