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FC Schalke 04 trauert um Klaus Hartenstein
Zur berühmten Herzensangelegenheit wird Königsblau für Klaus Hartenstein in den 1950er-Jahren. In der Glückauf-Kampfbahn pariert der Torhüter die Bälle und hat seine Finger auch im Spiel, als eine spätere Generation im Parkstadion mit dem „Dual“-Logo auf der Trikotbrust einläuft. Am 27. Januar ist Hartenstein mit 95 Jahren verstorben. Seinen Knappen hat er bis zuletzt treu die Daumen gedrückt.
1930 in Breslau geboren, zieht Klaus Hartenstein mit seiner Familie vier Jahre später nach Mannheim, wo er das Bolzen beginnt und mit der Jugend des SV Waldhof die Süddeutsche Vizemeisterschaft feiert. Beim pfälzischen Oberligisten VfL Neustadt macht er schnell von sich reden, sodass 1950/1951 der Südwest-Serienmeister 1. FC Kaiserslautern um Idol Fritz Walter anklopft. In einem Gespräch mit dem Schalker Kreisel rund 70 Jahre später erinnert er sich, wie er seinen neuen Sportskameraden damals zuraunt: „Die Absatztricks vom Fritz Walter, die kann ich auch.“ Später reift die Erkenntnis: „Das hat mir bei den Kollegen nicht gerade geholfen.“
Auch sportlich reichts nicht zum Durchbruch. Das soll auf Schalke anders werden, hofft das Talent. Nach Kriegswirren und Wiederaufbau haben die Knappen 1951 gerade ihre erste Meisterschaft in der Oberliga West errungen. „Dieser Verein hat mich gereizt“, erklärt Hartenstein. „Vermutlich hätte ich auch ohne Geld für ihn gespielt.“ Hinter Berni Klodt & Co. darf sich der Neue als Nummer eins fühlen und in zwölf Oberliga-Duellen ran. Als Nummer zwei hinter Rot-Weiss Essen startet Schalke in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, belegt aber nur den vierten und damit letzten Rang.
Die zweite und bereits letzte Saison für Hartenstein läuft 1952/1953 noch kürzer als erhofft. Der S04 beschließt die Oberliga als Sechster, der Keeper darf sich lediglich fünfmal beweisen. Wegen eines ausgekugelten Arms muss er unters Messer, bekommt ein Schienbeinstück in die Schulter montiert. Gerüchte kreisen, Schalke sei an Torwart-Legionär Bert Trautmann von Manchester City interessiert, da schaut er sich nach Alternativen um und geht. Beim 1. FC Köln wiederum muss er meist dem niederländischen Nationaltorhüter Frans de Munck bei der Arbeit zuschauen. Angesichts ohnehin überschaubarer Gehälter verabschiedet sich Hartenstein mit nur 25 Jahren aus dem Geschäft, um etwas anderes zu erlernen. Den Fußball habe er danach nicht mehr vermisst: „Zur Ausbildung Jugendlicher war er damals gut, als Beruf weniger einträglich.“
Für die Elektronikfirma Nordmende vertreibt er Fernseher, Radios sowie Schallplattenspieler, erklimmt in den Siebzigerjahren die Karriereleiter bei Nordmende und dem zeitweise weltweit größten Hersteller von Plattenspielern: Dual. Vier Buchstaben, die auch auf Schalke Anklang finden. In der Saison 1987/1988 trägt sie das Team um Toni Schumacher und Olaf Thon auf der Brust. Das Geschäft als Trikotsponsor hat Hartenstein mit seinem früheren Mannschaftskameraden und amtierenden S04-Präsidenten Günter Siebert sowie Manager Rolf Rüssmann besiegelt. Die Liaison hält allerdings nur eine Spielzeit. Dual wird verkauft, Schalke steigt ab.
Im Elektronikgeschäft begleitet der ehemalige Keeper noch den Übergang von der Platte zur CD und verabschiedet sich Anfang der Neunziger in den Ruhestand. Mit Tennis und Golf hält er sich lange fit, lebt zeitweise auf Mallorca und genießt die Sonnenstunden mit Ehefrau Brigitte, einem früher bekannten Model. Die Liebe zur Kultur zieht das Paar zurück nach Deutschland, erst nach Dresden, dann in eine edle Seniorenresidenz im Berchtesgadener Land, günstig gelegen zwischen Alpenpanorama und Salzburger Festspielhaus.
Auch die Fußballkultur pflegt der S04-Anhänger weiter, verfolgt jedes Duell am Fernseher und richtet seinen kritischen Blick naturgemäß besonders auf das Torhüterwesen. Mit dem Schalker Kreisel hält er ebenfalls den Kontakt. „Und? Was macht Schalke?“, heißt es dann stets. Der Grandseigneur freut sich über blau-weiße Doppelpässe und wird im Gegenzug für seinen hellen Geist geschätzt. Als sich jüngst seine Ehefrau aus Bayern meldet, ist leider kein Platz für gute Nachrichten. Nach einem Sturz war der 95-Jährige schon auf dem Weg der Besserung, da versagte sein königsblaues Herz den Dienst.
Der FC Schalke 04 wird Klaus Hartenstein stets ein ehrendes Andenken bewahren.